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Lufthansa kappt Ticketangebot wegen Flugchaos, Tarifverhandlungen gehen weiter

Eigentlich will die Lufthansa das Flugangebot, das in der Corona-Krise stark gestutzt wurde, wieder vergrößern. Doch das Chaos in der Abwicklung der Flüge zwingt die Airline, behutsamer vorzugehen als geplant. Allen Querelen zum Trotz gelingt nach langer Zeit wieder ein Quartalsgewinn. Am Donnerstag gehen indes die Tarifverhandlungen weiter

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Auch Kunden der Lufthansa brauchen derzeit oft starke Nerven. (Symbolbild)
© Reuters

Frankfurt – Die Lufthansa fährt angesichts der massiven Betriebsprobleme im Luftverkehr den Flugbetrieb im Sommer langsamer hoch als bisher geplant. Von Juni bis September seien bei den Passagier-Airlines 80 Prozent der Kapazität von vor der Corona-Krise geplant, teilte die AUA-Mutter am Donnerstag mit. Bisher seien 85 Prozent des Vorkrisenjahres 2019 angepeilt gewesen. Im Gesamtjahr sollen es weiterhin 75 Prozent sein.

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Aufgrund von Personalknappheit an Flughäfen und auch bei Airlines knirscht es beim Hochfahrens des Luftverkehrs im Sommerreiseboom nach der Corona-Krise gewaltig. Allein die Kernmarke Lufthansa musste in den Sommermonaten schon mehr als 7000 Flüge streichen. Auch die anderen beiden großen Netzwerk-Airlines Air France-KLM und IAG dampften ihre Pläne für das Sommerquartal um fünf Prozentpunkte ein auf 80 bis 85 Prozent, bezogen auf sämtliche Passagierflüge.

Das erste Halbjahr sei für Fluggäste und Mitarbeiter herausfordernd gewesen, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. „Weltweit geriet die Airline-Industrie an ihre operativen Grenzen." Dennoch schaue das Management optimistisch in die Zukunft. Vor einigen Wochen hatte sich der Lufthansa-Chef dafür entschuldigt, an der ein oder anderen Stelle zu viel gespart zu haben.

Alle Airlines der Lufthansa-Gruppe strichen in den vergangenen Monaten Flüge, um die Abläufe an Flughäfen zu stabilisieren. Aber auch ein Warnstreik der Gewerkschaft Verdi im Tarifstreit über die Löhne der rund 20.000 Bodenbeschäftigten der Lufthansa führte zu mehr als 1000 Ausfällen. Das sorgt seit Juni für Ärger bei vielen Reisenden, die nach zwei Jahren Corona-Pandemie endlich wieder ins Ausland reisen wollen, und dann erst nach langen Wartezeiten mit erheblichen Verspätungen ans Ziel kommen.

Tarifverhandlung zwischen Lufthansa und Verdi geht weiter

Indes gehen die Tarifverhandlungen für die rund 20.000 Beschäftigten des Lufthansa-Bodenpersonals an diesem Donnerstag weiter. Das haben die Gewerkschaft Verdi und Lufthansa bestätigt. In der Früh wurden zunächst die Zwischenergebnisse vom Vortag intern beraten, bevor sich die Delegationen wieder in einem Frankfurter Flughafenhotel treffen sollten. Inhaltlich wurden keine Details genannt.

Die dritte Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt war von vornherein auf zwei Tage angesetzt. Ihr war am Mittwoch vergangener Woche ein flächendeckender Warnstreik vorausgegangen, der nahezu den kompletten Flugplan der Lufthansa lahmgelegt hatte. Für den Fall einer Nicht-Einigung hat Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle bereits mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen zur Hauptreisezeit gedroht.

Die Gewerkschaft verlangt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten durchgehend Gehaltssteigerungen von 9,5 Prozent, mindestens aber 350 Euro im Monat, woraus sich in den unteren Gehaltsgruppen höhere Steigerungen ergeben würden. Der Konzern hatte bei einer Laufzeit von 18 Monaten eine zweistufige Erhöhung der Grundvergütung um zusammen 250 Euro angeboten. Daraus ergäben sich für Vergütungsgruppen bis 3.000 Euro brutto zweistellige Zuwachsraten, hatte das Unternehmen vorgerechnet. Eine weitere Erhöhung um zwei Prozent zum Juli 2023 wollte der Konzern vom Gewinn abhängig machen. Diese Koppelung lehnt Verdi ab.

Erster Quartalsgewinn seit Pandemiebeginn

Das Flugchaos sorgte im zweiten Quartal einerseits für 158 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen an die Kunden, erklärte die Airline. Andererseits stiegen bei höherer Auslastung die Durchschnittserlöse, ein Indikator für die Ticketpreise, um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lagen sogar zehn Prozent über Vorkrisenniveau. Bis auf die Schweizer Tochter Swiss schrieben alle Passagier-Airlines im zweiten Quartal Verlust.

Nach massivem Personalabbau in der Corona-Krise schaltet die Lufthansa auf Erholung und Wachstum mit zahlreichen Neueinstellungen um. Im zweiten Halbjahr sollen demnach rund 5000 Beschäftigte angeheuert werden – in Cockpit, Kabine und am Boden. Im kommenden Jahr noch einmal so viele. Nach einem Betriebsgewinn von knapp 400 Millionen Euro im zweiten Quartal nannte der MDax-Konzern erstmals eine Gewinnprognose für das laufende Jahr: Dank des Booms im Frachtgeschäft rechnet die Lufthansa mit mehr als 500 Millionen Euro Betriebsgewinn. (APA/Reuters)


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