Innsbruck-Land

Pflegeberatung „aus einer Hand“ – bald in ganz Tirol

Neue Ansprechpartnerinnen für alle Fragen rund um die Pflege im Raum Innsbruck-Land West: Sabine Mehrle-Juli (l.) und Larissa Pöschl.
© Domanig

Das „Care Management Tirol“ will bestehende Pflegeangebote stärker vernetzen und so Angehörige entlasten. Der jüngste Standort ist Telfs.

Von Michael Domanig

Telfs – Rund 73.000 der 760.000 TirolerInnen zählen über 75 Jahre – und könnten, obwohl viele von ihnen recht fit älter werden, in absehbarer Zeit Pflegebedarf haben. Etwa 80 % der Pflegebedürftigen werden hierzulande zu Hause betreut – für Gesundheits- und Pflegelandesrätin Annette Leja (ÖVP) grundsätzlich eine sehr positive Tatsache. Doch für die pflegenden Angehörigen brauche es noch mehr Unterstützung. Genau hier setze das „Care Management Tirol“ mit „niederschwelliger und kostenloser Erstberatung und Begleitung“ an.

Ziel sei es, bis Jahresende in jedem Tiroler Bezirk Koordinations- und Beratungsstellen anzubieten, kündigt Andreas Huber, Vorstand des Landesinstituts für Integrierte Versorgung (LIV), an. Das LIV, seinerseits Teil der Tirol Kliniken, leitet das Care Management, finanziert wird das Versorgungsprogramm direkt über das Sozialbudget des Landes.

Nach Reutte, Imst, Schwaz, Kufstein und Kitzbühel gibt es seit Juli nun auch im Bezirk Innsbruck-Land West eine solche niederschwellige Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Pflege. Das Büro ist im ersten Stock des Telfer Rathauses räumlich prominent und zentral angesiedelt – wofür er sich stark eingesetzt habe, wie Bürgermeister Christian Härting betont. Beim Sozial- und Gesundheitssprengel Telfs und Umgebung hätten sich die Stunden für mobile Pflege und Betreuung allein in seiner Zeit als Ortschef mehr als verdreifacht, im stationären Bereich arbeite man derzeit intensiv am Kapazitätsausbau im Pflegeheim Wiesenweg. „Genau diese Schnittstelle hat es aber noch gebraucht“, meint Härting, schließlich würden sich pflegende Angehörige im hochkomplexen System oft überfordert fühlen.

Genau diesem Gefühl – und der Angst, bürokratisch im Kreis geschickt zu werden – sollen die Koordinations- und Beratungsstellen entgegenwirken: „Zentrales Ziel ist Beratung für pflegende Angehörige aus einer Hand“, stellt Gabi Schiessling, Koordinatorin des Care Managements Tirol, klar. Zugleich sollen bestehende Pflegeeinrichtungen und -angebote besser vernetzt und abgestimmt werden – gerade im Pflegebereich sind die Kapazitäten bekanntlich begrenzt. „Die Care Managerinnen müssen daher alles wissen, was den Bereich Pflege in ihrer Region angeht“, meint Schiessling.

In Telfs liegt diese anspruchsvolle Aufgabe in denkbar professionellen Händen: Als Koordinatorinnen für Pflege und Betreuung im Bereich Innsbruck-Land West fungieren Sabine Mehrle-Juli (Diplom-Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie studierte Pädagogin) und Larissa Pöschl, die zehn Jahre lang Geschäftsführerin des Telfer Sozialsprengels war und die Pflegesituation somit genauestens kennt. Erreichen kann man die Expertinnen nach Terminvereinbarung unter Tel. 0664/88985352 bzw. 0664/88985813 oder unter care.il-west@liv.tirol – wobei auch Hausbesuche für Beratungen vor Ort möglich sind.

In zwei Wochen soll das Care Management auch in Osttirol starten, für den Bereich Innsbruck-Land Ost ist noch heuer eine Ausschreibung geplant, in der Stadt Innsbruck kommt das Angebot ebenfalls bald – wobei stellenmäßig in Zukunft wohl noch aufgestockt werden muss.

Wie gut das neue Beratungssystem greift, wird auch wissenschaftlich evaluiert – durch die UMIT in Hall.

Konkurrenz zu bzw. Doppelgleisigkeiten mit dem EU-geförderten Pilotprojekt der „Community Nurses“, die an sechs Standorten in Tirol ebenfalls koordinierte, niederschwellige Pflegeberatung anbieten, gebe es übrigens nicht, sagt Schiessling auf TT-Nachfrage. Im Gegenteil: Die „Gemeindekrankenschwestern“ würden voll mit dem Care Management vernetzt, könnten an gemeinsamen Fortbildungen teilnehmen – „und sind sehr froh, dass sie bei uns andocken können“.

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