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„God save the King": Charles III. ist neuer britischer König

Mit dem Tod von Queen Elizabeth II. ist ihr Sohn Charles zum König geworden. Was bedeutet das für die britischen Royals und das Vereinigte Königreich?

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Im Mai 2022 hat Charles erstmals die Regierungserklärung im Parlament in London verlesen.
© APA/AFP/BEN STANSALL

London – Die Königin ist tot, es lebe der König. Dieser Spruch trifft auch auf die britische Monarchie zu, denn auf dem Thron darf es keine Vakanz geben. Der einst als „ewiger Thronfolger" belächelte Charles ist nach dem Tod seiner Mutter Elizabeth II. mit 73 Jahren König geworden. Niemand hat so lange auf den Thron gewartet wie er.

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Charles mit seinen Söhnen William und Harry (Archivfoto aus dem Jahr 2006).
© imago stock&people via www.imago-images.de

In Umfragen hieß es früher, die Briten hätten es lieber, wenn Charles seinem Sohn William den Thron überließe. Doch ernsthaft war das nie eine Option, und die Stimmung änderte sich. Auch im Selbstverständnis der Royals kommt das nicht vor. Die Briten werden künftig „God Save The King" singen. Lange war nicht klar, welchen Thronnamen Charles führen wird. Am Donnerstagabend bestätigte der Palast, dass er den Namen König Charles III. annimmt.

Dass seine Frau Camilla Königin (Queen Consort) wird, hatte die Queen erst zu Beginn dieses Jahres als ihren ausdrücklichen Wunsch festgelegt. Es ist ein Titel, den zuletzt die Mutter Elizabeths, die vor 20 Jahren gestorbene Queen Mum, getragen hatte.

Charles: "In tiefer Trauer"

Charles zeigte sich schwer erschüttert über den Tod seiner Mutter. "Wir sind in tiefer Trauer um einen geschätzten Souverän und eine vielgeliebte Mutter." Er fügte hinzu: "Ich weiß, dass ihr Verlust das ganze Land schwer bewegt." In dieser "Zeit der Trauer und des Wandels" werde es ihm und seiner Familie ein Trost sein zu wissen, dass die Menschen der Queen verbreitet so viel Respekt und tiefe Zuneigung entgegengebracht hätten.

Neuntägige Trauerfeierlichkeiten in Großbritannien

Die erste Aufgabe des neuen Königs ist es, die neuntägigen Trauerfeierlichkeiten für seine Mutter zu leiten. Einem Bericht des Guardian zufolge wird er nach seiner Proklamation zunächst auf eine Tour durch die vier Landesteile des Vereinigten Königreichs – England, Schottland, Wales und Nordirland – aufbrechen, bevor er nach London zurückkehrt.

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Es ist nicht viel darüber bekannt, wie Charles sein Amt ausüben wird. Spekuliert wird, dass er sich mehr in politische Dinge einmischen will – obwohl das in der britischen Monarchie nicht vorgesehen ist. Das Thema Klimawandel liegt ihm jedenfalls sehr am Herzen. Auch eine Modernisierung des Königshauses dürfte auf seiner Agenda stehen. Er wolle den Kreis der aktiven Mitglieder verkleinern, hieß es in Medienberichten. Auch über einen Verzicht auf den Buckingham-Palast als ständige Residenz wurde spekuliert.

Das Thema Klimawandel liegt Charles sehr am Herzen, wie er immer wieder betonte.
© AFP

Wird er das Gewissen der Nation? Ein Biobauer, der immer wieder seine Meinung zu politischen Themen zum Besten gibt? Aus seinem Umfeld hieß es einmal, Charles empfinde die Aussicht auf den Thron als „Gefängnis". Er wollte sein Leben nicht mit Ordensverleihungen vertrödeln, sondern Probleme angehen.

