Film

„Die unendliche Weite des Himmels“: Expedition in die Berge von damals

In der Doku trifft die Geschichte von Bergsteigpionier Brad Washburn auf eine Alaska-Tour von heute.
© Pandafilm

Nicht nur für Bergfexe: „Die unendliche Weite des Himmels“ erzählt zwei Geschichten vom Bergsteigen in Alaska.

Innsbruck – Bradford Washburn ist Berg-Abenteurer, der einen eigenen Film verdient. „Die unendliche Weite des Himmels“ (im Original: „The Sanctity of Space“) verbindet ein Porträt über ihn nun mit einer modernen Kletter-Doku in „seinen“ Bergen in Alaska. Rund um den höchsten Berg Nordamerikas, den Denali, machte Washburn nicht nur Erstbesteigungen. Er dokumentierte die Landschaft im hohen Norden vor allem auch fotografisch, und zwar vom Flugzeug aus, und füllte damit die noch leeren Landkarten des Gebiets auf. Als Pionier der Luftfotografie schuf er überwältigende Bergbilder, die in der ersten Hälfte des Films nun auf der großen Leinwand glänzen dürfen. Diese Fotos waren wiederum Grundlage für so manche Expedition, die ihre Route darauf einzeichnete.

Die Prachtbilder werden auch zur Inspiration für eine mehrtätige Tour der beiden modernen Profi-Kletterer Renan Özturk und Freddie Wilkinson zusammen mit ihrem Freund Zack Smith. Ihre Herausforderung: einen leeren Fleck auf der Erstbesteigungskarte finden. Auf dem Weg zu dem einen Bergkamm geht es vorbei an den Zwischengipfeln mit klingenden Namen wie „Sugar Tooth“, „Eye Tooth“, „Missing Tooth“, „Bear Tooth“ oder „Moose’s Tooth“. Die etwa sechstägige Überschreitung dieser „Zähne“ ist das Ziel, auf das der noch sehr recht konventionelle Teil des Film hinsteuert – verlängert durch die leider üblichen Rückschläge wegen des Tods von Bergkameraden oder eigener Unfälle.

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Doch „Die unendliche Weite des Himmels” will mehr. Eben auch ein breites Publikum abseits der Bergfexe ansprechen. Also kommt der für Nicht-Alpinisten vielleicht interessantere historische Teil über Washburn nicht zu kurz. Darin spricht der 2007 mit 96 Jahren verstorbene einstige Leiter des Boston Museum of Science über seine Abenteuer in den 1930ern, als sowohl die Fliegerei als auch der Alpinismus noch in den Kinderschuhen steckte. Die Verknüpfung von Gestern und Heute funktioniert erstaunlich gut, denn das Bindeglied ist die atemberaubende Berglandschaft Alaskas und die Leidenschaft der Männer dafür. Der Erstbesteigungs-Hype und der maskuline Heroismus werden dabei nicht überbetont – kurz kommt auch Ehefrau Barbara Washburn zu Wort. Sie war die erste Frau auf dem Gipfel des Denali, hält das aber im Rückblick für keine große Sache.

Renan Özturk und Freddie Wilkinson, die den Film verantworten, liefern nicht nur gutes Material ihrer eigenen Tour in erwartbar starken Flugaufnahmen. Sie schaffen es auch, einen glaubwürdigen Bogen zu Washburn zu spannen. Die filmische Stimmung ist durchwegs ruhig. „The Sanctity of Space“ – benannt nach einem von Washburn rezitierten Flieger-Gedicht – wird seinem Titel jedenfalls durchaus gerecht. Eine lohnende Leinwand-Expedition nach Alaska.

Info

The Sanctity of Space/Die unendliche Weite des Himmels. Ab heute in den heimischen Kinos.

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