Europa

Waldbrände wüten weiter: Große Einsätze in Tschechien und Deutschland

Seit einer Woche wird in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz (Fotos oben) gelöscht. In Südfrankreich (u. l.) und Portugal wüten ebenfalls Waldbrände.
© APA/AFP, imago

In etlichen Ländern Europas lodern Feuer in Wäldern: Im deutsch-tschechischen Grenzgebiet sind mehr als 1000 Feuerwehrleute und Soldaten im Löscheinsatz. In Portugal musste ein Altenheim evakuiert werden. In Kroatien kam ein Feuerwehrmann ums Leben.

Prag, Berlin, Paris, Lissabon, Dubrovnik – Feuerwehren kämpfen von Portugal bis Tschechien gegen Waldbrände. In Kroatien kam ein Feuerwehrmann ums Leben, in Südfrankreich wurden vier Einsatzkräfte verletzt. Ein Überblick der Brände:

Rund 900 Feuerwehrleute in Tschechien im Einsatz

Im Kampf gegen den Waldbrand im tschechischen Nationalpark Böhmische Schweiz ist die Zahl der eingesetzten Feuerwehrleute um 150 auf etwa 900 erhöht worden. "Unser Ziel ist es, die betroffene Fläche so weit wie möglich zu verringern", sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte am Montag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT. Der Waldbrand wütet auf rund 1000 Hektar. Der Nationalpark Böhmische Schweiz grenzt an die Sächsische Schweiz, wo es ebenfalls brennt.

Das Feuer war eine Woche nach Ausbruch noch nicht unter Kontrolle. Problematisch seien unter anderem die Gebiete im sogenannten Tiefen Tal, rund um die Flügelwand (Kridelni stena) und in den Felsen über der Grenzstadt Hrensko, sagte der Sprecher. Auf tschechischer Seite standen rund 250 Feuerlöschfahrzeuge sowie sechs Hubschrauber und fünf Löschflugzeuge bereit.

Gute Nachrichten gab es für die knapp 100 Bewohner der Gemeinde Vysoka Lipa, die vor den heranrückenden Flammen in Sicherheit gebracht worden waren. Sie konnten inzwischen in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Für andere evakuierte Orte gab es noch keine Freigabe. In Hrensko wächst die Sorge, dass die Sommersaison verloren sein könnte. Normalerweise nehmen jährlich rund 400.000 Menschen an Kahnfahrten auf der Kamnitz durch die Edmundsklamm, eine Felsenschlucht, teil.

Mehrere Hubschrauber sind beim Waldbrand in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz im Einsatz.
© IMAGO/xcitepress

Waldbrand in Sachsen

Vor genau einer Woche hat das Feuer, das im Nationalpark Böhmische Schweiz ausgebrochen war, auf den Nationalpark Sächsische Schweiz übergegriffen. Auch in Deutschland kämpft ein Großaufgebot der Feuerwehren gegen die Flammen. Am Montag sollen die Glutnester im Boden eingedämmt werden, wie der Pressesprecher des Landratsamts Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Thomas Kunz, mitteilte. Dabei werde der Boden umgewälzt und aus der Luft ein Schaumteppich ausgebreitet. So sollen Barrieren gebildet werden, damit sich das Feuer nicht in der Humusschicht ausbreitet.

Die geplanten Einsatzorte befinden sich am Großen Winterberg und im Zschandgebiet. Am Sonntagabend wurde per Drohnenflug zudem eine vermutete Feuerstelle bestätigt. Dort werden am Vormittag Hubschrauber zum Einsatz kommen.

Es seien rund 200 Feuerwehrleute mit 50 Fahrzeugen am Ort des Geschehens. Am Vormittag kommen laut Kunz noch 150 weitere hinzu, im Laufe des Tages sollen insgesamt etwa 550 Kräfte im Einsatz sein. Die deutsche Bundeswehr unterstützte die Löscharbeiten. Zudem werde die deutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht das Waldbrandgebiet am Montag besuchen.

