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Gazprom droht mit starkem Preisanstieg im Winter, Preisbremse im Gespräch

Die Gaspreise in Europa könnten im Winter um 60 Prozent steigen, droht der russische Staatskonzern. Vizekanzler Kogler brachte indes am Montag eine Gaspreisbremse ins Gespräch. Experten halten das für möglich.

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Die Strompreisbremse soll im Herbst vorgelegt werden, eine für Gas könnte folgen.
© APA (dpa/gms/Andrea Warnecke)/An

Moskau, Wien – Der russische Staatskonzern Gazprom warnt seine europäischen Kunden vor stark steigenden Gaspreisen im Winter. Diese könnten um 60 Prozent auf mehr als 4000 Dollar (3923 Euro) pro 1000 Kubikmeter zulegen, wie das Unternehmen am Dienstag in Moskau bekanntgab. Grund dafür sei, dass Exporte und Produktion aufgrund westlicher Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs weiter schrumpften.

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"Die europäischen Spotgaspreise haben 2500 Dollar (pro 1000 Kubikmeter) erreicht", so Gazprom. "Nach vorsichtigen Schätzungen werden die Preise in diesem Winter 4000 Dollar pro 1000 Kubikmeter überschreiten, wenn diese Tendenz anhält." Die Ukraine hat eine der Gazprom-Routen für Lieferungen nach Europa geschlossen. Der Konzern selbst hat im Streit über eine Gasturbine des für die Wartung zuständigen deutschen Konzerns Siemens Energy seine Kapazität der Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland auf etwa 20 Prozent reduziert.

Insgesamt brachen die Gasexporte von Gazprom zwischen dem 1. Jänner und dem 15. August um 36,2 Prozent auf 78,5 Mrd. Kubikmeter ein. Die Produktion nahm gleichzeitig um 13,2 Prozent auf 274,8 Mrd. Kubikmeter ab, teilte das Unternehmen mit. Im August allein ging die Produktion bisher um 32,2 Prozent zurück, nach 35,8 Prozent im Juli, sagte Ökonom Jewgeni Suworow von der CentroCreditBank. Der Exportrückgang habe sich dabei auf 59 Prozent beschleunigt.

Preisbremse auch für Gas im Gespräch

In Österreich wird indes überlegt, wie die Bevölkerung angesichts der explodierenden Energiepreise entlastet werden kann. Die geplante Preisbremse für Strom mit einem subventionierten Preis für eine bestimmte Menge und dem marktüblichen Preis für darüber liegenden Verbrauch könnte auch für Gas ein Thema werden. Entsprechende Überlegungen, die Vizekanzler und Grünen-Chef Werner Kogler am Montagabend im ORF-Sommergespräch angestellt hat, halten Experten für möglich.

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Kogler hatte zu einer Preisbremse für Gas gemeint, dass es für Gasheizungen ähnlich sei wie beim Strom. Man müsse das "verlängert und weiter denken in die Richtung", hatte Kogler erklärt, aber gleichzeitig eingeschränkt: "Jetzt machen wir mal das eine fertig". Gemeint war damit die Strompreisbremse, die im Herbst vorgelegt werden soll.

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Nicht abgeneigt reagierte am Dienstag der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Regulierungsbehörde E-Control, Johannes Mayer. Im Ö1-"Mittagsjournal" bezeichnete es der Experte als "durchführbar", eine bestimmte Menge Gas zu subventionieren. Das würde seiner Meinung nach die Kaufkraft stärken und wäre eher eine Inflationsbekämpfungs- als eine Sozialmaßnahme.

Fiskalratschef Christoph Badelt sprach sich gegen Förderungen für alle nach dem Gießkannenprinzip aus. Treffsicher wären solche Begünstigungen nur, wenn man sie vom Haushaltseinkommen abhängig macht, sagte der ehemalige Wifo-Chef.

Kogler skizzierte im ORF-Sommergespräch noch eine weitere Idee, um die Menschen von den hohen Gaspreisen zu entlasten, und zwar indirekt über eine Senkung der Miete. "Im Übrigen schlagen wir vor oder denken darüber nach, dass die Richtwertmieten einen Abschlag kriegen, wenn sie Gasheizungen haben", sagte Kogler, der in seiner Mietwohnung in Wien selbst auch mit Gas heizt. (APA)


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