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Referendum in Kansas: Schadet sich die Kirche mit Anti-Abtreibungs-Kurs?

Schadet sich die katholische Kirche mit ihrem strikten Anti-Abtreibungs-Kurs selbst? Eine US-amerikanische Religionswissenschafterin befürchtet eine Entfremdung vieler Bischöfe zur katholischen Basis. Mit der Einschätzung ist sie nicht allein.

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Jubel bei Abtreibungs-Befürworterinnen in Kansas, als das Ergebnis des Referendums feststeht.
© DAVE KAUP

Nach der Niederlage der Abtreibungsgegner beim Verfassungsreferendum in Kansas am Mittwoch gibt es laut Medienberichten interne Kritik am Kurs der katholischen Kirche, wie Kathpress am Samstag schreibt. Laut Religion News Service gibt es in nicht näher benannten höheren Kirchenkreisen die Befürchtung, die Bischöfe könnten mit einem zu strikten Anti-Abtreibungs-Kurs viele US-Katholiken enttäuschen.

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Auch die Religionswissenschafterin am Manhattan College, Natalie Imperatori-Le, wertete den Ausgang des Referendums als Beleg der Entfremdung vieler Bischöfe zur katholischen Basis. Während US-Katholiken mehrheitlich den straffreien Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen – zumindest in bestimmten Ausnahmesituationen – befürworteten, verurteile die Kirche Abtreibungen ohne Einschränkung. Viele Bischöfe seien nicht in der Lage, die "Komplikationen zu sehen, die eine Kriminalisierung der Abtreibung mit sich bringt", so Imperatori-Lee weiter – "insbesondere für gefährdete, nicht-weiße und wirtschaftlich schlecht gestellte Frauen".

Ordensschwestern warnten vor Gefahren für Frauen

Im Vorfeld der Abstimmung hatten sich auch zwei katholische Ordensfrauen gegen den offiziellen Kurs ihrer Kirche gestellt. Die Schwestern hatten in einem Offenen Brief davor gewarnt, dass zu restriktive Abtreibungsgesetze großen Schaden bei vielen Frauen anrichten könnten und damit auch nicht dem Ziel dienen würden, das ungeborene Leben besser zu schützen.

Die katholische Kirche hatte im Vorfeld der Abstimmung mit rund drei Millionen US-Dollar (2,93 Mio. Euro) die Verfassungsinitiative "Value Them Both" unterstützt, die sich für strengere Regeln zur Abtreibung ausgesprochen hatte. Treibende Kraft war dabei der Erzbischof von Kansas City, Joseph Naumann, der innerhalb der US-Bischofskonferenz zu den Wortführern der strikten Abtreibungsgegner gehört. In einer ersten Reaktion hatte Naumann die "säkularen Medien" für das Ergebnis verantwortlich gemacht, denen er irreführende Berichterstattung vorwarf.

Mehrheit lehnte Abtreibungsverbot ab

Im ersten Referendum in einem Bundesstaat seit einem wegweisenden Abtreibungsurteil des obersten US-Gerichts vom Juni hatte die Mehrheit eine Verfassungsänderung hin zu einem weitgehenden Verbot von Abtreibungen in Kansas abgelehnt. Die Abstimmung galt als wichtiger Gradmesser für die gesamten USA.

Ende Juni hatte der Supreme Court entschieden, dass aus der Verfassung kein Grundrecht auf Abtreibung abgeleitet werden könne und damit das Grundsatzurteil "Roe vs. Wade" von 1973 aufgehoben, das zu einer weitgehenden Freigabe von Abtreibungen geführt hatte. Die Zuständigkeit für die Abtreibungsgesetze liegt nun wieder bei den Bundesstaaten. Viele der Staaten hatten daraufhin angekündigt, für restriktivere Regelungen sorgen zu wollen. (APA)


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