Österreich

AMS-Chef erwartet für 2023 stabile Situation am Arbeitsmarkt

AMS-Chef Johannes Kopf: Situation dürfte auch im kommenden Jahr relativ stabil bleiben.
© APA/Fohringer

Falls Gas fließt, dürfte keine Rezession kommen, sagt AMS-Chef Johannes Kopf. Die Kurzarbeit sollte reformiert werden. Die Novellierung der Arbeitslosenversicherung sei angesichts der Inflation „schwierig".

Wien – AMS-Chef Johannes Kopf erwartet zwar ein baldiges Ende des rasanten Aufschwungs am heimischen Arbeitsmarkt, die von vielen befürchtete Rezession und damit verbundenen Verwerfungen sieht er aber nicht auf Österreich zurollen. Die Situation dürfte auch im kommenden Jahr relativ stabil bleiben, sagte Kopf im Gespräch mit der APA. Die weitere Entwicklung werde jedoch stark davon abhängen, wie sich die Situation um die Gasversorgung entwickle, so der Arbeitsmarktservice-Vorstand.

Enormer Boom sei vorbei

„Dieser enorme Boom, der zu einer laufend weiteren Besserung der Situation geführt hat, der ist sicher vorbei", so Kopf mit Blick auf die kommenden Monate. Ein Wirtschaftsabschwung inklusive steigender Arbeitslosigkeit zeichne sich aber derzeit nicht ab. Schenke man den aktuellen Prognosen Glauben, dürfte die Zahl der Arbeitslosen bis Mitte des Jahres 2023 nur geringfügig steigen – wenn überhaupt. IHS und Wifo prognostizieren für 2023 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 0,9 bzw. 1,9 Prozent im Jahresabstand, die vom AMS beauftragte Synthesis Forschung rechnet für das Gesamtjahr sogar mit einem Rückgang von 1,5 Prozent.

Bleibe der Gasfluss aufrecht, gebe es also durchaus Grund für verhaltenen Optimismus. Kopf begründete dies auch damit, dass noch keine Warnsignale einer möglichen Rezession – etwa Frühindikatoren wie ein Einbrechen der Baukonjunktur, ein Rückgang der Zeitarbeit oder sich androhende Entlassungswellen - zu registrieren seien. Einzig bei der im Juli leicht gesunkenen Zahl an offenen Stellen im Vergleich zum Vormonat orte er einen ersten, wenn auch schwachen Hinweis für einen konjunkturellen Dämpfer. „Ich glaube nicht, wenn Gas fließt, dass wir ins Minus kommen", so Kopf.

Prognosen zu weiteren Entwicklungen seien generell, aber insbesondere angesichts aktueller Unsicherheiten schwierig, räumte Kopf ein. Das habe sich in der Pandemie gezeigt, als viele Experten – und auch er selbst – bei ihrer Einschätzung zur Wirtschaftserholung daneben gelegen seien, weil die Erfahrungswerte gefehlt hätten. So habe man gesehen, dass eine Wirtschaft, die eigentlich produzieren wolle, es aber aufgrund der Coronapandemie nicht darf, sich verhalte wie „junge Hunde, die man drei Stunden in der Wohnung einsperrt und dann in den Garten lässt".

Auch Kurzarbeit hänge vom Gasfluss ab

Auf die Frage, ob die Kurzarbeit angesichts des restriktiveren Zugangs seit Anfang Juli und der immer geringeren Zahl an Voranmeldungen ein Auslaufmodell sei, verwies Kopf ebenso auf die Energieversorgung. Wenn kein Gas mehr fließe, könne es schnell gehen, stellte er ein großflächiges Ausrollen „mit Hunderttausenden" in Kurzarbeit im Fall eines Gas-Notfalls in den Raum. In diesem Kontext stelle sich die Frage, in welcher Intensität die Wirtschaft getroffen werde und wie lange man Unternehmen nicht mit Gas versorgen könne, meinte der AMS-Vorstand.

Grundsätzlich halte er das „lukrative" Corona-Kurzarbeitsmodell aber zukünftig nicht mehr für zielführend. Die großzügige Ausgestaltung der Kurzarbeitshilfe während der Pandemie sei zwar im Sinne der Kaufkrafterhaltung nachvollziehbar gewesen, pro futuro plädiere er aber für ein Modell „wie vor der Pandemie", so Kopf. Damals habe es einen Zusammenhang zwischen den geleisteten Arbeitsstunden und Entgelten gegeben. Die Einkommensersatzraten beim Corona-Kurzarbeitsmodell waren bisher unabhängig von den geleisteten Arbeitsstunden pauschal ausbezahlt worden. Wann eine mögliche Reform der Kurzarbeit kommt, könne er schwer einschätzen, jedenfalls aber „nicht vor Beginn des nächsten Jahres".

Die geplante Novelle der Arbeitslosenversicherung hält Kopf vor dem Hintergrund der hohen Inflation für ein politisch schwieriges Unterfangen. Grundsätzlich bewege sich die Arbeitslosenversicherung auf einem Spannungsfeld zwischen dem Anspruch, Arbeitsanreize zu schaffen, und dem Ziel, Armut zu vermeiden. So gelte es zwar, Arbeitslosen bei der Jobsuche den Rücken freizuhalten, gleichzeitig sinke aber im Zeitverlauf die Chance, einen Job zu finden, erklärte der AMS-Chef.

Die beiden Ansprüche miteinander zu vereinbaren sei nicht einfach. Es stelle sich die Frage der sozialen Verträglichkeit. Für ihn vorstellbar wäre ein degressives Modell, aber nur, „wenn man am Anfang etwas drauflegt" und nur wenn es bei einer einzigen Degressionsstufe beim Arbeitslosengeld, die nach den ersten drei Monaten Arbeitssuche greift, bleibe. Interessant sei für ihn die Idee, eine kurze Wartefrist von 10 bis 14 Tagen einzuführen. Dies sei den Arbeitslosen zumutbar und könne Abhilfe bei der Finanzierung eines höheren, aber dann sinkenden Arbeitslosengeldes schaffen. (APA)

Verwandte Themen