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Drama mit fünf Toten: Unwetter trafen Teile Österreichs mit voller Wucht

Eine heftige Gewitterfront mit Böen bis zu 170 km/h zog am Donnerstag eine Spur der Verwüstung durch Teile Kärntens, Niederösterreichs und der Steiermark. Zwei Kinder und drei Wanderinnen kamen durch umgestürzte Bäume ums Leben. Es gab zahlreiche Unfälle und Feuerwehreinsätze. Am Tag danach dauern die Aufräumarbeiten an, viele Haushalte sind weiter ohne Strom. Auch der Zugverkehr ist noch beeinträchtigt. Ein Gutachter hat seine Arbeit aufgenommen.

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Bei einem schweren Unwetter am St. Andräer See im Lavanttal sind am Donnerstagnachmittag zwei Kinder von umstürzenden Bäumen erschlagen worden.
© ERWIN SCHERIAU

Klagenfurt, Graz – Das Unwetter kam wie eine dunkle Wand daher. „Es hat uns alle völlig unerwartet erwischt. Es gab keine Warnung, nichts", sagt ein Einheimischer, der die Tragödie im Kärntner Bezirk Wolfsberg miterlebte. In der Freizeitanlage St. Andrä hat ein kurzes, aber enorm heftiges Gewitter mit Sturmböen am Donnerstag gegen 15.30 Uhr mehrere Bäume entwurzelt.

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Eine Spur der Verwüstung

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Bei dem  Unwetter am St. Andrä im Lavanttal sind zwei Kinder von umstürzenden Bäumen erschlagen worden.

Bei dem Unwetter am St. Andrä im Lavanttal sind zwei Kinder von umstürzenden Bäumen erschlagen worden.

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Die Folgen sind fatal: Zwei einheimische Mädchen im Alter von drei und acht Jahren kamen dabei ums Leben. Durch umstürzende Bäume, abgebrochene Äste und umherfliegende Gegenstände wurden insgesamt 16 Personen, darunter sieben Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren, zum Teil schwer verletzt. Laut Polizei befanden zu diesem Zeitpunkt rund 300 Badegäste am Gelände. Vielleicht zehn Minuten hatte das Unwetter gedauert, und nur wenige Sekunden jene Böe, die Bäume umwarf.

📽️​ Video | Christa Kummer aus der ORF-Wetterredaktion erklärt, wie das Wetter so schnell umschlagen konnte:

Wie es von der Wasserrettung hieß, habe man ein solches Elementarereignis in der Gegend noch nie erlebt: Rettungsschwimmer, die Badegäste vor dem urplötzlich aufziehenden Sturm warnen wollten, wurden regelrecht umgeweht, 50 Zentimeter hohe Wellen wurden verzeichnet. Und Bäume stürzten auf die Badbesucher. Zwei Personen, die unter Bäumen eingeklemmt waren, konnten gerettet werden. Eine prophylaktische Suchaktion im See – am Ufer war Kleidung gefunden worden, die zuerst niemandem zugeordnet werden konnte – wurde ohne Ergebnis beendet.

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Unwetter in Österreich

Nach heftigen Unwettern: Laut ZAMG „binnen Minuten 100 km/h Windspitzen"

Auch in Niederösterreich kostete das plötzliche Unwetter Menschenleben. Drei Wanderinnen starben in Gaming durch einen umgestürzten Baum. Hagelschauer und extreme Windspitzen hatten mehrere Buchen und Fichten umgerissen. Bei der Wetterstation Lackenhof waren etwa Böen mit bis zu 170 km/h gemessen worden.

📽️​ Video | Fünf Tote durch umgestürzte Bäume in Kärnten und NÖ

Auch weite Teile der Steiermark wurden am Donnerstag von einem schweren Gewitter mit Starkregen und Sturm heimgesucht. Dort zogen Böen mit bis zu über 139 km/h eine Spur der Verwüstung durch die Regionen. Mehr als 3000 Feuerwehrleute standen im Einsatz, die Aufräumarbeiten dauern an.

Extremwetter

Zwar lassen sich einzelne Extremereignisse nicht direkt auf eine bestimmte Ursache zurückführen, klar ist laut Weltklimarat aber: Durch die Klimakrise werden Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Stürme und Hitze häufiger und intensiver. Das heißt: Niederschläge und Stürme werden stärker, Hitzewellen heißer und Dürren trockener.

