EM-Titel für Ebster als Zwischenschritt: „Habe nicht auf Gesamtwertung geschaut"
Der Zillertaler Tobias Ebster (24) peilt nach dem Rallye-EM-Titel höhere Ziele an. Das Fernziel ist die Rallye Dakar.
Von Alois Moser
Fügen – Dafür, dass von vier geplanten Rallyes der EM-Saison 2022 am Ende nur zwei gefahren wurden, kann Tobias Ebster nichts. Und wenn, dann hätte der junge Zillertaler auch bei der abgesagten Rallye in Rumänien Gas gegeben. So aber reichten dem Fügener zwei Topresultate bei der Hellas Rallye (GRE) und der Dinaric Rallye (CRO), um sich zum Europameister im Rallye-Motorradsport zu krönen. Und das durchaus überraschend.
„Ich habe gar nicht auf die Gesamtwertung geschaut und es erst am letzten Tag erfahren“, gab sich der 24-Jährige gelassen, zumal auch die Ehrung durch den Motorradweltverband FIM angesichts des durcheinandergeratenen Terminkalenders bis dato noch auf sich warten lässt. Wichtiger als Pokale und Siegerkränze ist für den Tiroler aber ohnehin die Zufriedenheit mit der eigenen Leistung: „Ich habe eher darauf geschaut, dass ich sauber navigiere, Spaß auf dem Bike habe und keinen Sturz baue.“
Gerade Letzteres wurde Ebster beinahe auf der letzten Etappe der diesjährigen Hellas Rallye zum Verhängnis, als er sich bei einem kapitalen Sturz zehn Kilometer vor dem Ziel einen Hals- und einen Brustwirbel brach.
Doch davon lässt sich ein „harter Hund“ wie Ebster, seines Zeichens Neffe der Tiroler Rallye-Legende Heinz Kinigadner, nicht aus der Ruhe bringen. Bei der Dinaric Rallye gab der KTM-Pilot schon wieder ordentlich Gas und gewann fünf von sechs Tageswertungen. Dabei spielte ihm auf dem Weg zum Gesamtsieg jedoch der Defekt-Teufel einen Streich: „Ich fiel durch einen technischen Defekt weit zurück.“ Am Ende reichte es für den Zillertaler aber zu Platz fünf.
Der Absage der Rallye in Rumänien trauert der Tiroler, der erst im letzten Jahr vom Motocross auf die Rallye-Maschine wechselte, ein wenig nach: „Schade, denn mit jedem Rennen werde ich besser und lerne dazu.“ Durch die bei den beiden Rallyes gesammelten Tagessiege reichte es jedoch aber dennoch zum Gesamtsieg in der EM-Wertung – nun will Ebster den nächsten Schritt auf dem Weg zum erklärten Fernziel, der Rallye Dakar, setzen: „Um irgendwann bei der Dakar zu starten, muss man vorher in die Wüste.“
Nach zwei Wochen Wüstentraining in Tunesien mit Onkel Klaus Kinigadner geht es im Frühjahr mit der Tuareg Rallye (MAR) und der Phoenix Rallye (TUN) los. Vor dem Fahren in der Wüste hat Ebster Respekt: „Das ist der schwerste Untergrund, da überschlägt man sich schnell, wenn man nicht aufpasst.“ Aber auch davon würde sich Ebster wohl nicht aus der Ruhe bringen lassen.
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