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Iran: Rushdie und seine Anhänger für Angriff verantwortlich

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Salman Rushdies "aufsässiger Sinn für Humor" ist intakt (Archivbild)
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Der Iran macht Salman Rushdie selbst und dessen Anhänger für den Messerangriff auf den weltbekannten Autor verantwortlich. Meinungsfreiheit rechtfertige nicht Rushdies Beleidigungen von Religion in seinen Werken, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanaani, am Montag vor Journalisten. Über den Angreifer von Rushdie habe er nur die Informationen, die den Medien zu entnehmen seien. "Es gibt keine Verbindung zwischen dem Iran und dem Täter", hieß es.

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Ein Sprecher des britischen Premierministers Boris Johnson bezeichnete die Schuldzuweisung aus Teheran hingegen als "abstrus". Der Anschlag auf Rushdie sei ein Angriff auf die Redefreiheit gewesen. Er fügte hinzu: "Die britische Regierung steht sowohl hinter ihm und seiner Familie als auch für die Redefreiheit auf der ganzen Welt ein."

Dem 75-jährigen Autor geht es unterdessen besser. "Trotz seiner schwerwiegenden und lebensverändernden Verletzungen bleibt sein üblicher kämpferischer und aufsässiger Sinn für Humor intakt", schrieb sein Sohn Zafar Rushdie am Sonntag auf Twitter. Rushdie sei nicht mehr an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Zudem habe er einige Worte sprechen können. Neben dem mutmaßlichen Täter steht zunehmend auch die iranische Führung in der internationalen Kritik.

Rushdie war am Freitag bei einer Veranstaltung in Chautauqua im Westen des US-Bundesstaats New York von einem Mann angegriffen worden und wird seitdem in einem Krankenhaus im angrenzenden Pennsylvania behandelt. Der britisch-indische Schriftsteller wird seit Jahrzehnten von religiösen Fanatikern verfolgt, zu dem Angriff hat die Polizei aber noch kein Tatmotiv bestätigt.

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Das Internet-Portal Vice News berichtete am Sonntag unter Berufung auf Geheimdienstquellen aus Europa und dem Nahen Osten, der Tatverdächtige habe in sozialen Medien Kontakt zu den iranischen Revolutionsgarden gehabt. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass der Iran an der Organisation oder Durchführung des Angriffs beteiligt gewesen sei.

US-Außenminister Antony Blinken kritisierte unterdessen den Iran. "Speziell staatliche iranische Einrichtungen haben über Generationen zu Gewalt gegen Rushdie aufgerufen, und staatliche Medien haben sich jüngst an dem Angriff auf sein Leben ergötzt", erklärte er. Dies sei "verachtenswürdig". Die USA und ihre Partner stellten sich solchen Bedrohungen entgegen.

Zuvor hatte der britische Premier-Kandidat Rishi Sunak Sanktionen gegen den Iran gefordert. Sunak sagte dem "Telegraph" (Sonntag), der Angriff müsse ein "Weckruf für den Westen" sein und spreche dafür, die iranische Revolutionsgarde als Terrororganisation einzustufen. Man müsse sich außerdem fragen, ob eine potenzielle Einigung mit dem Iran im Atomstreit "in einer Sackgasse angekommen" sei.

Wegen Rushdies Werk "Die satanischen Verse" aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Khomeini dazu aufgefordert, den Autor zu töten. Er warf ihm vor, den Islam, den Propheten und den Koran beleidigt zu haben. In dem Buch kommt unter anderem eine Figur vor, die dem Propheten Mohammed ähnelt. Die Kritik lautet, dass Rushdie den göttlichen Ursprung des Koran infrage stellte. Auf das Todesurteil folgten damals eine dramatische Flucht Rushdies und jahrelanges Verstecken. Seit mehr als 20 Jahren lebt er in New York.

Vor Gericht schwieg der mutmaßliche Täter am Samstag und ließ sich von seinem Pflichtverteidiger für "nicht schuldig" erklären, wie die "New York Times" und andere US-Medien berichteten. Ihm wurden laut Polizei versuchter Mord zweiten Grades sowie Angriff mit einer tödlichen Waffe und der Absicht, eine Körperverletzung zu verursachen, vorgeworfen. Mord zweiten Grades ist ein eigenständiger Tatbestand im US-Rechtssystem zum Tod eines Menschen. Dafür können Angeklagte im Bundesstaat New York mit jahrelangen Haftstrafen belegt werden.

Der Publizist Günter Wallraff verurteilte das Attentat auf Rushdie erneut. Es sei "widerlich", dass die iranischen Staatsmedien den mutmaßlichen Attentäter frenetisch feierten, sagte Wallraff dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag). Wallraff hatte Rushdie 1993 in seinem Haus in Köln-Ehrenfeld versteckt.

Am Wochenende hatten bereits Prominente und Politiker aus aller Welt den Angriff mit deutlichen Worten kritisiert und Rushdie eine schnelle Genesung gewünscht. US-Präsident Joe Biden hatte gelobt, Rushdie habe sich nicht einschüchtern lassen und stehe für "wesentliche, universelle Werte" wie Wahrheit, Mut und Widerstandsfähigkeit.


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