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Hilferuf „Luisa" gegen sexualisierte Gewalt bald tirolweit in Lokalen

Die niederschwellige Kampagne gegen sexualisierte Gewalt im Nachtleben wird nach einer Pilotphase in Innsbruck landesweit ausgerollt: ExpertInnen schulen Lokalbetreiber und Personal im richtigen Verhalten.

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Laut Experten trägt allein schon die Sensibilisierung viel zur Verbesserung der Situation bei.
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Von Michael Domanig

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Innsbruck – „Ist Luisa hier?“ Mit dieser Frage – oder einfach nur dem Codewort „Luisa“ – können sich Betroffene sexualisierter (verbaler oder körperlicher) Gewalt im Nachtleben diskret an geschulte MitarbeiterInnen in Lokalen wenden und gezielt Hilfe erhalten. Nach dreijähriger Pilotphase in Innsbruck wird das Projekt nun landesweit ausgerollt. Tirol ist somit das erste Bundesland, das die einst im deutschen Münster initiierte, heute längst internationale Kampagne flächendeckend umsetzt.

„Wir haben kein ‚Problem mit Gewalt an Frauen‘, sondern ein Problem mit gewaltbereiten Männern – das muss auch klar so benannt werden“, sagt Frauen- und Soziallandesrätin Gabi Fischer (Grüne). Drei von vier Frauen in Österreich mussten schon einmal sexuelle Belästigung erleben.

In Nachtlokalen und Bars, die sich am Projekt „Luisa ist hier!“ beteiligen, können sich Betroffene sexualisierter Gewalt mit dem Codewort „Luisa“ diskret ans geschulte Personal wenden.
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Die Motivation für Übergriffe im sexuellen Bereich sei „niemals Leidenschaft, Erotik oder Liebe, sondern immer Machtausübung“, ergänzt Katharina Hölbing, psychosoziale Beraterin und Prozessbegleiterin beim Verein „Frauen gegen verGEWALTigung“. Gerade im Nachtleben nützen Täter die Gelegenheit, diese Machtposition aktiv zu verschieben, wenn etwa Getränke mit Substanzen versetzt werden oder der alkoholisierte Zustand von Opfern ausgenützt wird. „Wir haben in der Beratungsstelle immer wieder mit Frauen zu tun, die beim Ausgehen Opfer sexualisierter Gewalt wurden und sich oft an kaum etwas erinnern können“, berichtet Hölbing.

Gerade bei sexueller Gewalt sei es für Frauen oft nicht möglich, „normal zu reagieren, was auch immer das bedeutet“, sie stünden unter Schock, seien gar nicht in der Lage, sich zu wehren, so die Expertin. Hier sei „Luisa“ ein niederschwelliges und effektives Mittel, in Nachtlokalen vor Ort Hilfe zu bekommen. In teilnehmenden Bars und Clubs können sich Betroffene an das ganze Team (bis hin zum Türsteher) wenden. Sie werden daraufhin in einen eigenen Raum begleitet, wo gemeinsam über das weitere Vorgehen entschieden wird: Dass Personen aus dem Lokal entfernt werden, kann genauso dazugehören wie die Weitervermittlung an Facheinrichtungen im Bereich Gewaltschutz – beispielsweise an die 24-h-Notrufnummer des Frauenhauses Tirol.

Wertvolle „Aufmerksamkeitsarbeit“

In der Landeshauptstadt hat die „Innsbruck Club Commission“, eine Interessenvertretung der Nachtkultur, Ende 2018, von der Stadt unterstützt, mit dem Pilotprojekt „Luisa“ begonnen. „26 Betriebe haben das Konzept bisher umgesetzt“, sagt Frederick Lordick von der Club Commission. Aus der Erfahrung seines eigenen Clubs („Dachsbau“) könne er berichten, dass das Codewort nach Einführung der Aktion vielleicht einmal im Monat gebraucht wurde. Aber allein schon die „Aufmerksamkeitsarbeit“, die Sichtbarkeit und Enttabuisierung des Themas durch die Kampagne samt Plakaten und Aufklebern, habe das Klima stark verbessert: „Je mehr man es zum Thema macht, desto weniger trauen sich die Täter.“

Das Land fördert die Erweiterung von „Luisa ist hier“ auf alle Tiroler Bezirke nun mit ca. 70.000 Euro: Ab Herbst schulen ProjektmitarbeiterInnen der Club Commission in Kooperation mit „Frauen gegen verGEWALTigung“, dem Frauenhaus und der Drogenarbeit Z6 Betreiber und Angestellte von Bars und Clubs bei regionsweisen Terminen.

Après-Ski-Bars außen vor, Corona verschärfte Dringlichkeit

Rund 160 bis 180 Betriebe habe man tirolweit recherchiert, führt Projektleiterin Emma Egger aus. Diese sollen laut Lordick aktiv kontaktiert und zu den Schulungen eingeladen werden, zugleich wird es den Aufruf geben, sich bei Interesse zu melden. Man konzentriere sich dabei auf die „klassische Nachtkultur“, die Grenze ziehe man bei den vielen Après-Ski-Bars – das Ausmaß sei hier nicht zu bewältigen, die Klientel für die „Club Commission“ auch schwer erreichbar.

Die Pandemie habe die Dringlichkeit noch verschärft, ergänzt der Clubbetreiber: Durch die vielen Personalwechsel brauche es auch in Innsbruck Auffrischungs-Schulungen. Zugleich gebe es durch Corona „Unwissenheit“ ganzer Jahrgänge im Hinblick auf das Nachtleben. Da nach dem Ende der Zwangspause in den Nachtlokalen vermehrt über Angriffe mit K.-o.-Tropfen und anderen Mitteln berichtet wird, soll es dazu bald eine eigene Kampagne geben.


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