Vernachlässigung

Stadt Innsbruck schlägt Alarm: Immer mehr Kinder brauchen Pflegeeltern

Raphael Hölbling (l.) von der Kinder- und Jugendhilfe und Vize-BM Hannes Anzengruber schlagen Alarm: Der Bedarf an Pflegeeltern steigt.
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Überforderung, psychische Erkrankungen, Drogensucht: Die Zahl der Eltern, die sich nicht um ihre Kinder kümmern können, wächst. Die Stadt sucht deshalb händeringend nach Pflegeeltern für Babys und Kleinkinder bis drei Jahre.

Von Denise Daum

Innsbruck – Die Zahlen sind alarmierend: Im Jahr 2019 – also vor der Corona-Krise und der ausufernden Inflation – verzeichnet die Kinder- und Jugendhilfe Innsbruck 880 Gefährdungsmeldungen. Zwei Jahre später waren es bereits 1200. Das bedeutet eine Zunahme von 36 Prozent. Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Kinder, die dauerhaft aus ihrer Familie genommen werden müssen. Immer mehr Eltern seien völlig überfordert, deren Kinder vernachlässigt, weiß Raphael Hölblinger, Amtsvorstand der Kinder- und Jugendhilfe in Innsbruck. Die Ursachen dafür seien oftmals Drogenkonsum oder psychische Erkrankungen.

„Jedes Kind soll in einem liebevollen Zuhause ohne Gewalt aufwachsen“, sagt der zuständige Vizebürgermeister Hannes Anzengruber (ÖVP). Die Stadt sucht deshalb händeringend nach Pflegeeltern für Babys und Kleinkinder bis drei Jahre. Aktuell gibt es in Innsbruck rund 30 Pflegefamilien. 76 Kinder und Jugendliche aus Innsbruck sind derzeit bei Pflegeeltern in ganz Tirol untergebracht.

Alleinstehende Personen, gleichgeschlechtliche oder unverheiratete Paare: Grundsätzlich kann jede Person unter 45 Jahren ein Kind zur Dauerpflege aufnehmen. Voraussetzung sind ein einwandfreier Leumund und gesicherte finanzielle Verhältnisse. „Die Kinder bringen naturgemäß ein Paket mit. Wichtig ist deshalb, dass Pflegeeltern geduldig sind, Vertrauen aufbauen und Stabilität geben können“, erklärt Hölbling. Diplomatie ist im Umgang mit den Herkunftsfamilien gefragt, denn je nach Situation haben die leiblichen Eltern einen Anspruch auf Kontakt zum Kind.

Pflegeelternkurs und Kennenlernphase

Das Amt prüft in mehreren Gesprächen, ob jemand für diese Aufgabe geeignet ist. Bevor ein Kind aufgenommen werden kann, muss ein Pflegeelternkurs absolviert werden. Nach einer Kennenlernphase wird das Kind in die Obhut der Pflegeeltern gegeben. Sozialarbeiter begleiten sie dabei. Die finanzielle Unterstützung liegt bei 500 bis 800 Euro monatlich (je nach Alter des Kindes), zudem kann Familienbeihilfe bzw. Kinderbetreuungsgeld bezogen werden.

Wer Interesse hat, ein Pflegekind aufzunehmen, möge sich per Mail bei der Kinder- und Jugendhilfe melden: post.kinderhilfe@innsbruck.gv.at. Ein Informationsabend ist für den Herbst geplant.

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