Bayreuther Festspiele

„Das Rheingold“ in Bayreuth: Poolparty mit Kindesentführung

Eine sehr gegenwärtige Familienfehde: „Rheingold“ bei den Bayreuther Festspielen.
© Enrico Nawrath

Valentin Schwarz und Cornelius Meister inszenieren Wagners „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen neu. Der Auftakt mit „Das Rheingold“ war brav und fern von großartig.

Von Jörn Florian Fuchs

Bayreuth – Irgendwas ist mit diesem Publikum heuer los: Wie schon bei der Bayreuther Festspiel-Eröffnung mit „Tristan und Isolde“ wird auch diesmal geklatscht, gejubelt, getrampelt, als ob wir hier die Sensation aller Sensationen erlebt hätten. Freilich gab es nach dem Ende von „Das Rheingold“ am Sonntag auch heftige Buhs, die sicher dem – noch nicht erschienenen – Regieteam galten.

Die Regie ist aber, dazu kommen wir gleich, das geringste Problem des Abends. Fangen wir in der Mitte an. Dirigent Cornelius Meister ist versierter Wagner-Interpret, an seinem Stammhaus in Stuttgart erarbeitet er gerade einen Ring und ist bei der „Walküre“ angelangt.

Vor einigen Jahren war Meister eine große Hoffnung, er brachte als damals jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands am Theater Heidelberg Publikum wie Kritik zum Schwärmen. Mittlerweile hat er sich eine arge Geniehaltung zugelegt, möchte gerne die Dinge anders und ganz neu machen und scheitert damit regelmäßig.

Im Bayreuther Festspielhausgraben hört man nun ein „Rheingold“ ohne Ecken und Kanten, eine solide, etwas brave musikalische Gestaltung, die zeitweise unterbrochen wird durch merkwürdige Eigenheiten. Blechfiguren stehen plötzlich im Raum, Tempi werden extrem gebremst und dann wieder hektisch angezogen. Eine Meister-Leistung war all das nicht.

Nun ist der Dirigent zwar für seinen erkrankten Kollegen Pietari Inkinen eingesprungen (wobei man hörte, dass er nur dritte Wahl war, Adam Fischer soll vorher angefragt worden sein), aber er assistierte schon in Bayreuth, und somit gibt es zumindest kein Problem mit der ja sehr speziellen Akustik.

Schauderhaftes Gebrüll

Gravierender liegen die Dinge bei der Besetzung. Wer um Himmels (oder der Hölle) willen besetzt bitte Arnold Bezuyen als Mime? Da sitzt kein Ton, die Partie wird grob durchgebrüllt – einfach schauderhaft. Dann erleben wir mit Egils Silins einen Wotan, der seine Rolle mit oft strauchelnder Diktion singt. Daniel Kirch gibt Loge als vokale Stresspartie, mit vielen unschönen Tönen. Eigentlich sind nur Wilhelm Schwinghammers Fafner, Christa Mayers Fricka und Okka von der Damerau als Erda festspielwürdige Stimmen. Von der Dameraus wohltönende, klare Tiefe ist ein Ereignis!

Über das intellektuelle Durchdringen des Rings von Regisseur Valentin Schwarz lässt sich momentan noch nicht viel sagen. Anfangs sehen wir ein Video mit zwei Embryos, eines gibt dem anderen bald einen auf die Nabelschnur. Sind es Siegfried und Hagen? Der garstige Alberich ist eine Art Hausbesorger und planscht mit drei netten Damen im Pool, eine Schar Kinder schaut zu und lacht, irgendwann wird es Alberich zu bunt und er entführt einen Jungen. Dieser ist das von allen begehrte Rheingold, vielleicht handelt es sich um den jungen Bösewicht Hagen oder den kindlichen Held Siegfried. Klarer wird es bei den Nibelungen: Mädchen hantieren mit Spielzeugpferden, ein Mädchen tritt hervor, es handelt sich wohl um die junge Brünnhilde, umgeben von ihren Walküren-Schwestern.

Geparkte Riesen

Die Riesen kommen im SUV daher, der allerdings konstant in einer Garage parkt, was reichlich albern wirkt. Was machen die da, wenn sie gerade nicht auftreten, hören sie die „Rheingold“-Übertragung im Autoradio?

Valentin Schwarz verzichtet auf alles Mythologische und Märchenhafte, die einzige Wunderwaffe für Machtspiele und Sonstiges ist ein Revolver. Diese Familienfehde aus der Gegenwart beißt sich extrem mit Setzungen wie Jung-Brünnhilde & Co. Das muss kein Fehler sein, weil sich ja in den kommenden drei Ring-Teilen zeigen wird, zeigen muss, ob und was das wird.

Wir sind gespannt und bleiben dran!

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