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Mobilitätsexperte Hans-Peter Kleebinder im Interview: „Die Mobilität ist zu billig“

„Wir müssen hin zur Bepreisung der Strecke und weg vom Besitz“, sagt Hans-Peter Kleebinder. Im Bild: Autobahnstau bei Innsbruck.
© Axel Springer

Null Emissionen, null Stau, null Eigentum: Mobilitätsexperte Hans-Peter Kleebinder plädiert für eine radikale und vor allem maximal schnelle Transformation im Verkehr. Tirol brauche neue Mobilitätskonzepte.

Wie beeinflussen der Ukraine-Krieg und der Energiekostenanstieg die Mobilität? Werden dadurch Trends beschleunigt?

Hans-Peter Kleebinder: Eine Mobilitätswende macht nur Hand in Hand mit einer Energiewende Sinn. Ein sehr sauberer Diesel-Pkw ist besser als ein E-Auto, das mit Kohlestrom fährt. Deshalb gilt: Ohne nachhaltige Energie gelingt keine nachhaltigere Mobilität, um unsere ambitionierten Klimaziele im Transportsektor zu erreichen. Der Ukraine-Krieg hat dazu geführt, dass sich die Verfügbarkeit von Energie nach unten und die Preise stark nach oben entwickeln. Die Zeiten, in denen wir sehr günstige fossile Energie in Russland kaufen konnten, sind definitiv vorbei. Diese brutale Abhängigkeit zwingt uns jetzt, die Transformation hin zu regenerativer Energie zu beschleunigen. Wir haben keine andere Wahl.

Wie schnell wird diese Transformation passieren?

Kleebinder: Es hängt davon ab, ob Putin den Gashahn abdreht oder nicht. Die Mobilitätswende muss mit der maximalen Geschwindigkeit geschehen – mit maximalem politischen und wirtschaftlichen Druck. Jetzt sind wir gezwungen, die Energie- und Mobilitätswende umzusetzen. Denn wenn wir nichts tun, sind die Kosten höher als der mögliche Schaden. Veränderung passiert, wenn der Schmerz groß genug ist.

Stichwort Schmerz: Der teure Sprit scheint ja die Bürger nicht vom Autofahren abzuhalten, die Straßen sind voll, Mietwagen teure Mangelware. Welche Rolle spielen Kosten und Preise bei der Mobilitätswende?

Kleebinder: Mobilität ist ein Grundbedürfnis und sehr wichtig für unsere Lebensqualität – vor allem im ländlichen Raum. Durch Corona-Einschränkungen haben wir gelernt, wie wichtig und wertvoll unsere persönliche Mobilität für uns ist. Wir sind auch bereit, mehr für unsere Mobilität auszugeben.

Ihr Konzept vom Mobilitätsplan der Zukunft lautet null Emissionen, null Unfälle, null Stau, null Eigentum. Wie soll das gehen?

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