Auch die Energieversorger wurden von den Unwetter überrascht. Zehntausende Haushalte waren bzw. sind ohne Strom, sowohl in Kärnten als auch in der Steiermark. „Wir haben eine wirklich angespannte Situation, weil sie sich nicht angekündigt hat. Es gab keine Wahrung über die Landeswarnzentrale“, sagte Urs Harnik-Lauris, Sprecher der Energie Steiermark. Laut ZAMG habe sich die Unwetterfront aus Italien weiter als erwartet in den Osten bewegt. Es war kurz aber heftig, so die Meteorologen.

In den vergangenen zehn Jahren habe es keine solche Schäden gegeben – vor allem nicht in so einem großen Raum. Das Ausmaß sei durchaus mit Sturmtief „Paula“ 2008 zu vergleichen, so Harnik-Lauris. Der Zugverkehr bleibt weiter eingeschränkt.

Gutachter-Arbeit hat begonnen

Das Gelände des Badesees in St. Andrä im Lavanttal wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Klagenfurt gesperrt. Ein Sachverständiger hat die Arbeit aufgenommen. Wie Tina Frimmel-Hesse, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, sagte, werden die Bäume untersucht. „Konkret wird untersucht, ob die Bäume sachgemäß geschnitten und betreut wurden. Die Untersuchungen drehen sich um die Frage, ob die Unwetterschäden verhindert werden hätten können", so Frimmel-Hesse. Bis das schriftliche Gutachten vorliegt, wird es wohl einige Wochen dauern. Laut Polizei werden am Freitag Zeugen und Opfer befragt.

📽️​ Video | Animation der Gewitterlinie

Als Folge des heftigen Unwetters wurde Großalarm ausgelöst, insgesamt waren 250 Helferinnen und Helfer im Einsatz, teilte die Polizei in einer Aussendung mit: Rettungssanitäter aus mehreren Bezirken ebenso, wie fünf Feuerwehren, Wasserretter, das Kriseninterventionsteam, Polizeibeamte, Behördenmitarbeiter und drei Hubschrauber.

Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) kündigte an, die Tragödie von St. Andrä im Rahmen eines monatlich stattfindenden Sicherheitsgipfels zu thematisieren. Unwetterphänomene hätten zuletzt Zeit deutlich zugenommen: „Diesen auch durch den Menschen verursachten Veränderungen gilt es zu begegnen." Die Erkenntnisse aus den vergangenen Einsätzen sollen aufgearbeitet werden und etwa in Zivilschutzmaßnahmen einfließen. Am Donnerstag sei „das Schlimmste passiert, was passieren kann – zwei Kinder sind gestorben. Mein tiefstes Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen", so Kaiser im Landespressedienst.

📽️​ Video | Analyse: Zwei Tote durch Unwetter in Kärnten

Thematisiert wurden auch die Maßnahmen, die durch die Ersthelfer am St. Andräer Badesee gesetzt wurden: Laut Wasserrettung war eine Evakuierung, wie sie standardmäßig bei aufziehenden Gewittern erfolgt, nicht mehr möglich. „Ich versehe seit 16 Jahren Dienst an diesem Badesee. Die Gewitterzelle hat sich in Sekunden aufgebaut und ist über den See hereingebrochen", erklärte Christian Hafner von der Wasserrettung. Er bedankte sich außerdem bei den Badegästen, die sich sofort an den Ersthilfemaßnahmen beteiligt hatten. Bezirkshauptmann Georg Fejan berichtete, dass die Freizeitanlage während der laufenden Ermittlungen weiterhin geschlossen bleibt.

Drei Wanderinnen in NÖ durch umgestürzten Baum getötet

In Niederösterreich wurde nach dem Tod der drei Wanderinnen festgestellt, dass die Bäume, die auch dort ein Unwetter umgeworfen hatte, zumindest augenscheinlich keine Vorschäden hatten. Das Unglück ereignete sich nach Polizeiangaben im Bereich der Zellerrain Straße.

Die Opfer waren nach Polizeiangaben 52, 57 und 58 Jahre alt. Sie stammten aus den Bezirken Melk in Niederösterreich und Kirchdorf in Oberösterreich. Zwei weitere Frauen blieben unverletzt.

