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Trockenheit und Terror in Burkina Faso: Caritas Tirol warnt vor Katastrophe

Dörfer werden niedergebrannt, Dürren vernichten die Ernte, 1,8 Millionen Menschen sind auf der Flucht: Die Situation in Burkina Faso spitzt sich immer weiter zu, sagt Dorothee Kolbe von der Tiroler Caritas.

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Dorothee Kolbe verteilt in Kaya in Burkina Faso Lebensmittelgutscheine an Bedürftige. Die Stadt im nördlichen Teil des westafrikanischen Landes beherbergt derzeit besonders viele Binnenflüchtlinge.
© Caritas Burkina Faso

Von Benedikt Mair

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Innsbruck – Das Land steht am Rande einer nie dagewesenen Katastrophe. Burkina Faso, westafrikanischer Binnenstaat mit rund 20 Millionen Einwohnern, in dem viele Jahre überwiegend Frieden herrschte, versinkt immer weiter im Chaos. Im Nordwesten, an den Grenzen zu Mali und dem Niger, terrorisieren Islamisten die Bevölkerung, plündern, töten, brennen ganze Dörfer nieder. 1,8 Millionen Menschen wurden so bislang zur Flucht getrieben. Hinzu kommt der Klimawandel. Die Dürren häufen sich, dauern länger, Böden trocknen aus, ganze Ernten werden vernichtet. Dorothee Kolbe kennt die Region seit 30 Jahren, ist dort für die Projekte der Tiroler Caritas zuständig. Sie sagt: „Es wird immer dramatischer.“

Vertriebene bekommen Essen, Hygiene­artikel, das, was sie zum Leben und Überleben brauchen.
Dorothee Kolbe

Plötzlich steht eine Schar Bewaffneter im Ort. 24 Stunden geben sie den Siedlern, um ihre wenigen Habseligkeiten zu packen und zu verschwinden. Wer nicht geht, wird ermordet. Die Vorräte werden geraubt. Eine Mutter mit zwei Kindern kann ihr Baby nicht mehr stillen. Die junge Frau ist unterernährt, gestresst von der Flucht, traumatisiert von den verwesenden Leichen, die sie auf dem langen und beschwerlichen Weg gesehen hat. Zwei Geschichten von vielen, die Kolbe im April dieses Jahres bei ihrem Besuch in Kaya erzählt bekommt. Die Stadt liegt im nördlichen Teil Burkina Fasos, viele Vertriebene kommen hier an. „Nur noch in diesen großen Zentren fühlen sie sich sicher, hier gibt es viel Polizei und Militär“, berichtet sie.

Die Caritas Tirol ist aktuell mit drei großen Projekten in dem westafrikanischen Staat präsent, die dabei helfen sollen, die Situation der Menschen kurz-, aber auch mittel- und langfristig zu verbessern. Lebensmittelgutscheine werden ausgegeben, die Bevölkerung in nachhaltigem Ackerbau geschult. Zudem gibt es acht kleinere Maßnahmen, die etwa durch das Bohren von Brunnen die Trinkwasserversorgung sichern oder Mädchen aus armen Familien den Besuch einer Schule ermöglichen sollen. Allein im Vorjahr flossen 772.000 Millionen Euro in diese Initiativen – ein Großteil wurde mit Unterstützung der Tirolerinnen und Tiroler finanziert.

Spenden

Unter dem Kennwort „Hungerkampagne 2022“ kann unter der Kontonummer AT79 3600 0000 0067 0950 gespendet werden.

„Es ist nicht abzusehen, wie sich die Lage vor Ort entwickeln wird“, sagt Dorothee Kolbe. Heuer im Februar hat die studierte Geoökologin Agenden der Caritas Burkina Faso übernommen, auch in Mali ist sie tätig. „Zuerst kommt für uns die Nothilfe. Vertriebene bekommen Essen, Hygieneartikel, das, was sie zum Leben und Überleben brauchen.“ Menschen, besonders Frauen, werden allerdings auch bei der Gründung kleiner Unternehmen unterstützt. „Sie erhalten etwas Geld, damit sie beispielsweise Waren ein- und die dann wieder verkaufen können.“ Momentan ein schwieriges Unterfangen, das burkinische Geschäftsleben ist stark beeinträchtigt. „Die Inflation im Land liegt aktuell bei 30 Prozent, viele Leute können sich kaum noch Brot leisten, der Preis ist in die Höhe geschnellt.“ Wie auch in Europa sei der Krieg in der Ukraine mitverantwortlich.

Die Inflation im Land liegt bei 30 Prozent, viele Leute können sich kaum noch Brot leisten.
Dorothee Kolbe

Obendrauf komme der Klimawandel, der im Sahel, zu dem auch Gebiete in Burkina Faso zählen, laut Kolbe „schon deutlich spürbar ist. Viel stärker als bei uns. Weil die Bevölkerung weiter zunimmt, können die Bauern ihre ohnehin schon kargen Felder nicht mehr brachliegen lassen, die Erträge sinken.“ Ein Teufelskreis, sagt sie. „Da unterstützt die Caritas mit ihren Partnern vor Ort. Es wird in den Erosionsschutz investiert, Dünger ausgebracht – Mischkulturen angelegt, versucht, die Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten oder sogar zu verbessern.“ Die globale Erwärmung, die diese Region der Welt besonders stark treffe, „wird aber nicht vor Ort, sondern von uns, den Industriestaaten, befeuert“. Kolbe ruft dazu auf, dass die Menschen auch hierzulande ihr Konsumverhalten hinterfragen. „Beim Kleiderkauf oder dem Essen.“ Das könne auf lange Sicht dazu beitragen, dass die Leute in Afrika weniger hungern müssen. „Nachhaltige Entwicklung trägt zur Friedenssicherung bei.“

Dass die Konflikte in Burkina Faso und seinen Nachbarländern in absehbarer Zeit beendet werden, bezweifelt Kolbe. „Irgendwo schwingt die Angst immer mit, die Anschläge haben zugenommen.“ Auch von der Caritas errichtete Brunnen seien zerstört worden. „Aber sie werden wieder aufgebaut“, versichert sie.


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