Künstlerische Intervention am Landhaus: Kritik an Vergabeprozess wird lauter
Jury als „Alibiinstitution“: In der Debatte um eine künstlerische Intervention am Landhaus regt sich Protest.
Innsbruck – Dass sich das Land Tirol mittels einer künstlerischen Intervention künftig kritisch mit der Historie des Landhauses als einstigem NS-Gauhaus auseinandersetzen will, wurde in- und außerhalb der Kulturszene positiv aufgenommen. Wie die Auswahl der Intervention erfolgte, rief zuletzt jedoch kritische Stimmen auf den Plan.
Die Politik hatte mit ihrer Entscheidung nämlich die eigens eingesetzte Jury übergangen. Diese hatte Franz Wassermanns „Wir haften für unsere Geschichte“ als Siegerprojekt zur Umsetzung empfohlen. Das Land entschied sich jedoch für eine Umsetzung von „Balkensturz“ von Künstlerin Ramesch Daha und dem Kollektiv AKT – die TT berichtete. Weil die Zweitgereihte in der „Gesamtsicht“ besser passte, erklärte das Land später.
Eine „inhaltliche Entscheidung“ ortete zunächst der stellvertretende Juryvorsitzende Hannes Sulzenbacher. In einem offenen Brief kritisierte dann Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren) den Entscheidungsprozess, der „die Arbeit und Expertise von Fachleuten missachtet, die Transparenz und Objektivität garantieren soll“. Wo Jurys „zur Alibiinstitution“ degradiert werden, könnten sie politische Einflussnahmen nicht verhindern, schreibt Ruiss.
Wenn die Entscheidung bereits steht, warum nicht direkt vergeben? Diese Frage stellt Mesut Onay, ALI-Gemeinderat in Innsbruck, in einer Stellungnahme zur Landhausplatz-Debatte. Stattdessen würden faire Rahmenbedingungen lieber wieder verworfen, so Onay, der auf ähnliche Entscheidungen in der Vergangenheit verweist. Als Teil von „KulturGuerilla“ beschenkte er 2012 Kulturlandesrätin Palfrader (ÖVP) mit „sauren“ Zitronen. Sie hatte vorher von einer Jury empfohlene TKIopen-Projekte (etwa von Oliver Ressler) abgelehnt.
Weniger an der Entscheidung selbst als an der Kommunikationsstrategie des Landes, die nur „Verlierer:innen“ produziere, stört sich die Tiroler Künstler:innenschaft. Ihre Entscheidung pro Ramesch Daha verkündeten LR Beate Palfrader und LR Johannes Tratter (beide ÖVP) nämlich zunächst ohne Verweis auf das eigentliche Siegerprojekt der Jury. Diese Strategie, „die auf ein fehlendes Bewusstsein für die Notwendigkeit von Transparenz“ hindeute, werte das „gesamte Kunst-am-Bau-Projekt inkl. Wettbewerb“ ab, gibt der Vorstand der Künstler:innenschaft in einem offenen Brief zu bedenken. Dass Ramesch Dahas Projekt nun zuweilen als „zweite Wahl“ angesehen wird, wirke sich nach Meinung der Künstler:innenschaft außerdem „kreditschädigend“ auf Werk und Künstlerin und Kollektiv aus. (bunt)