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Podcast „hörpositionen“: Mit historischem Hörmaterial in die Gegenwart

Landesüblicher Empfang und Landeshymne gehören in Tirol zusammen. Ein Podcast widmet sich der komplexen Geschichte der Hymne.
© Malyshev

Ab heute online: Ein neuer Schwerpunkt der „hörpositionen“ hat die Geschichte der Tiroler Landeshymne hörenswert aufgearbeitet.

Innsbruck – 2020 forderte die IG Autorinnen und Autoren eine Neuausschreibung der oberösterreichischen Landeshymne „Hoamatland“. Eine „zeitgemäßere“ sollte her, zumal sich im Oeuvre von Urheber Franz Stelzhamer doch „antisemitische Stereotype“ finden lassen. In Tirol liegt die letzte Debatte um die Tiroler Landeshymne bereits länger zurück. Anfang der 1990er hatte sie Landeshauptmannstellvertreter Hans Tanzer (SPÖ), angestoßen. Ihn störte vor allem der Passus „Ganz Deutschland, ach / In Schmach und Schmerz“, der ihn zur Frage führte: Ist das noch zeitgemäß? Erboste Zuschriften erreichten ihn daraufhin, erinnert sich Tanzer heute in einem neuen Podcast zur Landeshymne. Darunter mehrere Aufforderungen, Tirol umgehend zu verlassen. Tanzer blieb – wie der Text des Hofer-Lieds.

Das Tanzer-Kapitel ist nur eines von über 10, die in der Reihe „hörpositionen“ jetzt zu einem Landeshymnen-Schwerpunkt in drei Teilen aufgearbeitet wurden. Heute geht die erste Folge online – morgen und übermorgen folgen die zweite und dritte Episode. Entstanden ist der Schwerpunkt als Kooperation des Gemeindemuseums Absam und der Musiksammlung der Tiroler Landesmuseen.

19 „hörpositionen“ zu allen möglichen Themen vom Wolf bis zur Tiroler Gedenkkultur sind bis dato erschienen. 500 HörerInnen hat Initiator und Museumsleiter in Absam Matthias Breit dafür gezählt. Es ist der zweite Podcast, den Breit für das Gemeindemuseum produziert. Schon der erste mit dem Titel „museumsreif“ hat vorgemacht, wie’s geht: Nach Pandemiebeginn und der Umleitung der Museumsaktivitäten ins Digitale hat das Haus täglich Episoden, u. a. SchülerInnen-Produktionen, veröffentlicht. Inzwischen sammelten sich 120 Folgen an – und 40.000 HörerInnen in drei Jahren, die reingehört haben. So soll es laut Breit weitergehen.

Unter dem Motto „Kann Spuren von Französischer Revolution enthalten. Oder die komplexe Geschichte einer Hymne“ führen die Hörbilder nun vom Begriff der Nation über nach 1948, als „Zu Mantua in Banden“ per Gesetz als Tiroler Landeshymne verankert wurde, weiter nach Südtirol. Ausgiebig widmet man sich im Text und mit historischem Hörmaterial auch Julius Mosen und Leopold Knebelsberger, von denen Text und Melodie stammen.

Das Spannende an den „hörpositionen“: Sie bleiben nicht in der Vergangenheit stecken. Sondern führen – wie im aktuellen Fall – in die Gegenwart. So erzählen die Episoden (gelesen von Johann Nikolussi und Rainer Egger und mit musikalischen Interpretationen von Matthias Legner) auch vom russischen Präsidenten Putin. Dieser habe bei seinem Besuch 2001 in St. Anton die Landeshymne wiedererkannt – galt die Melodie doch in der DDR und in den Ländern der Ex-Sowjetunion als besonders beliebt, erfährt man im Podcast. Fazit zur neuen „hörpositon“: Absolut hörenswert! (bunt)

🎧 Podcast

Erste Folge ab heute abrufbar unter hoerpositionen.at