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Tirol/Vorarlberg

Tannheimer Straße nach Mure wieder frei, Wetter-Besserung in Sicht

Nach Angaben der Landespolizeidirektion Niederösterreich war die fünfköpfige Gruppe auf dem NÖ Landesrundwanderweg „Alpinweg" im Abstieg von der Herrenalm in Richtung Parkplatz Taglsbach in der Gemeinde Gaming gegen 17 Uhr von dem heftigen Unwetter samt Hagelschauer und extremen Windspitzen überrascht worden. In der Folge stürzten zahlreiche Buchen und Fichten um, einer der Bäume traf die beiden Niederösterreicherinnen und die 57-jährige Oberösterreicherin.

Die unverletzt gebliebenen Wanderinnen wollten der Polizei zufolge einen Notruf absetzen, was jedoch nicht möglich war, weil kein Mobiltelefonnetz vorhanden war. Die Frauen liefen deshalb zum Parkplatz Taglsbach, wo sie auf einen Unbeteiligten trafen und darum baten, einen Notruf abzusetzen. Das geschah um 17.45 Uhr.

Mit dem Roten Kreuz wurden auch die Bergrettung, „Christophorus 15", die Feuerwehr und die Polizei alarmiert. Der Notarzt des Hubschraubers konnte nur mehr den Tod der drei Frauen feststellen. Die Opfer wurden von der Bergrettung bis zu einer Forststraße gebracht.

Die Alpinpolizei begann noch am Donnerstagabend mit Ersterhebungen. Dabei wurde festgestellt, dass die umgestürzten Bäume augenscheinlich keine Vorschäden aufgewiesen hatten und offensichtlich durch den Sturm umgestürzt waren. Aufgrund der anhaltenden Gefährdung wurden der „Alpinweg" und die Forststraße/Wanderweg von Seehof in Richtung Mittersee, Obersee, Herrenalm von der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs behördlich bis kommenden Montag gesperrt.

📽️​ Video | Berichte zu den Unwettern

Noch Tausende Haushalte ohne Strom

Laut der Kärntner Landesalarm- und Warnzentrale waren am Donnerstag 158 Feuerwehren mit 1400 Feuerwehrleuten im Dienst, 590 Einsätze wurden bewältigt. Am Freitag waren noch 20 Feuerwehren mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Es ging vor allem darum, Häuser von Bäumen zu befreien, um Dächer vor dem nächsten Regen wieder provisorisch abzudichten.

Rund 5000 Haushalten waren noch ohne Strom. Bis zu 20.000 Haushalte in Unterkärnten waren am Donnerstag zeitweise ohne Strom. Diese Zahl wurde sukzessive gesenkt, sagte Robert Schmaranz von der Kärnten Netz GmbH am Freitag auf APA-Anfrage: „Aktueller Stand ist, dass noch 5.000 Haushalte, vor allem in den Bezirken St. Veit an der Glan und Wolfsberg, ohne Strom sind." 140 Monteure stehen im Großeinsatz, haben allerdings mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen um überhaupt zu den Schadstellen zu kommen.

„Gerade im Görtschitztal (Bezirk St. Veit, Anm.) gibt es schwere Schäden. Da sind Wege gesperrt und müssen erst geräumt werden, man muss sich förmlich den Weg freischneiden", so Schmaranz. Bis wann die Stromversorgung wieder flächendeckend hergestellt ist, könne man nicht sagen, die Situation ändere sich von Stunde zu Stunde.

In Fisching nahe Zeltweg wurde ein Strommasten einer 220-kV-Leitung, welche die Umspannwerke Obersielach und Hessenberg verbinden, beschädigt.
© UNBEKANNT

In der Steiermark waren Freitagfrüh immer noch rund 6500 Haushalte ohne Strom, bei Einbruch der Nacht waren es noch 40.000 gewesen. „Da ging einiges weiter", sagte Urs Harnik-Lauris, Sprecher der Energie Steiermark. Die Schwerpunkte der noch betroffenen Gebiete liege nun in der Weststeiermark und im Murtal. Gut 280 Trafostationen waren am Morgen noch außer Betrieb. Die weiteren Reparaturarbeiten am Freitag werden vom Regen erschwert.

Der Sturm riss auch Strommäste nieder, wie hier in Weiflkirchen in der Steiermark.
© MARKUS ANGERER

Zehntausende Haushalte in der Steiermark ohne Strom

Zwischenzeitlich waren um die 65.000 steirische Haushalte ohne Strom. Am Abend war rund ein Viertel aller steirischen Trafostationen außer Betrieb, hieß es seitens der Energie Steiermark Netze. Laut Urs Harnik-Lauris, Sprecher der Energie Steiermark, wurden alle Kräfte in den Einsatz gerufen und sogar Monteure aus dem Urlaub in den Dienst geholt.

