Landtagswahl 2022

Diskussion in Innsbruck: Politikerinnen rütteln an ideologischen Mauern

„Mein Körper, meine Entscheidung“, fordern Frauen weltweit.
© iStock

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Politik für Frauen ist das Bohren sehr harter Bretter. Mitunter aber werden, wie bei der dieswöchigen frauenpolitischen Elefantenrunde, ideologische Mauern eingerissen, freut sich Julia Schratz vom DOWAS für Frauen. Die anwesenden Kandidatinnen sprachen sich einhellig für langjährige feministische Forderungen aus.

Cornelia Hagele (Liste Mattle/ÖVP), Zeliha Arslan (Grüne), Elisabeth Fleischanderl (SPÖ), Evelyn Achhorner (FPÖ), Momo Welsch (Liste Fritz) und Gaby Brandmayr (Liste mach mit) waren sich in mehreren Punkten einig: Sie wollen kostenfreie Schwangerschaftsabbrüche in allen Tiroler Bezirkskrankenhäusern und einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung in ganz Tirol umsetzen. Auf Letzteres hatten sich zuletzt alle sechs im Landtag vertretenen Parteien geeinigt.

Überraschend ist indes die einhellige Forderung nach einer kostenfreien Abtreibung, galt das doch bisher vor allem bei den Vertreterinnen und Vertretern konservativer Parteien als absolutes Tabu. SPÖ, Grüne und Liste Fritz wiesen wiederholt darauf hin, dass nur ein einziger Wahlarzt in Tirol einen kostenpflichtigen Schwangerschaftsabbruch ermögliche.

„Die Übereinstimmung der Vertreterinnen aller Parteien ist erstaunlich“, sagt Schratz. Sie glaubt nicht, dass das nur dem Intensivwahlkampf geschuldet ist. Vielmehr hätten auch konservative Parteien aufgrund der Verbotspolitik in den USA erkannt, dass man Frauen, die sich in einer Notlage befinden, unterstützen müsse, anstatt sie zu kriminalisieren. Jede Frau überlege sich einen Schwangerschaftsabbruch gut. Er dürfe kein Straftatbestand sein – das sei nicht mehr zeitgemäß. Die Fristenregelung gehöre überdacht, ließ Cornelia Hagele aufhorchen. Evelyn Achhorner ergänzte: „Das aktuelle Gesetz wird nicht erfüllt. Tirol muss Abbrüche ermöglichen.“ Für Elisabeth Fleischanderl gehören Schwangerschaftsabbrüche zur Gesundheitsversorgung wie kostenlose Verhütungsmittel und Periodenartikel.

Zeliha Arslan pochte gleichfalls auf Selbstbestimmung und erhielt Zustimmung für die Zielsetzung, Kinderbetreuung zum Gesellschaftsthema zu machen. „Wenn die Anwesenden die Spitzenkandidatinnen wären, würde Tirol sich rascher einer gleichberechtigten Gesellschaft nähern“, resümierte Nora Gabl von der Frauen*vernetzungsgruppe Tirol. Die Diskussion ist heute, 14 bis 16 Uhr, auf Radio Freirad zu hören.

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