Tirol

Zeitnot und Wunschkataloge: Tirols Politik stellte sich Fragen der Kulturschaffenden

Am Podium zur kulturpolitischen Diskussionsrunde: Elisabeth Fleischanderl (SPÖ), Markus Sint (Liste Fritz), Zeliha Arslan (Grüne), Moderatorin Verena Konrad, Robert Koch (KPÖ), Franziska Schumi (NEOS), Evelyn Achhorner (FPÖ) und Cornelia Hagele (ÖVP). Nicht bei allen Parteien hat die Kultur es ins Wahlprogramm geschafft.
© Rita Falk

Vor der Wahl: Die „battlegroup for art“ lud die Politik zum Gespräch über kulturpolitische Fragen.

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Von den 4,5 Milliarden Euro Gesamtbudget des Landes Tirol fließen 2022 105 Millionen in die Kultur – keine drei Prozent des Steuerkuchens. Damit sei der Anteil, der für die heimische Szene alljährlich abfalle, höchstens als „Keksl“ zu bezeichnen, sagt Verena Konrad als Moderatorin des Podiumsgesprächs am Montagabend in der Innsbrucker Stadtbibliothek. Und veranschaulicht damit auch, warum die „battlegroup for art“ als Zusammenschluss kultureller Interessenvertretungen VertreterInnen aller wahlwerbenden Parteien überhaupt zu einer Diskussion geladen hat.

Die Kultur spiele im aktuellen Landtagswahlkampf höchstens eine marginale Rolle, das zeige sich etwa auch daran, dass die Kultur es heuer nicht einmal in jedes Wahlprogramm geschafft habe, beklagt Helene Schnitzer, Leiterin der TKI (Tiroler Kulturinitiativen). „Warum eigentlich?“, das wollte die „battlegroup“ noch vor dem Urnengang einmal abfragen – tat sich aber bereits beim Anklopfen bei den einzelnen Parteien schwer, erinnert sich Schnitzer. Offizielle Verantwortliche für die Kulturagenden finden sich eben selten. SpitzenkandidatInnen-Sache ist die Kultur jedenfalls nie.

So finden sich auf dem Podium vor etwa 90 Anwesenden auch kaum deklarierte KultursprecherInnen ein. Bei einigen der Anwesenden hatte die Zeitnot der anderen sie zu KultursprecherInnen für einen Abend gemacht. Am Ende stellen sich Cornelia Hagele (ÖVP), Zeliha Arslan (Grüne), Elisabeth Fleischanderl (SPÖ), Evelyn Achhorner (FPÖ), Markus Sint (Liste Fritz), Franziska Schumi (NEOS) und Robert Koch (KPÖ) den Fragen der Kulturschaffenden. Nachdem sie sich zuvor noch einzeln durch die eigenen Wunschkataloge wühlten – und später die jeweils anderen dafür kritisierten, ebensolche herunterzurattern.

Dann aber sind die Kulturschaffenden selbst dran. Die TKI, die IG Autorinnen und Autoren und die IG Freie Theater Tirol bringen vor, was sie in den letzten Jahren schon so oft vorbrachten. Stichwort „Fair Pay“: Kulturschaffende jeder Coleur müssen fair bezahlt werden, fordert die TKI. Honoraruntergrenzen haben die heimischen Interessenvertretungen längst definiert. Was in Wien funktioniere, müsse auch in Tirol endlich umgesetzt werden, verlangt Daniela Oberrauch von der IG Freie Theater.

In Bezug auf Förderrichtlinien des Landes fällt derweil nicht nur einmal die Forderung nach mehr Transparenz. Wie es um diese und vor allem um die Wertschätzung von Expertise bestellt ist, zeigte zuletzt ein öffentlicher Wettbewerb für eine künstlerische Intervention am Landhausplatz in Innsbruck – die TT berichtete. Wie schon bei der Juryentscheidung um die Nachfolge der künstlerischen Leitung der Volksschauspiele in Telfs überging die Politik die Entscheidung der eigens eingesetzten Fachjury. Und stieß damit nicht nur die ExpertInnen vor den Kopf.

In einer Abschlussrunde stimmen die Teilzeit-KultursprecherInnen abschließend zu zentralen Fragestellungen ab. Da ist man sich erstaunlicherweise oft von rechts bis links einig: Mehr Transparenz? Ja. Indexierung des Kulturbudgets? Ja. Tourismusabgabe abschaffen? Jein. Das heißt: Diskussion bis nach der Wahl vertagt. Die gesamte Veranstaltung wird am Donnerstag, ab 14 Uhr über Radio Freirad gestreamt.