Bühne

Glanz, Farbe, Duftigkeit gesucht: „Siegfried“ bei Bayreuther Festspielen

Der Mime (Arnold Bezuyen) als Puppenspieler in „Siegfried“.
© Nawrath

Wagners Ring wird bei den Bayreuther Festspielen mit „Siegfried“ fortgeführt.

Bayreuth – Geschlossene Gaststätten (Personalmangel!), Wespenplage und Champagner-Bratwurst – auch das ist Bayreuth. Und sonst? Ach ja, Ring geht weiter. Wem die Lust nach Rheingold und Walküre vergangen war, der wurde beim „Siegfried“ erst mal positiv überrascht. Regisseur Valentin Schwarz erzählt mit schönen Einfällen vom bösen Zwerg Mime und seinem wilden Schützling Siegfried. Letzterer hat Geburtstag, Mime (trotz eigenwilligerer Intonation als im Rheingold: Arnold Bezuyen) veranstaltet ein hübsches Kasperle-Theater. Der hereinschneiende Wanderer (wieder arg farblos: Tomasz Konieczny) wird von Bodyguards begleitet – stimmt, alle befinden sich ja irgendwie in einem mafiösen Familienclan.

Im zweiten Aufzug ziehen die beiden kurzzeitig in ein Loft um, dort begrapscht Riese Fafner seine Pflegekraft, vulgo Waldvöglein. Sie/es wird von Siegfried getröstet, der sie/es wiederum recht ungelenk betatscht. Dazu kommen die einschlägigen schrägen Töne aus dem Graben – tolle Idee, prima umgesetzt! Fafner stirbt schließlich durch einen Herzinfarkt, und Siegfried entscheidet sich für den Almauftrieb Richtung Brünnhildes Flammenfelsen. Man freut sich auf den dritten Aufzug.

Leider überrascht dieser negativ. Die Liebesszene von Siegfried und Brünnhilde etwa wird zum Musterexemplar an unsinnlichem Spiel. Andreas Schager versucht sich durch szenisches Outrieren zu retten. Daniela Köhlers Brünnhilde wirkt gerade mal solide, wieder überzeugt Okka von der Damerau als Erda.

Die bitterste Enttäuschung ist diesmal das Bayreuther Festspielorchester unter Cornelius Meister. Ja, es gibt klanglich Schönes. Insgesamt aber fehlt es an Glanz, Farbe, Duftigkeit. Das liegt vielleicht nicht nur am Dirigenten, sondern auch an – so war zu hören – etlichen Um- und Neubesetzungen im Graben. Vom einst so homogenen Weltklasseklangkörper der Jahre vor Corona ist nicht mehr viel zu spüren. (jff)

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