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Gewitter mit Muren in Nord- und Südtirol: Autos mitgerissen, Häuser geflutet

In Tirol kam es am Freitag im Zuge einer Kaltfront zu teils kräftigen Gewittern. Besonders in Gerlos im Zillertal und im Sellraintal waren die Folgen anschließend sichtbar. Besonders heftig traf es dieses Mal Südtirol. Auch das Wochenende und die kommende Woche sind deutlich unbeständiger und auch kühler.

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Eine Mure bei St. Siegmund im Sellraintal in der Luftaufnahme.
© LIEBL Daniel / zeitungsfoto.at

Innsbruck ‒ Am Freitag sind in Tirol wieder heftige Gewitter niedergegangen. Im Zillertal und im Sellraintal gingen Muren ab, es kam auch zu Überschwemmungen. In Gerlos wurden offenbar auch Keller überflutet.

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Besonders heftig traf es Gerlos: „Dort hat sich ein Bach geteilt“, erklärt der Zeller Abschnittskommandant Siegfried Geisler. Die Straße war überflutet, Geröll umschloss einige Häuser. Die alarmierten Abschnittsfeuerwehren bekamen die Situation am frühen Abend in den Griff, viele Keller mussten noch ausgepumpt werden.

📽️ ️Video I Wieder schwere Unwetter in Tirol

Es waren mehrere Bäche (insbesondere der Mitterhofbach direkt im Ortszentrum, ein Bach im Ortsteil Oberhof-Isskogelbahn, sowie zwei weitere kleinere Zuflüsse zum Gerlosbach) über die Ufer getreten. Die B165 musste für den kompletten Verkehr gesperrt werden.

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Überschwemmungen im Sellraintal.
© LIEBL Daniel / zeitungsfoto.at

Im Einsatz standen die Straßenmeisterei Zell am Ziller, mehrere Bagger und Radlader der umliegenden Erdbewegungsfirmen. Zudem war die FFW Zell, Ramsau, Hainzenberg, Laimach, Verbund Tirol und die Drohne der FFW Kufstein insgesamt mit 61 Einsatzkräften und elf Fahrzeugen im Einsatz. Aufgrund der sofort durchgeführten Aufräumarbeiten konnte die B165 gegen 18.45 Uhr einspurig für wechselseitigen Verkehr freigegeben werden. Die Aufräumarbeiten dauerten unterdessen an.

Im Ötztal musste ein Waldbrand gelöscht werden.
© FF Umhausen

Muren auch im Zentralraum

Auch im Zentralraum schlug Starkregen zu. Vermurungen gab es in Ranggen, St. Sigmund i. S. sowie in Lüsens. Auch Völs und Zirl meldeten viele Einsätze.

In St. Sigmund schwoll der Bach durch das Brander Tal derart an, dass die Sellraintal Straße auf einer Länge von 100 Metern etwa 60 cm hoch verschüttet wurde. Hier wird noch bis in die Morgenstunden aufgeräumt, zu Schaden kam jedoch niemand.

In Ranggen trat der Rettenbach über, es kam zu einem Murenabgang. Auch hier wurde niemand verletzt.

Feuerwehrmann bei Waldbrand in Umhausen verletzt

Gegen 16 Uhr wurde zudem aus dem Ötztal bei Umhausen ein Waldbrand gemeldet. „Ein Blitzschlag und Rauchentwicklung im Bannwald“, schilderte BM Jakob Wolf. Der Blitz war unterhalb des Narrenkogels im unwegsamen Gelände eingeschlagen und hatte einen Zirbenbaum in Brand gesetzt. Bodentrupps der Feuerwehr wurden mittels Hubschrauber für Löscharbeiten zur Brandstelle gebracht, wobei sich im Zuge der Brandbekämpfung ein 32-jähriger Feuerwehrmann mit einer eingesetzten Motorsäge unbestimmten Grades am Bein verletzte.

Der Mann wurde mit dem Notarzthubschrauber in das Krankenhaus eingeliefert. Im Einsatz standen die Feuerwehren Umhausen sowie Niederthai mit insgesamt 50 Einsatzkräften und fünf Fahrzeugen, sowie ein Hubschrauber für den Löscheinsatz.

