Innsbruck

Wirbel um Aufschrift von NS-Ausstellung in Innsbruck

Die Ausstellung in der Stadtbibliothek sorgt für Aufregung. Symbolbild.
© TT/Böhm

Innsbruck – Noch bis zum 13. August läuft eine Ausstellung in der Innsbrucker Stadtbibliothek über die Volksabstimmung für den Anschluss an Hitler-Deutschland 1938. Darüber hat die TT am 10. Juli bereits berichtet. Auch über die an der östlichen Fassade der Stadtbibliothek in Frakturschrift angebrachte Aufschrift „Gebt dem Führer Euer Ja!“ – ein Hinweis auf die Ausstellung. Nun, kurz bevor die Ausstellung auf die Zielgerade geht, gibt es rund um diese Aufschrift und Plakate der Ausstellung einige Aufregung. Und mehrere Anzeigen.

Die Ausstellung setzt sich mit der dunklen Epoche auseinander, beleuchtet kritisch die Abstimmung und erklärt, wie bedeutend die Demokratie ist. Doch daran geht die Aufregung nun vorbei.

„Es ist ein unfassbarer Skandal, dass auf der Fassade der Stadtbibliothek die Aufforderung ‚Gebt dem Führer Euer Ja!‘ ohne Hinweis auf eine derzeit stattfindende Ausstellung angebracht wurde, zumal man nicht unbedingt davon ausgehen kann, dass Passanten wissen, dass dort eine Ausstellung stattfindet“, schäumt GR Gerald Depaoli (GI) und droht BM Georg Willi mit einer Anzeige wegen Wiederbetätigung.

Auf Anfrage der TT erklärte die Staatsanwaltschaft Innsbruck gestern, dass sie nach Sichtung des Sachverhaltes kein Ermittlungsverfahren eingeleitet habe. „Wir glauben nicht, dass über diese Ankündigungen NS-Propaganda bezweckt wurde“, so Staatsanwalt Hansjörg Mayr. Auch bei der Polizei langten freilich Anzeigen ein, die nach dem Verwaltungsstrafrecht zu prüfen sein werden. Der Unterschied zur Prüfung durch die Staatsanwaltschaft: Zur Erfüllung der so genannten inneren Tatseite (Willen) benötigt es nur Fahrlässigkeit und nicht wie beim NS-Verbotsgesetz einen Vorsatz. Die Polizei bestätigte gestern dazu, dass sie daher nach Information durch die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt subsidiär zu prüfen habe. Delikte wie die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts, Verstoß gegen das Abzeichengesetz oder eine Anstandsverletzung kommen in Frage. Isabelle Brandauer vom Kulturamt der Stadt versteht die Aufregung ganz und gar nicht: „Es handelt sich um ein historisches Zitat, das im Rahmen einer historischen Ausstellung, einer sehr guten Ausstellung, angebracht wurde.“ Die Ausstellung stehe im Kontext zur Aktion „Innsbruck liest“ (auch darüber berichtete die TT) und das Zitat sei auch angebracht worden, um mit einer „kleinen Provokation“ auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. (fell, mw)

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