Österreich

Firmen- und Privatpleiten schnellen in die Höhe, Zahl dürfte weiter steigen

Ob Unternehmen oder Privatperson: Die Zahl jener, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, steigt wieder.
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Creditreform erwartet künftig Rekordzahlen an Privatpleiten. Bei vielen Firmen gehen ohne Corona-Gelder wieder die Lichter aus.

Wien – Auslaufen der Corona-Hilfen und Insolvenzmoratorium, Lieferkettenprobleme, Krieg und kräftige Teuerung: Dieser Mix lässt die Zahl der Firmen- und Privatpleiten in Österreich in Richtung Vorkrisenniveau ansteigen, berichtet der Gläubigerschutzverband Creditreform. Im ersten Halbjahr schlitterten demnach in Tirol 158 Unternehmen in die Insolvenz – 129 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damals hatten aber noch die vielen Steuergeld-Milliarden an Corona-Hilfen auch zahlreiche kaputte Unternehmen über Wasser gehalten. Bundesweit gingen heuer im ersten Halbjahr 2429 Firmen pleite (+121 %). „Die Corona-Blase löst sich langsam auf“, analysiert Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer. Die Zahl der Insolvenzen dürfte weiter steigen.

Das gilt erst recht bei den Privatpleiten. „Österreich steht erst am Beginn einer Zeit steigender Privatinsolvenzen“, sagt der Creditreform-Chef. Im ersten Halbjahr traten 329 Menschen in Tirol den Weg zum Insolvenzrichter an, das sind um 65 % mehr als vor einem Jahr – der höchste Anstieg im Bundesländervergleich.

Bundesweit rutschten insgesamt 4700 Personen in die Pleite (+36 %), wobei in 382 Fällen aufgrund fehlenden Vermögens erst gar kein Schuldenregulierungsverfahren eröffnet wurde. Damit drohe diesen Menschen ein „ewiger Konkurs“, so Weinhofer. Das sei eine bedenkliche Entwicklung.

„Seit Beginn des Jahres steigen die Privatinsolvenzen massiv an“, schildert der Experte. Dieser Trend sei 2021 durch die Insolvenzrechtsreform mit einer rascheren Entschuldung eingeleitet worden. Probleme mit den aktuell steigenden Preisen, und damit dem Bestreiten des Lebensunterhalts, beschleunigen nun diese Entwicklung. Jobverlust, gescheiterte Selbstständigkeit sowie ein allgemein sorgloser Umgang mit Geld identifiziert Creditreform einmal mehr als Hauptgründe für eine Privatpleite. Die Durchschnittsverschuldung liegt bei 60.000 Euro.

Am Ende des Jahres werde man bundesweit rund 9000 Privatinsolvenzen zählen, womit das Vorkrisenniveau erreicht werde. Damit ist es aber nicht getan. „Angesichts der Konjunkturaussichten aufgrund der Mehrfachkrise wird mit neuen Rekorden bei der Zahlungsunfähigkeit privater Personen in den kommenden Jahren zu rechnen sein“, sagt Weinhofer. (mas)

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