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Pflanzenparadies in Lavant: Garten-Kleinod auf nur 22 Quadratmetern

Anita und Thomas Schrotter gründeten den Obst- und Gartenbauverein in Lavant. Auf einer kleinen Freifläche vor ihrer Wohnung schufen sie ein Pflanzenparadies.

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Gartenfreund Thomas Schrotter ist stolz auf die Fülle von mehr als 100 Pflanzenarten auf nur 22 Quadratmetern Fläche, die er mit seiner Frau Anita liebevoll betreut.
© Blassnig

Von Christoph Blassnig

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Lavant – Es gedeihen Tomaten, Paprika, Kohlrabi, Zwiebeln, Kartoffeln, Brombeeren und Weintrauben. Als Sichtschutz und zugleich Umrahmung für das Vogelhäuschen dienen Maulbeere und Blutpflaume. Mindestens 100 unterschiedliche Pflanzenarten hegen und pflegen Anita und Thomas Schrotter in ihrem Garten in Lavant. Nicht mitgezählt sind dabei jene in den Hochbeeten und Trögen. Das Besondere an diesem Pflanzenparadies sind allerdings seine Ausmaße: Auf 22 Quadratmetern findet das alles seinen Platz. Sogar zwei Frösche haben ihre Unterkunft bezogen, dazu später mehr.

Das Ehepaar Schrotter lebt in einer Wohnung eines Mehrparteien-Reihenhauses, wie es sie überall in Tirol gibt. Die Obergeschoße haben einen Balkon, nur im Erdgeschoß darf man auch eine Freifläche sein Eigen nennen. 40 Quadratmeter misst sie in diesem Fall insgesamt, wobei 18 davon auf die Terrasse entfallen. Der Balkon des Obergeschoßes dient als Überdachung für die Terrasse, auf der neben dem Gartentisch auch das große Holzfass für das Gießwasser steht.

Die Gemeinde Lavant wiederum liegt auf 675 Metern Seehöhe auf der Schattseite im Lienzer Talboden. Südlich türmen sich die mächtigen Ausläufer der Dolomiten in die Höhe. „Schattseite ist allerdings nur im Winter richtig“, erklärt Thomas Schrotter. Bis zu drei Monate lang fällt dann kein direktes Sonnenlicht mehr auf Lavant.

Thomas Schrotter gießt Blühpflanzen in den Blumenkästen am Gartenzaun.
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„Dafür haben wir im Sommer Überfluss, den viele nicht für möglich halten. Wir profitieren vom ersten Sonnenstrahl am Morgen, da liegen die so genannten Sonnendörfer alle noch für Stunden im Schatten. Am Abend beobachten wir die schönsten Sonnenuntergänge, bis die Sonne hinter dem Hochstein versinkt. Dann sind weite Teile des Lienzer Talbodens bereits lange im Schatten.“

Die Orchideen hat Anita zum Blühen gebracht.
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Vom vielen Licht konnte sich auch eine zwei Meter hohe Sonnenblume, die bis vor Kurzem noch mitten im Hochbeet zwischen Kartoffeln und Blattsalat wurzelte, täglich überzeugen. Sogar Orchideen gedeihen hier prächtig. Die Nachbarn staunen vielfach über die ganzjährige Blütenpracht. Der Wein wiederum trägt inzwischen tiefblaue Früchte, die gerade Wespen magisch anziehen.

ren den Obst- und Gartenbauverein unter dem Tiroler Dachverband gegründet. Heuer hat Thomas die Obmannschaft von seiner Frau übernommen. 84 Mitglieder zählt der Verein aktuell, und es sollen noch mehr werden: „Auf 100 Mitglieder möchten wir kommen, da bin ich ehrgeizig.“

Neben dem gegenseitigen Austausch profitieren die Vereinsmitglieder von kostenlosen Vorträgen und Lehrveranstaltungen. Ein Schafbauer ist unter den Mitgliedern und versorgt die Kollegen mit Wolle, die als Dünger in die Erde eingegraben werden kann und beispielsweise Tomatenpflanzen als Langzeitdünger dient. Vor zwei Jahren haben Vereinsmitglieder sogar sechs in Osttirol „heimisch gewordene“ Tomatensorten gezogen, die am Markt nicht mehr erhältlich sind.

