„Schindel und Holz“-Chef: „Die Menschen wollen sehr wohl arbeiten“
Von Catharina Oblasser
Lienz – „Wenn in unserer Gesellschaft darüber geredet wird, dass niemand mehr arbeiten will oder für Junge nur noch die Work-Life-Balance zählt, dann kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Die Menschen wollen sehr wohl arbeiten.“
Das sagt René Ladstätter, Geschäftsführer des sozialökonomischen Betriebs „Schindel und Holz“ in Lienz. Seit 30 Jahren gibt es die Einrichtung, die zur Hälfte von der öffentlichen Hand finanziert wird. Die anderen 50 Prozent erwirtschaftet der Betrieb selbst. „Wir haben eine Tischlerei und bieten zusätzlich Dienstleistungen an, von Entrümpelung bis zur Gartenpflege“, so Ladstätter.
Bei der Gründung 1992 fanden vier Langzeitarbeitslose hier eine Stelle, heute sind es 35, etwa ein Drittel davon Frauen. Mit Unterstützung der Stammbelegschaft, darunter drei Sozialarbeiterinnen, bemühen sie sich um die Rückkehr in einen regulären Job. Zwölf Monate ist Zeit.
Ein Unterschied zu früher: Heute gibt es in Osttirol erstmals zu wenig Personal für die boomende Wirtschaft. „Das hilft uns sehr bei der Vermittlung unserer Arbeitskräfte“, meint Ladstätter. In Euphorie verfällt er trotzdem nicht. „Man weiß nicht, wie lange dieser Boom anhält. Nach dem Hype kann es auch wieder nach unten gehen.“
Bei „Schindel und Holz“ gibt es seit Kurzem eine Besonderheit: Drei Personen können im Betrieb die Zeit bis zu ihrer Pension überbrücken (das sind ein bis drei Jahre), ohne auf die Vermittlung in einen „richtigen“ Job hinarbeiten zu müssen. Einen solchen „dritten Arbeitsmarkt“ wünscht sich Ladstätter für mehr Langzeitarbeitslose. Wenn die Jobsuche ohnedies aussichtslos sei, könnten diese die letzten Arbeitsjahre mit einer sinnvollen Beschäftigung verbringen.
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