Kriminalität

2022 so viele Menschen in Schweden durch Schüsse getötet wie noch nie

Lange waren die Banden ein Problem gewisser Wohngebiete der großen Städte Stockholm, Malmö und Göteborg. Doch inzwischen wird im ganzen Land geschossen.
© JONATHAN NACKSTRAND

Das skandinavische Land gilt zwar als überaus friedlich, ringt aber schon seit Jahren mit kriminellen Gangs. Heuer wurden bereits 48 Todesfälle mit Schussverletzungen registriert.

Stockholm – Niemals zuvor sind in Schweden innerhalb eines Jahres so viele Menschen durch Schüsse getötet worden wie 2022. Wie die schwedische Polizei am Freitagmorgen mitteilte, erlag ein Mann im Alter zwischen 20 und 30 in der Nacht seinen Verletzungen, nachdem er am späten Vorabend von Schüssen im südschwedischen Kristianstad getroffen wurde.

Das skandinavische Land hat somit bereits 48 Todesfälle mit Schussverletzungen registriert – der bisherige Jahresrekord aus dem Jahr 2020 hatte bei 47 gelegen. Angesichts der in Schweden grassierenden Bandenkriminalität hatte Reichspolizeichef Anders Thornberg schon vor einigen Tagen gewarnt, dass dem Land ein Rekord bevorstehe. Gehe es so weiter wie bisher, könnte es bis zum Jahresende mehr als 60 Tote durch Schüsse geben, hatte er in einem Interview der Nachrichtenagentur TT gesagt. Die Lage wird demnach davon geprägt, dass mehr Schusswaffen im Umlauf sind und junge Täter von ihnen Gebrauch machten, um zu töten.

Schweden gilt zwar als überaus friedlich, ringt aber schon seit Jahren mit kriminellen Gangs – das Problem ist so groß, dass es vor der schwedischen Parlamentswahl am 11. September zu den wichtigsten Wahlkampfthemen zählte. Das Bandengeflecht ist komplex. Der Kriminalreporter Lasse Wierup hatte in seinem 2020 erschienenen Buch „Gangsterparadiset" (Das Gangster-Paradies) geschätzt, dass es mittlerweile mindestens 350 kriminelle Konstellationen im Land gibt, von Rockern über ethnisch zusammenhängende Banden bis hin zu lokal aktiven Netzwerken, die allesamt unter anderem um Einfluss auf dem Drogenmarkt ringen. Das wären mehr als dreimal so viele wie 2010. (APA/dpa)