Natur

Die Zahl der Wolfsrudel wächst in den Alpen rasant an

Wölfe, die Weidevieh oder gar Menschen gefährlich werden, sollen gezielt entnommen werden, fordern nicht nur Bauern. Tierschützer halten dagegen, wie wichtig der Wolf für das ökologische Gleichgewicht ist.
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2021 gab es im Alpenraum Schätzungen zufolge mehr als 250 Rudel, nur drei davon waren in Österreich. Heuer dürften es bereits 300 werden. Laut dem Verein Gruppe Wolf Schweiz ist Raum für 800 Rudel.

Bern – Die Zahl der Wolfsrudel in den Alpen wächst rasant, um zur Zeit mehr als 25 Prozent im Jahr. Das berichtete am Montag der Verein Gruppe Wolf Schweiz (GWS), der sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und einheimischen Großraubtieren einsetzt. Der gesamte Lebensraum für Wölfe dürfte in den Alpen in etwa fünf Jahren ausgeschöpft sein. "Der Wolfbestand reguliert sich dann selber und wächst nicht mehr weiter an", berichtete der Verein.

2021 habe es im Alpenraum nach Schätzungen mehr als 250 Rudel gegeben. In diesem Jahr dürften es mehr als 300 werden. Der Verein geht davon aus, dass insgesamt Raum für etwa 800 Rudel ist. Der Verein betont, wie wichtig ein flächendeckender und konsequenter Herdenschutz für Nutztiere ist. Erst vergangene Woche war erstmals im Kanton St. Gallen auf der Alp Brändlisberg ein einjähriges Rind von Wölfen gerissen worden. Bauernverbände haben immer wieder vergeblich mehr Abschussgenehmigungen gefordert. Auch in Tirol ist die Debatte dazu aktueller denn je.

Im Vorjahr drei Wolfsrudel und 14 Einzelwölfe in Österreich

In den Alpen bestehen Rudel – zwei erwachsene Tiere und ihr Nachwuchs – in der Regel aus bis zu zehn Tieren. Das Territorium eines Rudels wird auf 200 bis 300 Quadratkilometer geschätzt. 1993 bildete sich nach Angaben der Gruppe in den französisch-italienischen Südwestalpen das erste Rudel. Auch heute sind die Tiere innerhalb der Alpen dort besonders stark verbreitet. In der Schweiz gab es Jahrzehnte nach der Ausrottung seit 1995 wieder einzelne Wölfe, seit 2012 auch Rudel.

In Österreich waren 2021 laut WWF geschätzt bis zu 35 Wölfe unterwegs. Die Zahl der Wolfsrudel in Österreich hat sich im Vorjahr von einem auf drei erhöht. Sie rissen im Vorjahr 103 Schafe. Österreichweit gab es zudem Sichtungen von 14 Einzelwölfen, womit insgesamt 30 bis 35 der Tiere hierzulande lebten. Wölfe könnten bis zu 1000 Kilometer weit wandern und werden immer wieder nach Österreich hereinstreifen. Aus ökologischer Sicht ist das ein Vorteil, denn der Wolf fungiert als "Gesundheitspolizei des Waldes", er hält den Wildbestand und damit den Wald gesund, indem er vor allem kranke und schwache Tiere anfällt. Zudem hinterlässt er wichtige Nahrungsreste für andere Tierarten, wie Adler.

In Deutschland gibt es in den Alpen noch keinen Nachweis von Wolfsrudeln. Weder der Verein GWS noch die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf haben dort diese Tiere verzeichnet. (TT.com/dpa)