Neben Niedrigspannungsleitungen war auch eine Hochspannungsleitung betroffen: In Fisching nahe Zeltweg wurde ein Strommast einer 220-kV-Leitung, welche die Umspannwerke Obersielach und Hessenberg verbindet, beschädigt. „Das Ausmaß der Schäden ist enorm“, so Harnik-Lauris im APA-Gespräch. „Wir haben eine wirklich angespannte Situation in der Steiermark, weil sie sich nicht angekündigt hat. Es gab keine Wahrung über die Landeswarnzentrale.“ Laut ZAMG habe sich die Unwetterfront aus Italien weiter als erwartet in den Osten bewegt. Es war kurz aber heftig, so die Meteorologen.

In den vergangenen zehn Jahren habe es keine solche Schäden gegeben – vor allem nicht in so einem großen Raum. Das Ausmaß sei durchaus mit Sturmtief „Paula“ 2008 zu vergleichen

Bis Montag Bahn-Behinderungen auf der Südbahn

Die Behinderungen im Bahnnetz werden sich auf der Südbahn laut ÖBB bis Montag ziehen. In der Nacht wurden nach den heftigen Unwettern Aufräum- und Reparaturarbeiten durchgeführt, zahlreiche Streckensperren konnten bereits behoben werden. Doch zwischen Leoben und Friesach bzw. St. Michael bis Wald am Schoberpass fährt derzeit kein Zug, Fernzüge von Wien nach Italien werden über Salzburg umgeleitet, Fernzüge von Wien nach Villach bzw. von Graz bis Selzthal entfallen am Freitag.

Für Fahrgäste von Graz nach Selzthal steht der Nahverkehr zur Verfügung. Schienenersatzverkehr wurde zwischen Leoben und Friesach und zwischen St. Michael und Wald am Schoberpass eingerichtet. Ab voraussichtlich Betriebsbeginn am Samstag sind diese Strecken wieder eingleisig befahrbar (zweigleisig voraussichtlich ab Montag mit Betriebsbeginn). Auch im Güterverkehr kommt es derzeit zu Behinderungen und möglicherweise längeren Transportzeiten, so die ÖBB in einer Aussendung.

„Wir raten dazu, wenn möglich, Fahrten nach und von Kärnten auf morgen zu verschieben. Die Tickets behalten ihre Gültigkeit", sagte ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder am Freitag. Fahrgäste können auch auf die Westbahn ausweichen und über Salzburg von Kärnten nach Wien und umgekehrt fahren. „Auf dieser Strecke wird es zusätzliche Kapazitäten geben", kündigte Rieder an. Details sind noch in Ausarbeitung.

Fahrgäste bekommen auch bei höherer Gewalt Entschädigung

An Bahnhöfen gab es am Donnerstag chaotische Zustände, nachdem der Zugverkehr gestoppt wurde. „Alle Züge konnten in Stationen halten, keiner blieb auf offener Strecke", sagte Rieder. Es wurde versucht, die Passagiere mit Bussen weiter zu transportieren, teilweise mit stundenlangen Wartezeiten. Zahlreiche Fahrgäste mussten an Ort und Stelle übernachten. Sie bekommen die Übernachtung und Ausgaben ersetzt.

Das sieht die EU-weit einheitliche Fahrgastrechte-Verordnung vor. Zudem bestätigte der Europäische Gerichtshof 2013 mit einem Urteil, dass Bahnreisende auch bei Verspätung aufgrund höherer Gewalt - wie etwa Schneefall oder Unwetter - Anspruch auf Fahrpreisentschädigung haben.

Heftige Unwetter hatten am Donnerstagnachmittag die Stromversorgung und Bahninfrastruktur im Süden Österreichs schwer beschädigt. Die ÖBB stellten am Nachmittag den gesamten Bahnverkehr in Kärnten, Osttirol und der Steiermark ein. Ursache war ein großflächiger Ausfall der 110 kV-Bahnstromversorgung für den Bereich Kärnten und Steiermark, hieß es.

