Leitzins

EZB-Vize: Weitere Zinserhöhungen in den nächsten Monaten

European Central Bank (ECB) Vice-President Luis de Guindos gives a press conference after an informal ECOFIN meeting in Lisbon on May 22, 2021. (Photo by CARLOS COSTA / POOL / AFP)
© CARLOS COSTA

Luis de Guindos, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, geht von einer Fortsetzung der Leitzins-Erhöhungen aus. Auf ein Höchstniveau will er sich nicht festlegen.

Frankfurt – Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt die Frage nach der endgültigen Höhe der Zinsen bei ihrem eingeleiteten Straffungskurs bisher offen. "Innerhalb des EZB-Rats haben wir keine Schätzungen zum Endzins, dem Höchstniveau, auf das die Zinsen steigen könnten", sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos in einem am Freitag veröffentlichten Interview der portugiesischen Wochenzeitung Expresso.

Das gelte auch für den neutralen Zinssatz – dem Zinssatz, der die Wirtschaft bei Vollbeschäftigung mit stabiler Inflation ins Gleichgewicht bringe. "Wir haben nichts entschieden", fügte er hinzu. Weitere Zinsanhebungen könnten in den nächsten Monaten kommen.

"Müssen die Normalisierung der Geldpolitik fortsetzen"

Die Abkühlung der Wirtschaft werde nicht ausreichen, um die Inflation einzudämmen, sagte der Stellvertreter von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. "Wir müssen die Normalisierung der Geldpolitik fortsetzen. Jeder muss das verstehen." Die Kräfte, die hinter der konjunkturellen Verlangsamung stünden, ähnelten sehr den Kräften, die die Inflation in die Höhe treiben. Die Abschwächung der Wirtschaft werde zwar den Nachfragedruck verringern, was wiederum die Inflation senken werde. Aber gleichzeitig müsse aus geldpolitischer Sicht gehandelt werden, damit die Inflationserwartungen in der Spur blieben und keine weiteren negativen Effekte eintreten.

Die EZB strebt zwei Prozent Teuerung als Idealwert für die Wirtschaft in der Eurozone an. Im August lag die Inflation allerdings angeheizt durch den Energie-Preisschub im Zuge des Ukraine-Kriegs bei 9,1 Prozent. Die Notenbank hatte deshalb vergangene Woche die Zinsen um ungewöhnlich kräftige 0,75 Prozentpunkte erhöht. Es war die stärkste Zinsanhebung seit Einführung des Euro-Bargelds 2002. EZB-Präsidentin Lagarde hatte weitere Zinsschritte nach oben in Aussicht gestellt. (APA/Reuters)

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