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Trost im Trubel: Dominik Barta präsentiert „Tür an Tür“ in Innsbruck

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Dominik Barta erforscht den Mikrokosmos Mehrparteienhaus.
© APA/Seinmaurer

Innsbruck – Well-made, also gut gemacht, gilt – zumindest wenn von Textarbeit die Rede ist – als giftgesättigtes Lob, weil zumeist allzu glatte, quasi mechanische oder papierene Perfektion anklingt. Im Fall von Dominik Bartas Roman „Tür an Tür“, seinem zweiten nach „Vom Land“ (2020), darf das Lob allerdings ohne Angst vor Verätzung genossen werden: Der Text ist sprachliche Feinarbeit, er entwickelt sich schlüssig, ist spannend, hat Haltung – ohne sein Bemühen darum auszustellen.

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Schon in „Vom Land“ verstand sich Barta auf die Beschreibung facettenreicher Charaktere und vordergründig tragikomischer Figuren. Damals besiedelten diese die erdige Enge der Provinz. In Bartas Neuem bewohnen sie – getrennt durch hellhörige Wände – einen großstädtischen Genossenschaftsbau. Bisweilen gerät das geordnete Nebeneinander zum Durcheinander, Beziehungen entwickeln sich, Augenblicke zufälligen Glücks und solche, in denen sich Zorn Bahn bricht: Die globale Unordnung lässt sich auch im Mehrparteinhaus nicht aussperren – und das große Unglück lässt sich nicht wegprivatisieren.

„Tür an Tür“ spielt in den Jahren 2014 und 2015. Migration ist eines der Themen, die zusehends an Bedeutung gewinnen. Auch, weil Kurt – Hauptfigur und Ich-Erzähler – Geflüchteten Deutsch beibringt. In einen seiner Schüler hat er sich verschaut. Nicht nur deshalb beginnt er, sich seinen Vorurteilen zu stellen. Auch um Kurt herum geht es drunter und drüber: Der Nachbar nervt, ein Freund wird zum Untermieter, eine Sexualwissenschafterin versteht sich aufs Verwischen von Theorie und Praxis und Frau Kord droht abzudriften. „Tür an Tür“ ist das, was man welthaltig nennt. Welthaltig im besten Sinne. Nicht erdenschwer, aber ernsthaft und frei von fadenscheinigem Furor beschäftigt sich Barta mit drängenden Themen. Es geht um sexuelle und politische Orientierungslosigkeit, Einsamkeit, Radikalisierung. Im bloßen Problematisieren verharrt der Text nie. Das macht „Tür an Tür“ zum tröstlichen Buch – obwohl es nichts beschönigt. Well-made also: gut gemacht. (jole)

Roman Dominik Barta: Tür an Tür. Zsolnay, 208 S., 23,70 Euro.

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StadtLesen: Dominik Barta stellt „Tür an Tür“ Donnerstag, 11. August, beim StadtLesen in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße vor. Beginn: 19 Uhr. StadtLesen, das mobile Lesewohnzimmer mit rund 3000 aktuellen Neuerscheinungen, macht von 11. bis 14. August in Innsbruck Station.


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