„Pussy Riot“-Gründerin Aljochina im Gespräch: „Ukraine muss Krieg gewinnen“
Marija Aljochina von „Pussy Riot“ ist unter spektakulären Umständen aus Moskau geflüchtet. Ein Gespräch über Putins Schreckensherrschaft, polizeiliche Willkür und eine Fußfessel als Symbol der Überwachung.
Frau Aljochina, wissen Sie, wie viel Zeit Sie seit den Anfängen von „Pussy Riot“ vor zehn Jahren in russischen Gefängnissen verbringen mussten?
Marija Aljochina: Wie viel Zeit im Gefängnis es genau war, werde ich für mein zweites Buch nachrechnen. Deutlich über drei Jahre jedenfalls. Dazu noch die Hausarreste. Allein letztes Jahr wurde ich sechsmal verhaftet und verbrachte sechs Monate in verschiedenen Haftanstalten. Aber ich bin ein kleines Rädchen, bei Weitem nicht die Einzige. Es gibt Tausende politische Gefangene in Russland, die man hier im Westen weniger kennt, denen es aber genauso geht. Ein Bekannter von mir wurde verhaftet, weil er einer humanitären Organisation in der Ukraine einen Betrag spendete. Es wurde behauptet, er würde Terroristen finanzieren.
Zur Person
Marija „Masha“ Aljochina, 34, ist Gründungsmitglied der regimekritischen russischen Aktivistinnengruppe „Pussy Riot“. Diese wurde 2012 mit einer Aktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale weltweit bekannt. Die Verfilzung von Kirche und Staat wurde in einem „Punk-Gebet“ angeprangert und die Jungfrau Maria angerufen. Diese möge Putin verjagen. Die Aktivistinnen wurden verhaftet und zu Gefängnis und Straflager verurteilt.
Aljochina glückte im April 2022, nach vielen weiteren Festnahmen, die Flucht aus ihrem Moskauer Hausarrest, verkleidet als Essenslieferantin.
Dieses Interview entstand am Rande des Auftritts von „Pussy Riot“ kürzlich im Innsbrucker Treibhaus.
Putins Regime duldet keinen Widerspruch.