Volksgruppen

Schleppende Anerkennung: Jenische fühlen sich „vor den Kopf gestoßen“

Am Samstag findet in Innsbruck der Sechste Jenische Kulturtag statt. Organisiert wird er unter anderem von der „Initiative Minderheiten Tirol“.
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Das Verfahren zur offiziellen Anerkennung als Volksgruppe gehe nur sehr schleppend voran, beklagen Vertreter eines in Tirol gegründeten Vereins.

Von Benedikt Mair

Innsbruck, Wien – Die Jenischen wollen vom offiziellen Österreich als Minderheit anerkannt werden – nach Jahrhunderten der Ausgrenzung, Benachteiligung und Verfolgung. Ein in Tirol gegründeter Verein macht sich, wie berichtet, seit knapp einem Jahr aktiv für dieses Anliegen stark und hat bereits einige Erfolge erzielen können. Jetzt aber scheint der Prozess ins Stocken zu geraten, beklagen Vertreter der Volksgruppe nach einem Treffen mit den für diese Frage Zuständigen in der Sektion II des Bundeskanzleramtes.

„Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen“, sagt Heidi Schleich vom Verein „Jenische in Österreich“. Nachdem es im März diesen Jahres einen Austausch mit allen Parlamentsparteien in Wien gegeben hatte – die der Idee positiv gegenüberstanden –, bei dem ein Ersuchen auf Anerkennung an die Abgeordneten übergeben worden war, sei die Stimmung bei den Aktivisten eigentlich gut gewesen, meint Schleich. „Jetzt sind wir aber auf dem Boden der Tatsachen angekommen und müssen uns wohl darauf einstellen, dass die Mühlen des Staates sehr langsam mahlen.“ Sie und ihre Kollegen hätten das Gefühl gehabt, das Interesse bei den Zuständigen sei enden wollend gewesen und ein genauer Zeitplan für weitere Schritte nicht benannt worden. Schleich betont, dass es den Jenischen in dieser Sache nicht um Geld gehe, „sondern darum, Respekt zu erfahren und endlich in ihrer Existenz akzeptiert zu werden“.

In der Sektion II des Bundeskanzleramtes stößt die Reaktion des Vereins auf Unverständnis, heißt es auf Nachfrage. Es habe ein konstruktives und freundliches Gespräch gegeben. Dass noch kein genaues Konzept für den Prozess hin zur Anerkennung existiere, habe auch damit zu tun, dass das letzte Verfahren dieser Art fast 30 Jahre zurückliege. Es sei vereinbart worden, dass die Jenischen in jeden Schritt eingebunden werden.

Das bestätigt auch Heidi Schleich. „Der Verein und seine Mitglieder sollen zu Rate gezogen werden. Trotzdem waren wir von dem Treffen, um ehrlich zu sein, etwas enttäuscht.“ Ihre Hoffnungen setzen die Jenischen nun auch auf die Hilfe aus Tirol, der scheidende Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hatte sich auf Bundesebene mehrfach für ihren Wunsch starkgemacht. Erst im Juli dieses Jahres beschloss der Landtag eine Entschließung, in der das Bestreben der Volksgruppe ausdrücklich begrüßt wurde und wonach Möglichkeiten der Unterstützung geprüft werden sollen.

Ungeachtet der Schwierigkeiten rund um die Anerkennung als Minderheit findet an diesem Samstag, den 15. September, in Innsbruck der Sechste Jenische Kulturtag statt. Musik wird gespielt, Autorenlesungen abgehalten, ein Filmprojekt vorgestellt. Die von der „Initiative Minderheiten Tirol“ und dem Verein „Jenische in Österreich“ organisierte Veranstaltung beginnt um 12 Uhr in der „Kulturbackstube – Die Bäckerei“. Der Eintritt ist für alle Interessierten frei.

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