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„Die Zauberflöte“ bei den Salzburger Festspielen: Happy End im Puppenhaus

Recycling auf höchstem Niveau: Bei den Salzburger Festspielen wird eine vier Jahre alte Version der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ in viele neue Hände gelegt und diesmal wohl auch zum erwarteten Erfolg.

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Herzlich willkommen im Salzburger Märchenhaus! „Die Zauberflöte“ wurde an den richtigen Stellen gründlich runderneuert.
© Sandra Then

Von Markus Schramek

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Salzburg – Ein zweiter Aufguss kann als Desaster enden, als ausgewachsene Verschlimmbesserung. Das Risiko ist groß, doch die Salzburger Festspiele beweisen Mut. Intendant Markus Hinterhäuser gibt der durchgefallenen „Zauberflöte“-Inszenierung des Jahres 2018 (szenisch überfrachtet, musikalisch grenzwertig) eine zweite Chance. Regisseurin Lydia Steier, vor vier Jahren gehörig durch den Kakao gezogen, ergreift sie dankbar und nutzt sie: Die neu einstudierte Version ihrer „Zauberflöte“ wird bei der Premiere vorgestern Samstag vom Publikum begeistert, vielleicht auch erleichtert, aufgenommen, und das völlig zu Recht.

Aus den Fehlern von 2018 wurde gelernt. Die Produktion verlor sich damals in der Weite des Großen Festspielhauses. Spielort ist jetzt das viel kleinere, kompakte Haus für Mozart. Hier kommt die von Katharina Schlipf liebevoll ersonnene Bühne, einem Puppenhaus nachempfunden, ausgezeichnet zur Geltung. Zwei Drehelemente ermöglichen fließenden Szenenwechsel im Sauseschritt und somit immer neue Details, die es zu entdecken gilt.

Eine prägende Änderung auch im Graben: Die musikalische Leitung obliegt nun Joana Mallwitz, die 2020 mit einer weiteren Mozart-Oper, „Così fan tutte“, bei ihrem Debüt in Salzburg überzeugte. Unter Mallwitz’ Dirigat erstrahlen die Wiener Philharmoniker auf ihre unnachahmliche Weise. Es wird ein Fest für die Ohren. Orchester und singendes Personal in schönster Gegenseitigkeit und Wertschätzung.

Während auch in der Besetzungsliste munter durchgetauscht wurde, bleibt der erzählerische Ansatz unverändert: Ein Großvater, wohl die deutlich ältere Ausgabe von Prinz Tamino, liest seinen drei Enkeln die Story der „Zauberflöte“ als Bettlektüre vor. Bald sind die vier selbst mittendrin im Geschehen. Sie machen Bekanntschaft mit der Königin der Nacht, die spektakulär in Begleitung bedrohlich zuckender Blitze erscheint und vor Wut kocht, habe doch der verhasste Oberpriester Sarastro ihre Tochter Pamina entführt. Diese zu retten macht sich der junge Prinz Tamino auf. Begleitet wird er vom kumpelhaften Plappermaul Papageno. Das seltsame Paar erlebt haarsträubende Abenteuer, mit dem erzählenden Opa und seinen Enkerln (ein großartiges Gespann aus Burgschauspieler Roland Koch und drei Wiener Sängerknaben) stets dicht auf den Fersen.

Märchenhaft spannend und mitunter augenzwinkernd ist diese Inszenierung. Plüschtiere aus dem Kinderzimmer werden lebendig und tapsen in gigantischer Größe die Treppe hinunter. Papageno, als Metzgersohn und amouröser Schwerenöter ist er fleischlichen Genüssen keineswegs abhold, soll der Verzehr von Gemüse schmackhaft gemacht werden. Dieses kommt in Frauengestalt auf zwei Beinen daher. Sehr frauenfreundlich ist das nicht.

Ja, es gibt reichlich Gags, doch die Schmerzgrenze bleibt unangetastet. Und reines Family-Entertainment, hinterlegt mit einem „Best of Mozart“, ist dieses Opern-Remake nicht. Sarastro lässt in martialischer Pose Soldaten rekrutieren. Diese kehren verwundet und verstümmelt zurück. Aktuelle Bezüge herzustellen, fällt nicht schwer.

Die Partien sind durchwegs top besetzt. Die allseits beliebten Gassenhauser-Arien erklingen zwar nicht wie neu, jedoch frisch und unverkrampft. Tareq Nazmi als Sarastro findet die nötige Bass-Tiefe und interpretiert „In diesen heil’gen Hallen“ würdevoll und majestätisch. Brenda Raes wütende „Rache-Arie“ als Königin der Nacht, mit den irrwitzigen Koloraturen, ist furios und angsteinflößend gut. Papageno Michael Nagl ist ganz der tolpatschig-liebenswerte Vogelfänger (wenngleich es ihm um essbar Gefiedertes geht).

Regula Mühlemann verleiht der Zerrissenheit der Pamina mit glasklarem, leidenschaftlichem Sopran Ausdruck. Tenor Mauro Peter, als Paminas schlussendlicher Herzbube Tamino, entflammt auf das Zärtlichste bei „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“.

Es geht ja doch alles gut aus im Salzburger Puppenhaus.


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