Tempo 100 auf Autobahnen spart auch Erdgas
Wie hoch das Sparpotenzial aber tatsächlich ist, ist unklar. Die OMV will zu ihrem Erdgasverbrauch keine Angaben machen.
Wien – Ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf Autobahnen würde auch Erdgas sparen, weil weniger Rohöl verarbeitet werden müsste. Dass sich nicht nur Sprit, sondern auch Erdgas einsparen lässt, gilt unter Fachleuten als unbestritten. Wie hoch das Sparpotenzial tatsächlich wäre, ist unklar. Die Schätzungen gehen weit auseinander. Die OMV will keine Angaben dazu machen, wie hoch der Erdgasverbrauch in der Raffinerie Schwechat ist. Diese Zahl werde aus Wettbewerbsgründen nicht offengelegt.
Um aus Rohöl Produkte wie Diesel oder Benzin herzustellen, wird Energie benötigt. Die OMV betreibt in Schwechat laut früheren Angaben zwei Heizkraftwerke, um die gesamte petrochemische Anlage mit Strom zu versorgen. Verheizt werden dabei sowohl unbrauchbare Rückstände aus der Benzin- und Dieselherstellung als auch Erd-, Rest- und Mischgas. Relevante Mengen Erdgas verbrauchen Raffinerien bei der Entschwefelung. Das ist der zweite Produktionsschritt nach dem Destillieren. Um aus den Rohprodukten schwefelarme Treibstoffe zu machen, braucht es Wasserstoff, der derzeit fast ausschließlich aus Erdgas gewonnen wird. Auch an einer zweiten Stelle im Straßenverkehr wird Erdgas benötigt, und zwar in Form von Harnstoff zur Abgasnachbehandlung bei Dieselmotoren. Als Treibstoffzusatz ist Harnstoff unter dem Markennamen „AdBlue“ bekannt. Harnstoff wird aus Ammoniak hergestellt und dieser wiederum per Haber-Bosch-Verfahren aus Wasserstoff, der seinerseits aus Erdgas gewonnen wird. Durch die hohen Gaspreise stieg der Preis für AdBlue von rund 10 bis 15 Euro auf deutlich über 100 Euro pro 100 Liter.
Nach der Einschätzung von Günther Lichtblau, Mobilitäts- und Klimaexperte beim Umweltbundesamt, käme es bei einem reduzierten Tempolimit nur zu marginalen Einsparungen von Erdgas. Eine größere Rolle spielt AdBlue beim Schwerverkehr. Aber auch hier würde es zu keinen Einsparungen kommen, weil für diesen bereits Tempo 80 gilt. Einig sind sich die Experten aber darin, dass langsamer Fahren zu deutlich weniger CO2-Emissionen und Schadstoffen sowie zu einem niedrigeren Treibstoffverbrauch führt, da der Luftwiderstand nicht linear, sondern exponentiell zunimmt. Das heißt, bei doppelter Geschwindigkeit vervierfacht sich der Luftwiderstand. Übrigens: Auch Elektroautos verbrauchen Erdgas, und zwar dann, wenn sie zu einem Zeitpunkt geladen werden, an dem nicht genug Strom aus erneuerbaren Energiequellen zur Verfügung steht. Im Jahresschnitt wird ungefähr jede fünfte Kilowattstunde Strom in einem Gaskraftwerk produziert. (APA)