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Schöne Menschen, Gewalt, Sex: „House of the Dragon“ setzt auf Bewährtes

Die erste Folge des „Game of Thrones“-Spin-Offs wurde bei einem Fan-Screening in ausgewählten Kinos gezeigt. Ab 22. August ist die Serie auf Sky abrufbar.

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Ab Montag ist die Serie auf Sky zu sehen.
© CHRIS DELMAS

London – Drachen, schöne Menschen mit langen, silbernen Haaren, viel Gewalt, Blut und Sex: Mit "House of the Dragon" erscheint am 22. August das Spin-Off zum Fantasy-Hit "Game of Thrones" bei Sky. Wer auf den Thron folgt, fragt sich in dem auf George R. R. Martins Roman "Fire & Blood" basierenden Prequel diesmal das Herrscherhaus Targaryen. Wirklich neu ist hier wenig. Die erste Folge, die bei einem Fan-Screening in ausgewählten Kinos gezeigt wurde, macht aber Lust auf mehr.

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Im anhaltenden Spin-Off-Boom – auch die Welt des Fantasy-Epos "Herr der Ringe" bekommt beim Streamingdienst Amazon Prime Video im September Zuwachs – dauerte es erwartungsgemäß nicht lange, bis das weltweit erfolgreiche "Game of Thrones" einen Ableger bekam. "Das ist 'Game of Thrones'. Es ist kein Spin-Off", betonte hingegen der britische Schauspieler Paddy Considine (König Viserys I. Targaryen) auf dem Roten Teppich in London, von dem vor dem Screening per Livestream berichtet wurde.

Achtung, Spoiler!

Der neue Stoff bleibt jedenfalls eng mit dem alten verwoben. "172 Jahre vor Daenerys" ist gleich zu Beginn zu lesen. Und auch andernorts werden Verweise und Kontinuitäten zum in der Zukunft spielenden "Game of Thrones" etabliert. So verrät König Viserys seiner jüngst an die Spitze der Erbfolge gekletterten Tochter Rhaenyra (als Teenager: Milly Alcock, als Erwachsene: Emma D'Arcy) von einer Prophezeiung, die den Winter, der die Welt der Original-Serie heimsuchte, bereits vorhersagte.

Thronfolgerin zu werden, das steht für die junge Rhaenyra am Beginn ihrer Geschichte noch völlig außer Frage, ist es in ihrer Gesellschaft doch üblich – wie ihre Mutter ihr beizubringen versucht -, dass die Frauen des Hofes ihrem Reich nicht auf dem Schlachtfeld oder auf dem Thron, sondern mit ihrem Uterus dienen. Die ruhige Rhaenyra selbst sitzt selbstverständlich lieber auf den Rücken der Drachen, die ihrer Familie Macht verleihen, während unter ihr die beeindruckenden Aufnahmen der Fantasywelt vorbeiziehen, die auch auf der großen Kinoleinwand nichts von ihrer Kraft einbüßen. Das ist auch den Kosten der Serie geschuldet: Knapp 20 Millionen Dollar veranschlagte eine Folge laut dem Branchenmagazin "Variety". Rund sechs Millionen Dollar waren es noch bei den Folgen der ersten Staffel von "Game of Thrones".

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🎬 Trailer | „House of the Dragon“

Dem König einen würdigen Erben zu schenken, ist der Königin aber nicht beschienen. Nach einer Tochter und zahlreichen Fehlgeburten liegt das freudig erwartete Baby – endlich ein Sohn – so im Bauch, dass die medizinischen Mittel der mittelalter-esken Welt für eine erfolgreiche Geburt nicht ausreichen. Der von Considine sonst als gütiger und etwas harmloser Herrscher dargestellte Viserys entscheidet, das Kind mit einem Messer aus seiner Königin zu holen.

In einem Blutbad auf weißem Laken sterben schließlich sowohl Mutter als auch Kind. Auch hier sind wichtige Charaktere vor einem frühzeitigen Ableben nicht gefeit, deutet die Szene an. Im Original hatte der Tod des Protagonisten Ned Stark in der ersten Staffel dem Publikum diese damals revolutionäre Idee eröffnet. Mit der Originalserie verbindet "House of the Dragon" ein großzügiger Umgang nicht nur mit Mord und Blut, sondern auch mit Nacktheit und Sex – so großzügig, dass der aus der Serie "Dr. Who" bekannte Schauspieler Matt Smith gegenüber dem Magazin "Rolling Stone" anmerkte, die Sex-Szenen seien "ein bisschen zu viel" gewesen.

Gleich in der ersten Folge lebt er seinen Frust im Freudenhaus aus. Smiths impulsiver Prinz Daemon Targaryen, der zunächst als Thronfolger gehandelt, seiner Ansicht nach aber nicht mit der verdienten Macht ausgestattet wird, wirkt in der ersten Folge noch etwas zahnlos. Statt ihm soll ob der mangelnden Alternativen also das Mädchen Rhaenyra zum Zug kommen, deren Rolle als gegen das Patriarchat aufbegehrende Frau in der "Game of Thrones"-Welt ebenfalls nichts Neues ist. Und scheinbar auch keine nachhaltigen Veränderungen bewirken kann, müssen sich Daenerys Targaryen, Sansa und Arya Stark sowie zahlreiche weitere weibliche Charaktere im Original doch wieder gegen Geschlechterstereotype durchsetzen.

Freilich ist der Spagat, der von einem Spin-Off erwartet wird, groß: gleichzeitig dem Ursprungsstoff treu zu bleiben und eine eigene Identität zu entwickeln. Tiefgründige Charaktere und eine Story, die auf den ersten Blick viel Potenzial bietet, machen jedenfalls Lust auf mehr. Ob sich die Serie von ihrem erfolgreichen Vorgänger abheben und neue Ideen beisteuern kann, wird sich erst zeigen. (APA)


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