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State of the Art in der Augenheilkunde

Eine Untersuchung mit dem Angio-OCT verläuft rasch und belastungsfrei für die PatientInnen.
© Privatklinik Hochrum

Jüngste Entwicklungen in der Augenheilkunde im Interview mit dem Tiroler Augenchirurgen Prof. Gerhard Kieselbach.

Die Medizin entwickelt sich stetig weiter und erzielt immer wieder kleinere und größere Durchbrüche. Dank genauerer Diagnoseverfahren und neuerer Behandlungsmethoden sind auch in der Augenheilkunde bedeutende Fortschritte zu verzeichnen. Zu diesem Thema sprechen wir mit Ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Kieselbach, Augenchirurg in Hochrum.

Die häufigste Augenoperation ist die des grauen Stars (Katarakt), sehr bekannt ist auch die Behandlung und Operation des grünen Stars (Glaukom). Welche neueren Behandlungs- und Operationsmöglichkeiten gibt es in diesem Bereich?

Kieselbach: In den letzten Jahren ist besonders die Entwicklung der OP-Mikroskope mit Einbindung der Untersuchungsdaten in das Arbeitsfeld hervorzuheben, mit dem die Implantation von torischen Intraokularlinsen, die bei Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Hornhautverkrümmung eingesetzt werden, perfektioniert werden konnte. Seit etwa einem halben Jahr haben wir die letzte Weiterentwicklung im Augen-OP Hochrum installiert und damit die Operation des grauen Stars bei hohem Astigmatismus (Stabsichtigkeit) nochmals verbessern können. Beim Glaukom gibt es neben den etablierten OP-Methoden zahlreiche neue Implantate, um den Augendruck operativ zu senken, sofern dies durch Augentropfen allein nicht funktioniert.

Größte Herausforderung der letzten Jahre

Viele vergessen, dass es ein weitaus größeres Spektrum an Behandlungen und Operationen im Bereich der Augenheilkunde gibt. Welche Krankheiten werden neben den zuvor erwähnten noch behandelt?

Kieselbach: Neben der Katarakt und dem Glaukom ist sicher die AMD, die altersbedingte Makuladegeneration (Erkrankung des Zentrums der Netzhaut, der Makula lutea), in ihren vielen verschiedenen Facetten die größte Herausforderung der letzten Jahre. Die Krankheit trifft leider jede fünfte 80-jährige Person in Österreich. Obwohl es daneben noch weitere Netzhauterkrankungen (Netzhautabhebung, diabetische Retinopathie, Makulaloch etc.) gibt, die wir in Hochrum operieren, ist die schiere Zahl an notwendigen Behandlungen der AMD eine wachsende Lawine!

Deswegen erweitern wir aktuell unser Augenzentrum in Hochrum um einen Behandlungsraum, um die IVOM (Injektion von Medikamenten in das Auge) noch einfacher und bequemer für unsere PatientInnen gestalten zu können.

Hinzu kommt, dass voraussichtlich noch in den nächsten Monaten eine Therapie für die trockene Makuladegeneration, die langsam voranschreitet, von der FDA (amerikanische Zulassungsbehörde) genehmigt wird. Da die überwiegende Anzahl der PatientInnen mit AMD diese Form hat, werden die bereits hohen Zahlen der Behandlungen massiv steigen. Weiters stehen uns fünf verschiedene Medikamente für die feuchte Makuladegeneration, die mit einer raschen Verschlechterung des Sehvermögens einhergeht, zur Verfügung.

Modernste Technik in der Privatklinik Hochrum

Die Medizintechnologie entwickelt sich auch in der Augenheilkunde immer weiter. Welche neuen Geräte kommen aktuell besonders zum Einsatz?

Augenchirurg Ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Kieselbach.
© Privatklinik Hochrum

Kieselbach: Wir haben heuer in Hochrum wieder den aktuell neuesten Angio-OCT (optischer Kohärenztomograph zur Darstellung von Netzhaut- und Aderhautgefäßen) installiert, mit dem in vielen Fällen eine Kontrastmitteluntersuchung vermieden werden kann. Wenn notwendig, kann trotzdem eines unserer zwei neuen Weitwinkelfundusgeräte oder Scanning-laserophthalmoskope als bildgebendes Verfahren zur Untersuchung der Netzhaut verwendet werden. Der Angio-OCT wird ebenfalls in einer etwa dreiminütigen Untersuchung für die Unterscheidung der Stadien der Makuladegeneration verwendet. Dieser ermöglicht in über 90 % aller Fälle eine eindeutige Diagnose und Indikationsstellung. Da es zahlreiche verschiedene Formen der AMD gibt und jede Untersuchung leider nur eine Momentaufnahme darstellt, ist eine regelmäßige Kontrolle unbedingt notwendig. Umso wichtiger ist demnach eine rasche, ohne für die PatientInnen mit viel Aufwand verbundene Untersuchung mit dem Angio-OCT.

PatientInnen sollen keine Bittsteller sein

Die Therapie der AMD ist für PatientInnen meist mit viel Aufwand verbunden, weil sie etwa lange Wege auf sich nehmen müssen. Inwiefern könnte dies geändert werden?

Kieselbach: Idealerweise sollte die regelmäßige IVOM in der Ordination der Augenärztinnen und -ärzte erfolgen; diese wird jedoch von den Kassen nicht bezahlt. Ich habe in den letzten 12 Jahren leider vergeblich und mit wirklich großem persönlichem Einsatz versucht, eine IVOM in der Ordination, wie in Deutschland oder Frankreich, zu ermöglichen. Denn auch in den Krankenhäusern zahlen es nicht die Kassen, sondern der jeweilige Erhalter, also Gemeinden oder das Land. Es ist eine unwürdige Situation, dass PatientInnen in einem noch immer sehr reichen Land wie Österreich zu Bittstellern degradiert werden.

Welche Faktoren steigern das Risiko an AMD zu erkranken und welche primären Präventionsmaßnahmen gibt es?

Kieselbach: Neben den bekannten Faktoren einer gewissen familiären Häufung ist sicher der Nikotinmissbrauch als erster Risikofaktor zu nennen. Aus zahlreichen Untersuchungen wissen wir, dass ein vernünftiger Lebenswandel mit viel Gemüse und regelmäßiger Bewegung als wichtigster Faktor für die Vermeidung degenerativer Erkrankungen, also nicht nur der AMD, gilt.