Mindestens 86 Tote nach Untergang von Flüchtlingsboot, 45 Kinder gestorben
Bei einem Bootsunglück vor der syrischen Küste sind mindestens 86 Flüchtlinge ums Leben gekommen. An Bord hätten sich etwa 120 bis 150 Menschen befunden.
Damaskus – Die Zahl der Toten nach dem Untergang eines Migrantenboots im Mittelmeer vor der syrischen Küste ist nach offiziellen Angaben auf 86 gestiegen. Das berichtete das syrische Staatsfernsehen am Samstag. Die syrischen Behörden hatten Donnerstagnachmittag vor der Hafenstadt Tartus nördlich des Libanon die ersten Leichen entdeckt. Überlebende gaben demnach an, dass das Boot am Dienstag vom Libanon nach Europa aufgebrochen sei. An Bord hätten sich etwa 120 bis 150 Menschen befunden.
Die libanesische Regierung erklärte am Freitag, sie habe Informationen, wonach unter den Insassen 45 Kinder gewesen seien, von denen keines überlebt habe. Die Zahl der Menschen, die versuchen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa in oft überfüllten Booten den Libanon über den Seeweg zu verlassen, ist laut UNO-Angaben in den vergangenen Jahren ständig und rapide gestiegen. Das Land steckt in einer schweren Wirtschaftskrise.
Auch fünf Libanesen unter Toten
Unter den Geretteten sind nach den Worten des libanesischen Verkehrsministers Hamie fünf Libanesen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte Hamie, er spreche mit seinem syrischen Amtskollegen darüber, wie die Leichen aus Syrien in den Libanon überführt werden könnten.
"Wir haben es hier mit einer der größten Rettungsaktionen zu tun, die wir je hatten", sagte ein Beamter des syrischen Verkehrsministeriums. "Wir decken ein großes Gebiet ab, das sich über die gesamte syrische Küste erstreckt." Hohe Wellen erschwerten die Rettungsarbeiten, fügte er hinzu.
Familienvater verlor Kinder bei Unglück
Viele der libanesischen Bootsinsassen stammten aus den verarmten Regionen im Norden des Landes, etwa aus Tripoli, einer der ärmsten Städte des Libanons. So auch der Familienvater Wissam al-Talawi, der das Unglück nach Angaben seines Bruders Ahmed überlebte und im Krankenhaus behandelt wird.
Wissams Töchter im Alter von fünf und neun Jahren seien jedoch ums Leben gekommen, sagte Ahmed der Nachrichtenagentur AFP. Ihre Leichen seien bereits in den Libanon gebracht und dort früh am Freitag begraben worden. Wissams Frau und seine beiden Söhne würden noch vermisst.
"Sie sind vor zwei Tagen abgereist", sagte Ahmed. Sein Bruder habe die täglichen Lebenshaltungskosten und das Geld für die Schule seiner Kinder nicht mehr aufbringen können.
Zypern als Ziel
Im vergangenen Jahr hatte der Libanon einen sprunghaften Anstieg der Zahl der Migranten verzeichnet, die von seinen Küsten aus die gefährliche Überfahrt in überfüllten Booten nach Europa wagten. Ziel der meisten Boote ist das EU-Mitglied Zypern, das 175 Kilometer entfernt liegt.
Viele der Flüchtlinge, die vom Libanon aus über das Mittelmeer in Richtung EU aufbrechen, sind Syrer. Die sich weiter verschärfende Wirtschaftskrise im Libanon hat aber dazu geführt, dass auch immer mehr Libanesen fliehen. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben seit 2020 mindestens 38 Boote mit mehr als 1.500 Menschen an Bord versucht, den Libanon zu verlassen. (APA/dpa/AFP)