Diese „Null-Kilometer-Tomaten“ in den eigenen Gärten waren ein großer Erfolg. Die Samen stammten aus einem Saatgut-Archiv, das die Biologin Brigitte Vogl-Lukasser in der Bücherei Assling betreut. Seit Jahrzehnten werden dort Pflanzensamen gesammelt. „Wir wollten keinen Topf aus China, Erde aus Bulgarien, Samen aus Tschechien. Heimischer Anbau am Balkon oder im Garten liefert besten Geschmack.“

Anita und Thomas Schrotter mit „Null-Kilometer“-Tomatenpflanzen.
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Ehrgeiz darf man auch bei den jährlichen Wettbewerben entwickeln, heuer wird etwa der schwerste Kohlrabi gesucht. Thomas Schrotter schätzt seinen Kandidaten im Hochbeet augenzwinkernd auf ein aktuelles Gewicht von zwei Kilogramm. Es hätten gerne auch fünf Kilo werden können. „Das geht sich leider nicht mehr aus.“

Abends, wenn die beiden Gartenliebhaber auf ihrer Terrasse zum Feierabend ein Glas Wein genießen, bekommen sie manchmal Besuch. Zwei Grasfrösche verlassen dann kurzzeitig ihr Zuhause, das sie im Schrotter-Garten bezogen haben. Der Teich der Amphibien misst gerade einmal 60 Zentimeter im Durchmesser und ist 80 Zentimeter tief.

Sogar zwei Frösche haben sich im Garten angesiedelt.
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Der runde Behälter aus Kunststoff ist direkt neben der Kräuterspirale ebenerdig in den Boden eingelassen und beherbergt neben unzähligen winzigen Schwimmpflanzen auch eine Seerose, die Jahr für Jahr herrlich blüht. „Ich sitze auf meinem Stuhl und beobachte die Frösche, wie sie um meine Füße herumhüpfen“, berichtet der Gartenbesitzer begeistert davon, dass er auch so einiges Getier in seinem kleinen Paradies hat.

Der Miniteich benötigt keinen Zulauf und keine Pflege. Das Wasser ist kristallklar und riecht nicht. Die Frösche fühlen sich sichtlich wohl. Auch unter Vögeln hat sich das gärtnerische Kleinod der Schrotters längst einen Namen gemacht. Im Schatten von Maulbeerbaum und Blutpflaume finden sie am Boden eine flache Tränke vor, die immer gut befüllt wird. Weiter oben umrahmen die Äste ein Vogelhäuschen, das ein Pärchen Kohlmeisen im Frühjahr als Kinderstube eingerichtet hat.

Die Rose erfreut ihre Besitzer gerade mit der zweiten Blüte.
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Ein befreundeter Gartenbesitzer in Assling fertigt solche aus Holzbeton. „Es ist einfach herrlich, den Eltern beim eifrigen Nestbau zuzuschauen und dann den Kleinen beim Ausfliegen.“

Dabei ist heuer nicht unbedingt ein Glücksjahr im Garten von Anita und Thomas. Ein kurzes Hagelgewitter hatte im Juni viele Pflanzenblätter zerschlagen, ein Ahorn kämpft deshalb ums Überleben. Die Bohnen wollen nicht so recht. Bei Gartenbaukollegen treiben die Weinreben nicht aus. „Meinen Wein bevölkern die Wespen, obwohl die Trauben noch gar nicht gereift sind“, beschwert sich Thomas. „Erstmals haben Raupen heuer die verbliebene Rose geschädigt, dennoch ist sie gerade zum zweiten Mal großartig aufgeblüht.“ Die zweite Rosenpflanze auf der anderen Seite des „Lieblingsplatz“-Rosenbogens hatte den Winter nicht überstanden.

Wespen entdecken die reifenden Weintrauben für sich.
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Das Lilienhähnchen, ein Käfer, hat einer von Thomas’ Lieblingsblumen den Garaus gemacht. „Es ändert sich immer etwas im Garten. Das erfordert auch etwas Ruhe, Geduld und die Gewissheit, dass es im nächsten Jahr wieder anders sein wird.“

Auch im Kleingarten der Schrotters wird es nächstes Jahr wieder zu der ein oder anderen Überraschung kommen. „Wichtig ist einfach, dass meine Frau und ich uns dieses schöne Hobby teilen. Jeder hat seine Vorlieben und setzt seine Vorstellungen im Rahmen unserer Möglichkeiten um“, sagt Thomas. Und eines steht für die beiden fest: Die Größe des Gartens ist jedenfalls nicht entscheidend.

Der „Miniteich“ misst rund 60 Zentimeter im Durchmesser und beherbergt winzige Schwimmpflanzen und eine Seerose.
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Garten-Serie

Der Tiroler Obst- und Gartenbauverein hat neun heimische Gärten ausgesucht, die in den kommenden Wochen im TT-Magazin vorgestellt werden. Heute laden Anita und Thomas Schrotter in ihren ganz besonderen Kleingarten in Lavant am Fuß der Lienzer Dolomiten ein.


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