„Solange ich denken kann, habe ich dieses außergewöhnliche Gefühl, heilen und die Dinge verbessern zu wollen", sagte er einmal. Charles schreckte im Gegensatz zu Königin Elizabeth II. nie davor zurück, Position zu beziehen. Er kämpfte gegen den Klimawandel, stoppte umstrittene Bauvorhaben und half armen Jugendlichen.

In Notizen – wegen seiner krakeligen Handschrift auch Schwarze-Spinnen-Memos genannt – versuchte der Thronfolger, Regierungsmitglieder zu beeinflussen und brockte sich damit Ärger ein. Als König, so fürchteten Beobachter früher, hätte er mit seinen Standpunkten und Einflussnahmen sogar die Nation spalten können. Beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in London blieb er dem Bankett im Buckingham-Palast demonstrativ fern. Das wurde als Protest gegen die Menschenrechtsverstöße in dem Land gedeutet.

Prinzessin Diana nach der Hochzeit mit Charles.
© imago stock&people

Besonders übel nahmen ihm die Briten, wie er mit seiner ersten Ehefrau Diana umging, der Königin der Herzen. Schon kurz nach der Verlobung sorgte die Antwort des Paares auf die Frage, ob es verliebt sei, für Stirnrunzeln: Sie platzte mit einem „Ja, natürlich!" heraus, er sagte: „Was auch immer Verliebtsein heißen mag."

Nach der Hochzeit betrog er Diana mit seiner Jugendliebe Camilla Parker Bowles, die von einigen britischen Medien als Rottweiler verspottet wurde. Ein Rosenkrieg begann. Als auf Tonbandmitschnitten zu hören war, dass Charles als Tampon Camillas wiedergeboren werden wollte, war für viele Briten Charles als künftiger König undenkbar.

1996 ließ das Paar sich scheiden. Nur ein Jahr später starb Diana bei einem Autounfall in Paris. 2005 heiratete Charles Camilla. Die beiden verschafften sich – ganz langsam, aber stetig – durch seriöses Auftreten und viel Fleiß wieder Respekt. Der Thronfolger vertrat seine Mutter bei unzähligen Terminen, reiste als Botschafter durch Europa, um die vom Brexit verstörten europäischen Partner zu besänftigen und war volksnäher als je zuvor. Privat geht das Paar wandern und fischen, abseits der Glitzerwelt.

Charles und Camilla heirateten 2005. Dass Camilla nun Königin (Queen Consort) wird, hatte Queen Elizabeth II. erst zu Beginn dieses Jahres als ihren ausdrücklichen Wunsch festgelegt.
© AP

Charles' Ruf als verwöhnter Eigenbrötler, der mit Blumen spricht, ist er nie ganz losgeworden. Traumanalysen, spirituell geprägte Erlebnisse in der Kalahari-Wüste, seine Beschäftigung mit dem islamischen Sufismus – das mag etwas suspekt klingen.

Sally Bedell Smith beschreibt ihn in ihrer Biografie als „hoffnungslos dünnhäutig" und intolerant gegenüber abweichenden Meinungen, aber auch als Freigeist mit außerordentlichem Sinn für Ästhetik. Die US-Journalistin Catherine Mayer zeichnet in ihrem Buch das Bild eines Top-Unternehmers, der auch viel Neid und Missgunst säte. Kurzum: Er ist eine ambivalente Persönlichkeit.

Die Ursachen vermutet sein Umfeld auch in seinem eher schwierigen Verhältnis zu den Eltern und in seiner Erziehung. Seine Mutter habe kaum Zeit für ihn und seine drei Geschwister gehabt, beklagte sich Prinz Charles. Oft kränkelnd, nicht gerade sportlich und Angst vor Pferden – die Queen soll ihren Ältesten für einen Spätzünder gehalten haben. Mit dem Alter lernten sie sich aber schätzen.

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2017 spekulierte der BBC-Spielfilm „King Charles III", was passieren könnte, wenn die Queen stirbt. Der Inhalt wirkte skurril: Der neue König weigert sich, ein Gesetz zur Einschränkung der Pressefreiheit zu unterschreiben. Das löst eine Verfassungskrise und landesweite Proteste aus. Daraufhin beordert der Film-Charles einen Panzer vor den Buckingham-Palast. Soweit die Fantasie im Fernsehen.

