Kino

„Bullet Train“ mit Brad Pitt: Schlechtes Karma im Shinkansen

Brad Pitt (r.) ist als Profikiller Ladybug eigentlich ein ganz Netter: „Du verbreitest Frieden in der Welt und bekommst Frieden zurück.“
© Garfield/Sony

In der Action-Komödie „Bullet Train“ kämpft sich Brad Pitt als Auftragskiller in der Sinnkrise durch einen Hochgeschwindigkeitszug.

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Der Stuntman hat im Regiesessel Platz genommen. Mit der Action-Komödie „Bullet Train“ hat sich der 46-jährige Filmemacher David Leitch wieder ein Projekt gesucht, dem seine früheren Erfahrungen mit handfesten Auseinandersetzungen zugutekommen. Diesmal ist Brad Pitt in der Hauptrolle, für den Leitch einst mehrmals als Stunt Double in die Bresche sprang.

Ein überaus gut gelaunter Pitt spielt einen Auftragskiller mit dem Codenamen Ladybug. Den Glück-bringenden Marienkäfer-Namen hat ihm seine Betreuerin Maria Beetle (am Telefon: Sandra Bullock) gegeben. Ladybug selbst glaubt dagegen, immer nur Pech zu haben. Er denkt laut über sein Karma nach und bemerkt vor lauter Kalenderspruch-Lebensweisheiten die glücklichen Fügungen des Drehbuch-Gottes gar nicht.

📽️​ Video | Trailer | „Bullet Train“

Seine Figur und die Gespräche, die er mit Maria führt, sind das beste Comedy-Element dieses wortreichen Actionfilms auf den Spuren von Guy Ritchie.

Nach längerem Urlaub und einer Therapie soll Ladybug mit einem simplen Auftrag wieder ins Geschäft einsteigen und für einen erkrankten Kollegen einspringen. Der Job: an Bord des Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszuges von Tokio nach Kyoto einen Koffer an sich nehmen und wieder aussteigen.

Doch das einfache Unterfangen erweist sich schon bald als recht knifflig. Denn außer Ladybug sind noch ein ganzer Haufen weiterer Profikiller an Bord, die alle ihre eigene Agenda haben, darunter Zazie Beetz mit einem viel zu kurzen Auftritt als „Hornisse“, der puerto-ricanische Rapper Bad Bunny als „The Wolf“ und Brian Tyree Henry & Aaron Taylor-Johnson als britisches Killer-Brüderpaar Tangerine und Lemon.

Nur blöd, dass Ladybugs Therapeut ihm zu weniger Konfrontationen und mehr Zen-Ruhe rät – schwierig an Bord eines 320 km/h schnellen Zuges voller Gegner!

So hanebüchen und konstruiert die Prämisse dieses 126-minütigen Kammerspiel-Actioners daherkommt, so wenig scheren sich Leitch und sein Drehbuchautor Zak Olkewicz um Realismus.

📽️​ Video | Blockbuster „Bullet Train" mit Pitt und Bullock:

Die Geschichte basiert auf Kôtarô Isakas japanischem Roman von 2010. Trotz einiger Diskussionen um die Besetzung der (großteils männlichen) Figuren mit weißen westlichen Stars schafft es „Bullet Train“ recht gut, das Setting und die ernstere Nebengeschichte der japanischen Figuren aufleben zu lassen. Am Ende erweist sich das Drehbuch als raffinierter und verschachtelter als gedacht, mit Anleihen aus „Pulp Fiction“ und „Kill Bill“.

Im Zentrum steht die Dynamik der Gefechte, die mit Fäusten und auch vielen Worten ausgetragen werden. Ganz anders als in den von Leitch produzierten Genre-bildenden wortkargen John Wick“-Filmen hat Brad Pitt in dieser Komödie nicht nur körperlich einiges zu tun. Die Dichte an neuen Ideen und Schmähs ist hoch, auch wenn dabei nicht wirklich alles perfekt funktioniert.

Wirklich stören können betont bemühte Flashbacks, überstrapazierte Running Gags und übertriebene Slapstick-Einlagen den leichtfüßig-superschnellen Ton aber nicht.

Ein Film wie eine unterhaltsame, kurzweilige Fahrt mit dem Shinkansen.

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