Beim Brandeinsatz verletzte sich ein 32-Jähriger mit einer Motorsäge.
© FF Umhausen

Schwere Unwetter in Südtirol

Zu schweren Unwettern ist es am Freitag auch in Südtirol gekommen. In Olang hat sich gegen 17 Uhr eine Gewitterzelle im Bereich Furkelpass entladen und dabei kleine Wasserläufe, die seit Jahren nicht viel Wasser geführt haben, binnen kürzester Zeit zu reißenden Bächen anschwellen lassen. Sogar einige Autos wurden mitgerissen. Zum Glück hatten die Insassen die Fahrzeuge im letzten Moment verlassen können.

📽 Video | „Massive Murenabgänge in Südtirol“

Der Geiselsberg bei Olang war teilweise von dern Außenwelt abgeschnitten. Im Gadertal hat eine Mure bei Preroman in St. Martin in Thurn die Staatsstraße vermurt. Das Gadertal war damit Richtung Bruneck abgesperrt. Die Fraktion Campill war ebenfalls von der Außenwelt abgeschnitten.

In Pflersch ist eine gewalitge Mure abgegangen, die direkt durchs Dorf führte. Mindestens sechs Häuser wurden beschädigt, drei davon schwer. Eines musste sogar evakuiert werden.

Am Samstag fanden in allen betroffenen Gebieten Lokalaugenscheine statt, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen. Laut lokaler Medien waren ab den ersten Nachmittagsstunden 50 Freiwillige Feuerwehren zu mehr als 200 Einsätzen gerufen worden, bei denen rund 1.000 freiwillige Feuerwehrleuten im Einsatz standen. Auch die Berufsfeuerwehr war im Einsatz, ebenso wie das für die Überwachung der Situation an den Wasserläufen zuständige Personal der Wildbachverbauung.

Am stärksten betroffen war die Zone rund um St. Martin in Thurn im Gadertal: Dort sind ab 17.20 Uhr innerhalb von einer Stunde knapp 100 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter niedergegangen, so Südtiroler Medienberichte. Zum Vergleich: In Bozen lag die bisher höchste aufgezeichnete Niederschlagsmenge in der Nacht vom 31. Jänner auf 1. Februar 1986 bei 112 mm pro Quadratmeter - allerdings innerhalb von 24 Stunden.

📽 Video | „Video des Südtiroler Landesfeuerwehrverbandes“

Hotels und Häuser im Trentino evakuiert

Etwa 150 Personen, darunter Touristen und Einwohner, sind am Freitagabend aus Hotels und Häusern im Fassatal im Trentino evakuiert worden, nachdem schwere Niederschläge Erdrutsche verursacht hatten. Einige Bäche traten über die Ufer. Betroffen war vor allem die Gegend um die beliebte Berggemeinde Vigo di Fassa, wo eine Schlammlawine die Straße überschwemmte, berichteten lokale Medien.

Evakuiert wurden auch Urlauber in zwei Hotels der Gegend. Es gab keine Verletzte. In viele Häuser drang Wasser ein. Der Bürgermeister von Vigo di Fassa, Giulio Florian, berichtete, dass eine "Wasserbombe" auf die Gegend gestürzt sei. Einige Straßen mussten wegen Erdrutschgefahr gesperrt werden.

Die evakuierten Personen verbrachten die Nacht in einem Zivilschutzzentrum und in Turnhallen. Feuerwehr, Förster, Bergwacht und Geologen waren zusammen mit Mitarbeitern des Straßenverwaltungsdienstes im Einsatz.

Kärnten und Salzburg von Starkregen und Hagel getroffen

Auch in Kärnten kam es zu Unwettern mit Starkregen und Hagel. In den Ortschaften Paternion und Feistritz an der Drau (Bezirk Villach) konnte der Boden abschüssiger landwirtschaftlicher Flächen laut einer Polizeiaussendung den Niederschlag nicht mehr aufnehmen. In der Folge wurde die Drautal Straße (B 100) auf einer Länge von circa 200 Metern gänzlich überflutet. Auch ein Baum wurde entwurzelt, der die Straße ebenfalls erlegte. Der betreffende Abschnitt der B 100 wurde für den gesamte Verkehr gesperrt. Örtliche Umleitungen wurden eingerichtet. Nach den Aufräumarbeiten konnte die Drautal Straße um 19.40 Uhr wieder freigegeben werden.