Charles hatte viel Zeit, über seine Rolle nachzudenken. Er ist seit dem 6. Februar 1952 Thronfolger. Er war drei Jahre alt, als seine Mutter Königin wurde und eine Ära begann. Um angemessen in ihre Fußstapfen zu treten, fehlt es dem greisen Monarchen allein schon an Lebenszeit.

22. November 1950: Die damalige Prinzessin Elizabeth mit ihrem Sohn Charles.
© imago stock&people

📌 Der neue König Charles: Sein Leben in Daten

  • 14. November 1948: Charles wird um 21.14 Uhr als ältester Sohn der späteren Königin Elizabeth II. und von Prinz Philip in London geboren.
  • 6. Februar 1952: Mit der Thronbesteigung seiner Mutter wird Charles Thronfolger - und erhält unter anderem den Titel Herzog von Cornwall.
  • 1956-1967: Der Prinz geht auf Schulen in London und in der Grafschaft Berkshire. Von April 1962 an besucht er das Eliteinternat im schottischen Gordonstoun, auf dem schon sein Vater war. Zwischenzeitlich ist er als Austauschschüler in Australien.
  • 1967-1970: An der Universität in Cambridge studiert er Geschichte, Archäologie und Anthropologie.
  • 1. Juli 1969: Mit der sogenannten Investitur werden Charles feierlich die Insignien des Prinzen von Wales verliehen, obwohl er bereits seit dem Alter von neun Jahren den Titel trägt.
  • 1971-1976: Der Prinz absolviert eine Offiziersausbildung bei Marine und Luftwaffe. Er qualifiziert sich zum Hubschrauberpiloten.
  • 1976: Charles gründet den "Prince's Trust" - eine Stiftung, um jungen Leuten aus Problembezirken bessere Bildungs- und Berufschancen zu ermöglichen.
  • 29. Juli 1981: In einer pompösen Zeremonie heiratet Charles die knapp 13 Jahre jüngere Diana Spencer in der Londoner St.-Pauls-Kathedrale. Das Paar bekommt zwei Söhne: die Prinzen William (21. Juni 1982) und Harry (15. September 1984).
  • 9. Dezember 1992: Der britische Premier John Major verkündet die offizielle Trennung von Charles und Diana vor dem Parlament.
  • 28. August 1996: Die Ehe wird geschieden. Prinzessin Diana gehört weiterhin der Königsfamilie an, trägt aber nicht mehr den Titel "Königliche Hoheit".
  • 31. August 1997: Diana stirbt bei einem Autounfall in Paris. Bei dem Begräbnis wenige Tage später begleiten Charles, William und Harry den Sarg durch die Straßen Londons zur Westminster Abbey.
  • 9. April 2005: Charles heiratet Camilla Parker Bowles auf dem Standesamt von Windsor. Sie wird Herzogin von Cornwall. Königin Elizabeth II. und Prinz Philip sind bei der Zeremonie nicht anwesend.
  • 22. Juli 2013: Charles wird zum ersten Mal Großvater. Williams Frau, Herzogin Kate, bringt Prinz George zur Welt. Schwester Charlotte kommt am 2. Mai 2015 und Bruder Louis am 23. April 2018 zur Welt.
  • 6. Mai 2019: Harry und dessen Frau Meghan bekommen einen Sohn: Archie. Tochter Lilibet wird am 4. Juni 2021 in den USA geboren.
  • 19. Februar 2021: Harry und Meghan werden nicht mehr öffentlich im Namen der Monarchie auftreten. Sie hatten zuvor auf eigenen Wunsch die royalen Verpflichtungen abgelegt.
  • 9. April 2021: Im Alter von 99 Jahren stirbt sein Vater Prinz Philip.
  • 8. September 2022: Seine Mutter, die britische Königin Elizabeth II., stirbt im Alter von 96 Jahren.


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