Kino

„Don’t Worry Darling“: Trügerische Idylle in der Vorstadt

Musiker Harry Styles und Florence Pugh spielen in „Don’t Worry Darling“ ein Ehepaar.
© Warner

Olivia Wildes zweite Regiearbeit „Don’t Worry Darling“ hält trotz Schauspielstars und Harry Styles leider nicht, was sie verspricht.

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – „Don’t Worry Darling“ kam vor gut zwei Wochen beim Filmfestival Venedig zur Weltpremiere. Dabei überschatteten die überinterpretierten Promi-News rund um die Regisseurin und zwei ihrer Darstellenden den Film selbst. Doch auch der Film selbst bietet genügend Diskussionsstoff.

Die Schauspielerin Olivia Wilde hat nach ihrem furiosen Regiedebüt „Booksmart“ (2019) nun einen enigmatischen Psychothriller vorgelegt. Die Handlung dreht sich um Alice Chambers und ihren Ehemann Jack. Wir befinden uns in den quietschbunt inszenierten amerikanischen Fifties des vorigen Jahrhunderts. Das überaus verliebte junge Pärchen ist gerade in die Modell-Siedlung Victory mitten in der kalifornischen Wüste gezogen, die zu einem Forschungsprojekt gehört. Was das geheime Victory Project genau ist, erzählen die Männer ihren Hausfrauen nicht, wenn sie abends in ihren schicken Autos heimkommen. Die Firma rund um den charismatischen Frank schwört alle Paare auf die Gemeinschaft ein wie eine Sekte. Doch Alice wird misstrauisch, als immer mehr seltsame Ereignisse die konservative Suburbia-Idylle stören.

Erst relativ spät bricht eine recht unerwartete Antwort diese dünne Oberfläche auf.

🎬 Trailer | „Don’t Worry Darling“

Doch das adaptierte Drehbuch von Katie Silberman schafft es nicht mehr, mit dieser Wendung noch einmal in eine neue Richtung weiterzuerzählen. Die Antwort wirft mehr Fragen auf, als der zweistündige Film auserzählen kann. Damit bleibt die geheimnisvolle Welt, die „Don’t Worry Darling“ präsentiert, am Ende mehr eine recht schablonenhafte, thematisch-politische Allegorie ohne Pointe.

Wie Regisseurin Olivia Wilde und ihre Crew diese Retro-Kulisse in der ersten Hälfte des Films aufbauen und erzählen, ist durchaus beachtlich, sowohl im Kleinen einzelner Szenen als auch im Größeren. Irgendwo zwischen einer beißenden Satire auf Douglas Sirk und die „Stepford Wives“ ist zunächst diese Oberfläche die filmische Substanz. Die Spannung würde darin liegen, dass Alice aufdeckt, was darunter verborgen ist.

Die Schauspielenden funktionieren perfekt, allen voran die großartige Florence Pugh in der Hauptrolle. Auch der für den vom Projekt abgesprungenen Shia LaBeouf eingesprungene Musiker Harry Styles – er und Olivia Wilde kamen sich während des Drehs sehr zur Freude einschlägiger Publikationen näher – spielt ordentlich. Chris Pine kostet es sichtlich aus, den dubiosen Führer Frank zu verkörpern – und Wilde selbst veredelt eine Nebenrolle. Trotzdem: „Don’t Worry Darling“ ist eine vergebene Chance, ein Film, der seine Versprechen nicht einlösen kann – und in dem vieles bloße Behauptung bleibt. Dafür kann man den Klatsch und Tratsch drumherum nicht zur Verantwortung ziehen.