„Pussy Riot“ im Treibhaus: Unterwegs im Rettungswagen, um der Ukraine zu helfen
Die russischen Aktivistinnen „Pussy Riot“ machten im Treibhaus Station.
Von Markus Schramek
Innsbruck – Das Treibhaus ist voll, obwohl der Auftritt von Pussy Riot vorgestern Freitag erst deutlich nach 22 Uhr beginnt. Die Künstlerinnen sind verspätet mit ihrem kleinen Tourbus, einem ausrangierten Rettungsfahrzeug, in Innsbruck eingetroffen, zum zweiten Gastspiel in Tirol. Im Mai performte die Band schon in St. Johann.
Seit Monaten tingeln die russischen Aktivistinnen durch halb Europa, um bei ihren Auftritten Geld zu sammeln für Hilfsprojekte in der Ukraine. Aktuell ist es ein Kinderkrankenhaus in Kiew.
Zu hämmernden Techno-Beats, unterstützt von Filmaufnahmen, erzählt Frontfrau Marija Aljochina kapitelweise von den Anfängen des Protests gegen Putins Regime. Das war 2012 mit dem online berühmt gewordenen „Punk-Gebet“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Die Aktivistinnen nahmen damals, mit Sturmhauben getarnt, in einer aufsehenerregenden Aktion die unheilvolle Allianz aus Kirche und Staat aufs Korn und baten die Jungfrau Maria darum, Putin zu verjagen.
Zehn Jahre später hat Putin sein Land in einen gnadenlosen Krieg mit der Ukraine getrieben. Pussy Riot ließen sich durch wiederholte Haftstrafen und Aufenthalte in Straflagern nicht mundtot machen. Im April gelang Aljochina unter glücklichen Umständen, verkleidet als Essensbotin, die Flucht aus dem Moskauer Hausarrest in den Westen. „Man braucht die Hilfe guter Freunde und etwas Glück“, meint sie dazu bloß achselzuckend gegenüber der TT. Eine Fußfessel trägt Aljochina heute immer noch: „Ich glaube aber nicht, dass sie noch funktioniert.“
Der Auftritt im Treibhaus – mit deutsch übertitelten Szenen von der Verhaftung, vom Gerichtsprozess, vom Leben im Straflager, vom Hungerstreik – geht indessen lautstark mit gesteigertem Tempo und wütenden Ansagen weiter. Die versammelte Fan-Gemeinde wird nun, in Anspielung auf den Eklat in der Moskauer Kathedrale, mit reichlich über die Köpfe verabreichtem Mineralwasser „getauft“.
Zum Finale rufen Marija Aljochina und Olga Borisova zur Unterstützung der Ukraine auf: „Jeder kann dazu auf seine Weise einen Beitrag leisten.“
Mit dem „Anti-War-Song“ endet der späte Abend unter viel Beifall für den Mut und das Engagement von Pussy Riot.
(Ein Interview mit „Pussy Riot“ lesen Sie am Montag in der TT)
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