© UWZ

Windspitzen deutlich über 100 km/h

Die schwere Gewitterfront, die am Donnerstag von Westen her über Österreich gezogen ist und im Kärntner Lavanttal zwei Kinder das Leben kostete, hat enorme Windspitzen mit sich gebracht. Aus dem schwerstbetroffenen St. Andrä im Lavanttal, wo der Sturm Bäume auf einem Freizeitareal am See entwurzelte, wurden laut ZAMG 103 km/h gemeldet. Punktuell dürften aber wohl noch höhere Werte zu verzeichnen gewesen sein, meinte ein Meteorologe.

Die Unwetter zogen von Kärnten weiter Richtung Steiermark, wo etwa bei Neumarkt Sturmspitzen von 139 Stundenkilometern registriert wurden, in Köflach beispielsweise waren es 113 km/h. Bei der Wetterstation Lackenhof in Niederösterreich waren gar Böen mit bis zu 170 km/h gemessen worden.

Zur Warnung vor solchen Unwettern grundsätzlich verwies der Experte auf die große Eigendynamik der Wetterereignisse mit „enormen Beschleunigungen". Dadurch und weil die bestehenden Prognosemodelle die Ausgangslage noch nicht exakt einschätzen könnten, könne es im Extremfall zu größeren Abweichungen kommen. Gewitterwarnungen hätten generell zwar für heute bestanden. „Die Gewitter sind aber ausgeschert", meinte der Meteorologe.

Dutzende Menschen per Hubschrauber gerettet

Aus den meisten steirischen Bezirken wurden teils schwere Schäden auf Straßen, Gebäude und Fahrzeuge gestürzte Bäume gemeldet. Zahlreiche Hausdächer wurden abgedeckt. Im Grazer Bezirk Gösting durchschlug ein Baum die Windschutzscheibe eines fahrenden Pkw. Die drei Insassen blieben dabei unverletzt. Gleiches gilt für die Insassen eines Linienbusses in der St. Peter-Hauptstraße, auf den Teile eines Daches gestürzt waren. Ein Fahrgast erlitt allerdings einen Schock und wurde vom Roten Kreuz behandelt.

Sturmböen deckten zahlreiche Hausdächer ab, wie hier im steirischen Neudorf.
© APA

Am Ingeringsee wurden 25 eingeschlossene Menschen, darunter fünf Kleinkinder, von Hubschraubern aus der Notlage befreit. Im Bereich Reicherhube befanden sich weitere 34 eingeschlossene Personen. Der Weg zu diesem Bereich konnte durch die Feuerwehr Bischoffeld freigelegt werden. Alle 63 Personen, die von den Evakuierungen betroffen waren, blieben unverletzt.

Bergrettung brachte zehn vom Unwetter überraschte Wanderer in Sicherheit

Wie die steirische Bergrettung noch in der Nacht auf Freitag mitteilte, wurden am Nachmittag wegen des plötzlich aufgezogenen Unwetters mehrere Wanderer von steirischen Bergen gerettet: Am Gipfel des Kreiskogels mit 2306 Meter Seehöhe in den Seetaler Alpen wurden sieben Personen, darunter zwei Kinder, von dem Unwetter überrascht.

Ähnlich erging es drei Alpinisten in den Rottenmanner Tauern. Sie waren gegen 16.30 Uhr im Bereich des Dreisteckengrats in unwegsames Gelände geraten. Sie waren erschöpft, unterkühlt und eine Wanderin verletzt. Sie setzten daraufhin einen Notruf ab. Die Bergrettung Hohentauern und die Bergrettung Trieben übernahmen den Einsatz. Eine Rettung per Hubschrauber war wegen der Sturmböen unmöglich, daher stiegen 24 Bergretterinnen und Bergretter mit ihren Hunden sowie ein Alpinpolizist mehr als drei Stunden zu den drei Alpinisten zu Fuß auf. Die Wanderer wurden medizinisch versorgt und ins Tal gebracht. „Wir mussten die Personen mit Seil gesichert in sehr steilem, nassen und rutschigen Gelände bei widrigsten Wetterbedingungen ins Tal begleiten. Dazu kam dann noch die Dunkelheit, starker Wind, Nebel und Regen", schilderte Christoph Kandler, Einsatzleiter der Bergrettung Hohentauern.

Knapp 400 steirische Feuerwehren waren im Einsatz

Die Landesleitzentrale „Florian Steiermark" verzeichnete in den vergangenen 24 Stunden mehr als 1000 Einsätze – Graz ausgenommen. Knapp 400 Feuerwehren waren im Unwettereinsatz. Die Hotspots waren die Bereiche Bruck an der Mur, Graz-Umgebung, Leoben, Voitsberg, Knittelfeld, Mürzzuschlag, Deutschlandsberg und Judenburg. In Bruck waren auch Freitagfrüh noch einige Straßenzüge gesperrt, das Freibad bleibe vorerst geschlossen, hieß es in einer Aussendung. Zahlreiche Bäume und Äste waren in die Becken gestürzt. Die durch den Sturm beschädigte Turmspitze am Brucker Schlossberg wurde mittels Hubschraubereinsatz bereits wieder gerade gerichtet. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die abgesperrten Bereiche nicht zu betreten, vor allem sollten sie die Parks umgehen.

Die heftigen Sturmböen, die plötzlich auch über den Großraum Graz fegten und Bäume knickten sowie Baugerüste umwarfen, ließen in der St.Peter-Hauptstraße sogar Teile eines Dachs auf einen Linienbus krachen.

Auch in Glanegg im Kärtner Bezirk Feldkirchen stürzten wegen des Sturms etliche Bäume auf die Straßen. Ein Baum traf das fahrende Auto einer 25 Jahre alten Frau und beschädigte das Fahrzeug. Auch das Auto eines 18 Jahre alten Lenkers wurde beschädigt. Die Millstätter Straße musste vorübergehend gesperrt werden, weil links und rechts beschädigte Strommasten in die Fahrbahn ragten.

Umgestürzte Bäume blockierten zahlreiche Straßen
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Am Klopeiner See rutschte ein 56 Jahre alter Bademeister eines Hotels während des Unwetters beim Anlegen eines Tretbootes aus. Er streifte am Steg und stürzte in den See. Dabei wurde der Mann schwer verletzt. Er wurde von der Rettung ins UKH Klagenfurt gebracht.

Autobahn wegen umgestürzter Bäume gesperrt

Auf der A2 zwischen St. Andrä und Wolfsberg stürzten etwa 30 Bäume auf die Fahrbahn. Wegen umgestürzter Bäume gesperrt war auch die Auf- und Abfahrt Bad St. Leonhard nördlich von Wolfsberg, teilten Polizei und ASFINAG mit. Die Klagenfurter Schnellstraße bei St. Veit war ebenfalls in beiden Richtungen gesperrt, nachdem ein Baum auf die Straße gestürzt war. Auch in St. Veit wurden mehrere Autos durch umgestürzte Bäume beschädigt und Straßen blockiert.

Die A2 wurde wegen entwurzelter Bäume auf den Fahrbahnen gesperrt
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Van der Bellen und Nehammer drückten Betroffenheit aus

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat auf seinen Social Media-Seiten sein Mitgefühl mit den Betroffenen der schweren Unwetter in Österreich zum Ausdruck gebracht: „Teile Kärntens und der Steiermark sind von schweren Unwettern getroffen und mehrere Menschen dabei schwer verletzt worden.

Eine unermessliche Tragödie ist, dass bei den Unwettern zwei Kinder gestorben sind. Das macht mich zutiefst betroffen. Meine Gedanken sind bei ihren Familien", schrieb der Präsident. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) sprach von einem fürchterlichen Schicksalsschlag für die Familien.

„Allen Rettungskräften, die mit Professionalität und Mut in diesen Tagen zur Stelle sind, danke ich für ihren Einsatz. Allen Menschen, die in Situationen wie diesen füreinander da sind, danke ich für ihre Solidarität", so Van der Bellen.

Frequency unterbrochen, Sturm traf auch MotoGP-Gelände

Nach tropischen Temperaturen bis zum frühen Nachmittag – Veranstalter Harry Jenner hatte von „bestem Wetter" gesprochen – wurde indes auch das Frequency-Festival in St. Pölten an seinem Eröffnungstag schließlich wegen eines Unwetters unterbrochen. Unter noch immer dunklem Himmel ging es später aber weiter.

Das Unwetter hat auch die MotoGP in Spielberg getroffen. Zahlreiche Zelte dürften durch die Sturmböen zerstört oder gar weggeweht worden sein. Der Tourismusverband Murtal hat eine Hotline für Camper, die nun kein Quartier haben, eingerichtet: 03577/26600. (TT.com, APA)

Das FM4-Frequency-Festivalgelände musste geräumt werden.
© FLORIAN WIESER

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