Entgeltliche Einschaltung

„L’amazzone corsara“ feiert in Innsbruck Premiere: Fechten um Macht und Minne

Premiere von Carlo Pallavicinos „L’amazzone corsara“ bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik.

  • Artikel
  • Diskussion
Tut der eh nichts? Helena Schuback als Alvilda in „L’amazzone corsara“ in den Kammerspielen.
© Birgit Gufler

Von Jörn Florian Fuchs

Entgeltliche Einschaltung

Innsbruck – Wenn sich der Festspielsommer langsam verabschiedet, laden die Innsbrucker Festwochen traditionell nochmal zum Wiederentdecken einer barocken Rarität und lassen dafür die Gewinner des jeweils letztjährigen Cesti-Wettbewerbs antreten. Dieser Wettbewerb ist eine Talentschmiede geworden. Manch größere Karriere begann in Innsbruck, oder zumindest wurde das Cesti-Rittern zum Durchlauferhitzer für selbige.

Bei der aktuellen Ausgabe von Barockoper:Jung spielte das Barockorchester:Jung unter Luca Quintavalle und dies war ein großes Pfund der Aufführung. Was Quintavalle und seine Musiker an Farben und schönen rhythmischen Effekten, an klitzekleinen Rezitativ-Ideen und größeren, oft luftig gehaltenen Bögen kredenzen, ist zauberhaft!

Carlo Pallavicino lebte von 1630 bis 1688, seine „L’amazzone corsara“ verweist, wie der Dirigent im Programmheft erläutert, bereits auf die Oper des 18. Jahrhunderts. So gibt es zum Beispiel kurze Arien, aber mit spezifischem Charakter. Man hört diese Vielfältigkeit in der Gestaltung und ist außerdem bass erstaunt, mit welchem Tempo durch die Geschichte(n) geeilt wird. Rasch und doch sinnfällig geht es von Szene zu Szenchen.

Inhaltlich bietet diese Korsaren-Amazone alles, was es für ein barockes Spektakel braucht. Hätte der gerade verstorbene Filmregisseur Wolfgang Petersen eine Oper inszeniert, dann vielleicht diese. Der dänische König Alfo möchte Alvilda, nimmt sie gefangen, doch die ziert sich und hat eine eher heftige Job-Vorgeschichte, nämlich als Piratin. Bevor die beiden doch noch zusammenkommen (Alvilda wurde zweimal der Thron angeboten, beim zweiten Mal sagt sie Ja – eine Liebesheirat geht irgendwie anders), müssen noch die mit lebenslangem Klosterwohnsitz bedrohte Gilde und Alfos Bruder Olmiro sowie ein Dienerpaar glücklich werden.

Fechtszenen, ein magischer Brunnen, geheimnisvoll wispernde Vögel, ein mythisch-mystischer Adler: Das schreit nach Pomp, Effekten und großem Zauber! Leider hält sich Regisseur Alberto Allegrezza arg zurück und hat sich als sein eigener Ausstatter lediglich ein paar verschiebbare Bühnenteile bauen lassen, die mal Grünzeug, mal eine Bibliothek, mal – immerhin – den zaubrischen Adler oder auch ein Türmchen zeigen. Dazu wird in überdrehten Kostümen (stammen auch von Signor Allegrezza) seltsam barockisierend stilisiert geschritten. Das wirkt über weite Strecken wie eine Karikatur und ist nur an wenigen Stellen wirklich heiter komisch.

Ebenfalls komisch, und zwar genau da, wo es passt, singt das durchwegs gute Ensemble. Helena Schuback gibt Alvilda mit schmetterndem Amazonen-Sopran, als Alfo erfreut Julian Rohde mit leichtgängigem Tenor. Toll Hannah De Priest (Cesti-Wettbewerb 2021) als oft sopransüße, aber manchmal auch scharfzüngelnde Gilde, ein bisschen zu rau timbriert dagegen Shira Patchornik (ebenfalls Cesti-Ritterin 2021) in der Hosenrolle des Olmiro. Wobei sie gutes Material hat und dieses auch gekonnt einsetzt, ein bisschen rau meint wirklich nur ein bisschen.

Geboten wird zudem ein würdevoller Bass (Rocco Lia als Ermando, Olmiros Hofmeister), ein weiterer, feiner Sopran (Marie Theoleyre in einer Doppelrolle) sowie ein exzellenter Countertenor (Rémy Brès-Feuillet als Leibdiener).

Dass die Regie das eigenartige und wirre Frauenbild des damaligen Starlibrettisten Giulio Cesare Corradi nicht kommentiert, geschenkt. Aber ein in Musik wie Handlung wirklich auf Spektakel angelegtes Stück so zu verschenken, das ist schon schade.


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung