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„Der Gesang der Flusskrebse“: Im sonnigen Sumpfland

Die Bestsellerverfilmung „Der Gesang der Flusskrebse – Where the Crawdads Sing“ von Olivia Newman ist ein großartig-düsterer Südstaaten-Film.

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Daisy Edgar-Jones brilliert in „Der Gesang der Flusskrebse – Where the Carwdads Sing“ als „Marsh Girl“ Kya Clark.
© Sony

Von Marian Wilhelm

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Innsbruck – Ein Natur-Setting kann einem Film viel Energie und Atmosphäre geben. Doch man muss sie zur passenden Geschichte auch richtig in Szene setzen. Anders als der Tiroler Filmausflug ins Hochgebirge „Märzengrund“, der ebenfalls diese Woche ins Kino kommt, schafft Olivia Newman das mit der Moor- und Flusslandschaft in ihrem stimmigen Südstaatenfilm „Der Gesang der Flusskrebse – Where the Crawdads Sing“ auf eindrucksvolle Weise.

Im Zentrum steht die junge Frau Kya Clark. Ihr folgt der Film auf zwei verschränkten Zeitebenen. Ein Mordprozess bildet die Rahmenhandlung, auf die sich die Rückblenden zubewegen. In der Vergangenheit, 1952 und nach einem Zeitsprung 1965 bis hin zum Prozess 1970, mutiert der Film somit vom romantischen Drama zum Kriminal-Thriller.

Als Kind eines gewalttätigen Vaters wächst Kya am Rande des North-Carolina-Marshlands auf. Die Mutter und die Geschwister verlassen nacheinander die Familie und auch der Vater verschwindet bald darauf. Die Siebenjährige lebt und überlebt, u. a. mit Hilfe eines afroamerikanischen Händler-Ehepaars, alleine in ihrem Haus in den Sümpfen.

Jahre später als Erwachsene gerät sie, nach einer früheren unglücklichen Liebe, an den Footballer Chase Andrews. Diese Beziehung wird zur fatalen Falle für Kya, die der Mordprozess auf der zweiten Ebene aufgreift. Ihr Verteidiger Tom Milton (David Strathairn) erinnert an Atticus Finch in „Wer die Nachtigall stört“. Geduldig kämpft er gegen die Vorurteile, mit denen das „Marsh Girl“ im Gerichtssaal konfrontiert ist. Im Kriminalfall wird mitunter alles ein wenig zu klar präsentiert, ohne viele Überraschungen. Dennoch geht der Film mit seinem sparsamen Voice-over der Hauptfigur schön methodisch vor und setzt mit einem Epilog noch einen starken Schlusspunkt.

🎬 Trailer | „Der Gesang der Flusskrebse“

Hauptdarstellerin Daisy Edgar-Jones trägt die nicht immer kitschfreien Szenen in ihrem Hollywood-Einstieg mit erstaunlicher Glaubwürdigkeit und dunkler Energie. Kamerafrau Polly Morgen fängt die schwüle Landschaft bildgewaltig ein und für den Soundtrack steuerte Taylor Swift einen Song bei.

Das Thema weiblicher Selbstermächtigung im Kontext männlicher Gewalt und Misogynie macht diese Americana-Story aus den 50er- und 60er-Jahren aktuell und stellt spannende moralische Fragen jenseits der politischen Dimension. Der von Reese Witherspoon produzierte und durch Drehbuchautorin Lucy Alibar geradlinig adaptierte Film basiert auf dem gleichnamigen Bestsellers der Zoologin Delia Owens aus dem Jahr 2018. Darin stecken autobiografische Motive bis hin zu Vermutungen, dass sie darin ihre mutmaßliche Verwicklung in einen Mordfall in Zambia verarbeitet.

Regisseurin Olivia Newman geht in ihrem zweiten Film „Der Gesang der Flusskrebse – Where the Crawdads Sing“ keine neuen Wege, inszeniert aber Momente und Details immer wieder stark und dynamisch. Ihre 126-minütige Mischung aus visuell sonnigem Südstaaten-Melodram und dem inhaltlich düsteren Sumpf-Film-Noir der Mordgeschichte funktioniert aber erstaunlich gut. Die Natur ist darin zugleich gefährlich und Schutz vor gefährlichen Menschen.

Kino

Der Gesang der Flusskrebse – Where the Crawdads Sing. Ab 12 Jahren. Ab heute in den Kinos.


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