Penisschwellung und rektale Schmerzen: Affenpocken-Symptome ändern sich
Laut einer neuen Studie aus Großbritannien gibt es wichtige Unterschiede bei den Symptomen einer Affenpocken-Infektion zwischen dem derzeitigen und früheren Ausbrüchen.
London – Die Ausbreitung der Affenpocken ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und wurde bereits als „Notlage von internationaler Tragweite“ eingestuft. Wissenschafter des britischen „Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust“ haben nun herausgefunden, dass sich die Krankheit offenbar weiterentwickelt bzw. verändert hat. Laut einer aktuellen Studie gibt es wichtige Unterschiede bei den Symptomen zwischen dem derzeitigen und früheren Ausbrüchen in betroffenen Regionen.
Bisher galten Hautausschlag, geschwollene Lymphknoten, Entzündungen in der Genital- und Analregion sowie Fieber, Schüttelfrost und Muskelschmerzen zu den beschriebenen Symptomen. Neu hinzu kamen nun auch Penisschwellungen und rektale Schmerzen. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 197 Betroffenen in London zwischen Mai und Juli dieses Jahres. Hilfreich ist diese Erkenntnis nun vor allem für potenziell Betroffene sowie für Mediziner:innen, die bei Patienten mit solchen Symptomen jetzt auch Affenpocken in Betracht ziehen können. In der Regel verläuft die Krankheit übrigens nicht tödlich, sie kann aber extrem schmerzhaft sein.
Hotspot-Metropole London
Laut WHO sind inzwischen mehr als 16.000 Affenpocken-Fälle in 75 Ländern bestätigt, außerdem seien fünf Menschen gestorben, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus unlängst. Besonders betroffen sei Europa. Im Gegensatz zum Rest der Welt schätze die Organisation hier das Infektionsrisiko als hoch ein, so der WHO-Chef. Als Hotspot in Europa gilt die britische Hauptstadt London. Laut den Daten der britischen Regierung gab es in Großbritannien bisher 2137 bestätigte Fälle (Stand vom 18. Juli 2022) von Affenpocken. 2050 dieser Fälle traten in England auf – und hier mit 73 Prozent fast drei Viertel der Infektionen in London.
Die 197 Teilnehmer der neuen Studie waren übrigens Männer mit einem Durchschnittsalter von 38 Jahren. 196 beschrieben sich als homosexuell, bisexuell oder als andere Männer, die Sex mit Männern haben. Alle Patienten litten unter Läsionen der Haut oder der Schleimhaut. Am häufigsten betroffen waren dabei die Genitalien oder der Bereich um den Anus. 86 Prozent der Patienten berichten von einer „systemischen Erkrankung“, die den ganzen Körper betraf. Zu den häufigsten Symptomen gehörten mit 62 Prozent Fieber, mit 58 Prozent geschwollene Lymphknoten und mit 32 Prozent Muskelschmerzen und Schmerzen.
Im Gegensatz zu vor der Studie bekannten Fallbeschreibungen, die nahelegten, dass zuerst systemische Symptome und dann die Hautläsionen auftreten, litten nun 38 Prozent der Patienten an derartigen Symptomen erst nach dem Auftreten von Läsionen der Schleimhaut. 14 Prozent der Patienten litten zudem an Läsionen ohne systemische Symptome. Insgesamt berichteten 71 Patienten von rektalen Schmerzen, 33 hatten Halsschmerzen, 31 litten unter Penisödemen, 27 hatten orale Läsionen, 22 eine einzelne Läsion und neun geschwollene Mandeln. Die Studienautoren betonen, dass vereinzelte Läsionen und geschwollene Mandeln bisher nicht als für Affenpocken typisch bekannt waren und daher fälschlicherweise einer anderen Krankheit zugeschrieben werden könnten. Die Forschungsergebnisse wurden in BMJ veröffentlicht.
Mehr als ein Drittel hat auch HIV-Infektion
Mit 36 Prozent hatte etwas mehr als ein Drittel der Betroffenen auch eine HIV-Infektion. 32 Prozent der Männer, die auf sexuell übertragbare Krankheiten untersucht wurden, waren infiziert. Insgesamt wurden 20 Studienteilnehmer ins Krankenhaus eingeliefert. In den meisten Fällen waren dafür rektale Schmerzen und Penisschwellungen verantwortlich.
Es kam in der Folge jedoch zu keinen Todesfällen. Zusätzlich musste keiner der Männer auf der Intensivstation behandelt werden. Nur ein Studienteilnehmer war vor Kurzem in eine endemische Region gereist. Damit wird die Übertragung innerhalb von Großbritannien bestätigt. Nur ein Viertel der Patienten verfügte über einen bekannten Kontakt mit einer Person mit einer bestätigten Affenpocken-Infektion. Damit besteht die Möglichkeit einer Übertragung durch Personen ohne oder mit nur sehr geringen Symptomen. (TT.com)