Gaslieferungen

Turbine für Nord Stream 1 befindet sich weiterhin in Deutschland

Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Deutschland
© APA/dpa/Stefan Sauer

Russland liefert seit längerer Zeit deutlich weniger Gas durch die Ostsee-Pipeline als technisch möglich wäre. Zur Begründung wird auf Probleme mit der Turbine verwiesen, deren Rückgabe sich nach der Wartung in Kanada seit Wochen verzögert.

Frankfurt/Moskau – Die Turbine für die Gaspipeline Nord Stream 1 befindet sich nach wie vor in Deutschland. Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) werde sie am Mittwoch bei Siemens Energy in Mülheim an der Ruhr besichtigen, teilte Siemens Energy am Dienstag mit.

Im Interview mit der kanadischen Zeitung The Globe and Mail verteidigte Scholz die Lieferung, die wegen der Umgehung von Sanktionen umstritten ist. "Mit der Lieferung der Turbine haben wir Putins Bluff auffliegen lassen", sagte er. "Er kann diesen Vorwand nicht mehr verwenden und keine technischen Gründe mehr für ausbleibenden Gaslieferungen ins Feld führen."

Den wegen der Turbinen-Lieferungen unter Druck geratenen kanadischen Premierminister Justin Trudeau nahm Scholz in Schutz. "Für mich entbehrt die Kritik an Justin Trudeau und seiner Regierung jeglicher Grundlage", betonte er. "Bei der Entscheidung, die Turbine zu liefern, handelt es sich wohl kaum um eine Gefälligkeit gegenüber Gazprom, sondern vielmehr um ein starkes Zeichen der Unterstützung für Deutschland und Europa."

Russland liefert seit längerer Zeit deutlich weniger Gas durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 als technisch möglich wäre. Zur Begründung wird auf Probleme mit der Turbine verwiesen, deren Rückgabe sich nach der Wartung in Kanada seit Wochen verzögert.

Deutscher Ex-Kanzler Schröder für Inbetriebnahme von Nord Stream 2

Deutschlands früherer Bundeskanzler Gerhard Schröder empfiehlt angesichts der Gaskrise die Inbetriebnahme der Pipeline Nord Stream 2. "Sie ist fertig. Wenn es wirklich eng wird, gibt es diese Pipeline, und mit beiden Nord-Stream-Pipelines gäbe es kein Versorgungsproblem für die deutsche Industrie und die deutschen Haushalte", sagte das SPD-Mitglied in einem Interview mit dem Magazin Stern und dem Sender RTL/ntv (Mittwoch).

Schröder bezeichnete die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 mit Blick auf mögliche Gasengpässe als die "einfachste Lösung". Schröder ist Präsident des Verwaltungsrats bei Nord Stream 2. Er steht seit langem wegen seiner Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin und zur russischen Öl- und Gaswirtschaft in der Kritik.

Die deutsche Bundesregierung hatte nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 ausgeschlossen. Jüngst hatten sich sieben Bürgermeister der Ostseeinsel Rügen für eine Nutzung der Pipeline ausgesprochen. (APA/Reuters, dpa)

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