© ZOOM.TIROL

Um die Lage im Oberpinzgau zu beurteilen, wo es vor allem im Hollersbachtal, im Ober- und Untersulzbachtal sowie im Habachtal zu Vermurungen gekommen war, wurde am Samstag ein Erkundungsflug unternommen, teilte ein Sprecher des Landes Salzburg gegenüber der APA mit.

Bei dieser Gelegenheit wurden neun Gäste der Fürtherhütte im Talschluss des Hollersbachtals ausgeflogen. Bei allen anderen Hütten, die durch die Muren abgeschnitten gewesen waren, konnten am Samstag wieder zumindest Fußwege hergestellt werden. Insgesamt saßen nach den Unwettern rund 230 Personen auf Berghütten und Gasthäusern fest. Alle Menschen waren aber in Sicherheit, es bestand Telefonkontakt.

Auch im Gasteinertal musste durch die Gewitter am Freitagabend die Feuerwehr ausrücken. Eine Mure hatte die B167 verlegt, die Bahnstrecke musste kurzzeitig gesperrt werden, nachdem die Gasteiner Ache und der Bernkogelbach über die Ufer getreten waren. Außerdem musste die Feuerwehr mehrere Keller auspumpen.

Heißester Tag endet mit Unwettern

Der Freitag war der bisher heißeste Tag des Jahres in Österreich. Um 15.45 Uhr wurden an der ZAMG-Wetterstation in Seibersdorf 38,7 Grad gemessen. Der bisherige Höchstwert 2022 von 37,8 Grad, am 23. Juli ebenfalls in Seibersdorf registriert, wurde damit in den Schatten gestellt.

Um 15.45 Uhr hatte es an sieben Wetterstationen mindestens 37 Grad: Seibersdorf, Wolkersdorf, Bad Deutsch-Altenburg, Pottschach (alle in Niederösterreich), sowie in Mattersburg (Burgenland), Wien Donaufeld und St. Andrä/Lavantal (Kärnten).

Abkühlung und Gewitterfront über Tirol

Während man in Ostösterreich noch einmal richtig schwitzen musste, folgte in Tirol am Freitag bereits die Abkühlung. Im Zuge einer Kaltfront wurde es zunehmend instabil und seit dem Nachmittag gab es teils schwere Gewitter mit Sturmböen, Hagel und Starkregen.

Unter anderem Gerlos im Zillertal kam es dann zu Überflutungen. Auch Muren gingen ab (siehe weitere Bilder).

Überschwemmungen in Gerlos im Zillertal.
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In Sankt Sigmund im Sellrain musste alles abgesperrt werden, da eine Mure kurz vor dem Ort die Straße komplett blockierte. In Ranggen beschäftigte ebenfalls ein Erdrutsch die Feuerwehr, dort konnte aber verhindert werden, das sich die Erdmassen bis zu den Häusern vorkämpfte.
© LIEBL Daniel / zeitungsfoto.at

So geht es weiter

Am Samstag überwiegen nördlich des Inntals die Wolken und hier sind aus der Kaltfront noch teils kräftige, gewittrige Regenschauer dabei. In Richtung Hauptkamm und südlich davon ist es meist trocken mit Auflockerungen. In der zweiten Tageshälfte muss vor allem im Bereich der Zentralalpen, im Raum Innsbruck und im Unterland noch mit Schauern gerechnet werden, auch in Osttirol bilden sich Schauer und Gewitter. Höchstwerte von 23 bis 25 Grad sind in Tirol angesagt.

🌡️ Die Temperaturen in Österreich

Der Sonntag startet im Bergland noch mit einigen Restwolken, abseits davon sollte es überwiegend sonnig werden. In der feuchten Luft entstehen aber rasch neue Quellwolken, die nachmittags zu zahlreichen gewittrigen Regenschauern führen. Vor allem südlich des Inns kann es kleinräumig auch kräftig regnen. Die Höchstwerte liegen weiterhin bei bis zu 25 Grad.

In der neuen Woche geht es wechselnd bewölkt weiter und tagsüber können sich in der feuchten Luftmasse ein paar gewittrige Schauer bilden. Nur ganz im Westen wird es bereits von der Früh weg recht sonnig. Die Tage darauf schauen wieder etwas freundlicher und sommerlicher aus. Die Temperaturen steigen wieder auf über 27 Grad. (TT.com)


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