Salzburger Festspiele

Festakt zur Festspiele-Eröffnung: Der Krieg und seine Eintönigkeit

„Desertieren wir also aus der Eintönigkeit des Krieges“, forderte Festredner und Schriftsteller Ilija Trojanow gestern in Salzburg.
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Das Verhältnis von Kunst und Macht: Beim gestrigen Festakt zur Eröffnung der Salzburger Festspiele war nicht nur die Rede von Ilija Trojanow hochpolitisch.

Salzburg – Salzburg stand in diesem Jahr gar nicht im Mittelpunkt. Jedenfalls nicht bei Ilija Trojanow, der gestern mit einer hochpolitischen Festrede die Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule eröffnete. In seinem Text mit dem Titel „Der Ton des Krieges, die Tonarten des Friedens“ reiste er mit den ZuhörerInnen nach Odessa, Serbien, Guatemala oder in die Zeit von Stalin zurück. In seinem Text begab sich Trojanow auf die Suche nach dem Verhältnis von Kunst und Macht. Dieses sei komplex, resümiert der deutsche Schriftsteller mit bulgarischen Wurzeln. Am Krieg, laut Trojanow „die schlimmste Waffe der Macht“, führte es nicht vorbei.

Nationalismus führe unweigerlich zu Krieg, bringt es der Schriftsteller auf den Punkt. Und kommt dabei nicht nur auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen, sondern spricht auch von einem „Krieg gegen die Natur“. Hier sei es „richtig und richtungsweisend“ gewesen, dass die Festspiele im Falle des Sponsors Solway, eines für mutmaßliche Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen in die Kritik geratenen Bergbaukonzerns, die Beziehungen beendet hätten, sagt Trojanow. Aber nicht nur Sponsoringregeln gehörten geändert, so der Schriftsteller, sondern das System. „Desertieren wir also aus der Eintönigkeit des Krieges in die Vieltönigkeit der Kunst“, so Trojanows Fazit am Ende.

Hochpolitisch waren auch die Worte von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Wie schon in seinen Eröffnungsreden bei den Festspielen in Bregenz und auch zur Eröffnung der Tiroler Festspiele in Erl warnte er im Kontext des russischen Angriffskrieges: „Unsere Demokratie wird angegriffen. Mit hoher Aggression und Vernichtungswut.“ In der Ukraine werde um das gekämpft und gestorben, „woran wir glauben. Um unsere Werte!“, so Van der Bellen gestern in Salzburg. Es gebe kein Zurück „in die gute alte Zeit“, resümierte der amtierende Bundespräsident, der sich im Oktober der Wiederwahl stellt. Im Kontext des Ukraine-Krieges brauche es „ein grundlegendes Umdenken, wenn wir diese Krise erfolgreich bewältigen wollen“, mahnte er.

Als „die Neue“ vorgestellt hat sich beim gestrigen Festakt – bei dem das Mozarteumorchester Salzburg unter Duncan Ward sowie der Bachchor Salzburg mit Stücken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Giacinto Scelsi und des 1937 geborenen ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov den musikalischen Programmteil bestritten – Festspielpräsidentin Kristina Hammer. Angesichts der Weltlage pochte sie auf die Kunst, die „Geistes- und Herzensbildung in einem ist“, so Hammer. Es gehe um „Kultur als Gegenmodell zur Barbarei“, betonte hingegen Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne). Für sie sei es schließlich „die Kunst, die uns darin stärkt, die Idee einer friedlichen Welt zu leben“.

Für Misstöne sorgte bei der gestrigen Eröffnung eine Gruppe von DemonstrantInnen. Mit einem Pfeifkonzert hatten sie Bundespräsident Van der Bellen, Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) und weitere hochrangige PolitikerInnen empfangen. Wer hinter der Aktion steckte, war zunächst nicht bekannt.

Das künstlerische Programm der Festspiele begann bereits vor einer Woche mit der Wiederaufnahmepremiere des „Jedermann“. Mit Hugo von Hofmannsthals Traditionsstück wurde am Domplatz die Ouverture spirituelle eingeläutet. Die erste szenische Neuproduktion galt gestern Abend dem von Romeo Castellucci inszenierten Doppelabend mit Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ und Carl Orffs „De temporum fine comoedia“, bei dem der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis die musikalische Leitung übernommen hat.

Verschoben wurde hingegen die erste Schauspielproduktion auf der Perner-Insel in Hallein. Aufgrund von Covid-Fällen im Ensemble wird die heutige Premiere von Ivo van Hoves Fleißer-Stück „Ingolstadt“ auf Montag, 1. August, verschoben. Auf dem Programm der diesjährigen Festspiele stehen insgesamt 228 Veranstaltungen. In Summe sind knapp 225.000 Karten aufgelegt. (bunt, APA)