Dutzende Tote bei Gefechten zwischen Kirgistan und Tadschikistan
Kirgisischen Angaben wurden mindestens 46 Menschen getötet und 140 verletzt. Die Lage war am Sonntag zunächst ruhig und schien sich zu stabilisieren.
Bischkek/Duschanbe - Bei den heftigen Gefechten zwischen Kirgistan und Tadschikistan sind nach kirgisischen Angaben mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen. In der Grenzregion Batken im Südwesten Kirgistans seien zudem 140 Menschen verletzt worden, erklärte das Gesundheitsministerium des zentralasiatischen Landes am Sonntag. Die Lage war am Sonntag zunächst ruhig und schien sich zu stabilisieren.
Zuvor hatten sich Kirgistan und Tadschikistan gegenseitig beschuldigt, eine vereinbarte Feuerpause nicht einzuhalten. Kreml-Chef Wladimir Putin rief beide Seiten zur Deeskalation auf.
Die Präsidenten Kirgistans und Tadschikistans hatten sich am Freitag auf eine Feuerpause geeinigt. Beide Länder warfen sich schon kurz darauf vor, die Vereinbarung verletzt zu haben. Das tadschikische Innenministerium erklärte am Samstag, dass auf seinem Staatsgebiet bei den Gefechten mehrere Zivilisten getötet worden seien, nannte aber keine konkrete Zahlen.
Kirgisischen Behörden zufolge wurden infolge des Konflikts zehntausende Menschen sicherheitshalber aus den betroffenen Regionen evakuiert. Seit Samstagabend habe es aber keine neuen Kampfhandlungen mehr gegeben. Am Sonntagmorgen hieß es von kirgisischen Grenzbehörden, die Nacht sei "ruhig, ohne Vorfälle" verlaufen. Es gebe eine Tendenz, dass sich die Situation beruhige.
Putin rief zu Deeskalation auf
Der russische Präsident Putin rief die Präsidenten von Kirgistan und Tadschikistan am Sonntag in persönlichen Telefonaten dazu auf, eine "weitere Eskalation" zu vermeiden. Beide Länder sollten Maßnahmen ergreifen, um die Situation so schnell wie möglich zu lösen – und zwar "ausschließlich auf einem friedlichen, politischen und diplomatischen Weg". Moskau hatte sich zuvor bereit erklärt, bei der Suche nach einer "langfristigen" Lösung des Grenzkonflikts zu helfen.
Auch UN-Generalsekretär António Guterres forderte die Regierungen beider Länder auf, den "Dialog für eine dauerhafte Feuerpause" zu suchen.
Das Auswärtige Amt in Berlin warnte vor Reisen in die betroffenen Gebiete. In den Regionen Batken und Sughd seien Kämpfe und Schusswechsel "nicht ausgeschlossen", hieß es in den am Samstag aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts in Berlin zu den beiden Ländern.
Grenzverlauf umstritten
Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Kirgistan und Tadschikistan sind Teil des von Russland angeführten Militärbündnisses Vertrag über kollektive Sicherheit (OVKS), liefern sich aber regelmäßig Gefechte. Kirgistan und Tadschikistan teilen eine 970 Kilometer lange Grenze, deren Verlauf zu knapp der Hälfte umstritten ist. Die Verhandlungen zur Beilegung des Grenzstreits treten seit Jahren auf der Stelle.
Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, für die beide Staaten der jeweils anderen Seite die Schuld zuweisen. Die jüngsten Grenzgefechte schüren Ängste vor der gewaltsamen Zuspitzung eines weiteren Konflikts auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, nachdem kürzlich bereits bei heftigen Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan mehr als 200 Menschen getötet worden waren. (APA/AFP)
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