Am Sonntag brach ein Waldbrand in Mafra aus.
© AFP/PATRICIA DE MELO MOREIRA

Altersheim nördlich von Lissabon evakuiert

Die Serie der Waldbrände reißt auch in Portugal nicht ab. Wegen eines Feuers, das am Sonntagnachmittag in Mafra etwa 35 Kilometer nordwestlich von Lissabon ausgebrochen war, mussten die rund 30 Insassen eines Altersheimes in Sicherheit gebracht werden. Die Rauchsäulen waren zeitweilig kilometerweit zu sehen. Inzwischen seien die Flammen weitgehend unter Kontrolle, sagte Mafras Bürgermeister Helder Sousa Silva am Montag. Insgesamt seien rund 300 Hektar zerstört worden.

Im ganzen Land waren unterdessen am Montag noch acht Waldbrände aktiv, wie Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten. Die meisten Sorgen bereitete ein Feuer in Ourém rund 130 Kilometer nordöstlich von Lissabon. Dort kämpften mehr als 500 Einsatzkräfte seit Sonntagnachmittag gegen die Flammen. Nach Angaben des Instituts für Meer und Atmosphäre (IPMA) herrscht im Zentrum und Norden des Landes noch mindestens bis Donnerstag erhöhte Waldbrandgefahr.

Dicke Rauschschwaden bei Aubais.
© AFP/BENJAMIN GALY

Feuerwehrleute bei Waldbrand in Südfrankreich verletzt

Bei einem Waldbrand in Südfrankreich sind vier Feuerwehrleute verletzt worden. Mehrere Hundert Einsatzkräfte sowie Löschflugzeuge kämpften am Sonntag nach Angaben der Feuerwehr und des Bevölkerungsschutzes gegen den Brand bei Aubais, etwa auf halber Strecke zwischen Nîmes und Montpellier. Wie ein verantwortlicher Feuerwehrmann vor Journalisten schilderte, geriet ein Einsatzfahrzeug in die Flammen – dabei seien vier seiner Kollegen verletzt worden. Ein Schwerverletzter wurde per Hubschrauber in eine Klinik gebracht, die anderen drei kamen mit leichteren Verletzungen in ein anderes Krankenhaus.

Starker Wind und Trockenheit begünstigten die Ausbreitung des Feuers, nach Feuerwehrangaben vom Abend wurden mehr als 350 Hektar Vegetation zerstört und zwei Häuser beschädigt. Eine nahe gelegene Autobahn wurde wegen der starken Rauchentwicklung mehrere Stunden lang in beiden Richtungen gesperrt. Innenminister Gérald Darmanin sprach auf Twitter von einem «heftigen Brand».

Auch an verschiedenen anderen Orten im Süden des Landes musste die Feuerwehr am Wochenende gegen Vegetationsbrände kämpfen. Bei einem Feuer in Beaucaire nördlich von Arles wurden am Sonntag drei Menschen leicht verletzt, darunter ein Feuerwehrmann. 15 Hektar und zwei Wohngebäude seien zerstört worden, teilte die Feuerwehr mit.

Kroatischer Feuerwehrmann nahe Dubrovnik getötet

Bei einem Waldbrand nahe der kroatischen Touristen-Metropole Dubrovnik ist am Sonntag ein 42-jähriger Feuerwehrmann ums Leben gekommen. Die genaue Todesursache werde noch ermittelt, teilte der Feuerwehrverband Montagfrüh mit.

Der Brand war Sonntagmittag in einem Kiefernwald 15 Kilometer nordwestlich von Dubrovnik ausgebrochen. 80 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge konnten die Flammen noch im Laufe des Sonntags löschen. Im Bereich der Dörfer Orasac und Gromaca brannten 87 Hektar ab. (APA/dpa, TT.com)

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