Theater

„Der Wald“ in der Josefstadt: Nostalgischer Ausflug in das alte Zarenreich

Ein Ensemble in Fahrt: Aufregung vor russischem Vollmond in Starbesetzung mit Herbert Föttinger (Mitte) und Andrea Jonasson in roter Gala.
© Moritz Schell

Wien – Eine reiche Gutsbesitzerin, ein echter wie ein falscher Offizier, ein verschlagen-bäuerlicher Holzhändler, ein „armes“ Mädchen, zwei auf Landstreicherniveau herabgesunkene Schauspieler und die Geheimwaffen vieler russischer Komödien des 19. Jahrhunderts: abgeklärte Dienstboten, die kein noch so abstruses Handeln der Herrschaft erschüttern kann. Alexander Ostrowskijs Komödie „Der Wald“ (1871) verfügt über ein prächtiges Typen-Arsenal, dem man nun am Theater in der Josefstadt in Edelbesetzung begegnen kann.

Regisseur Stephan Müller schneidet seine solide, streckenweise jedoch die verstaubte Komödientradition der 1960er-Jahre aufnehmende Inszenierung auf die Stars des Abends zu. So darf Andrea Jonasson anlässlich ihres 60. Bühnenjubiläums als in jeder Hinsicht berechnende Raissa Gurmyschkaja glänzen. Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger (Genadij Nestschastliwzew) und der ehemalige Volksopern-Chef Robert Meyer (Arkadij Stschastliwzew) schlüpfen mit sichtbarem Eifer in die Rollen der glücklosen Provinzschauspieler, die, da Gennadij ein entfernter Verwandter ist, bei der Gurmyschkaja unter falschen Vorzeichen als Oberst mit Diener unterkommen und für Ver- wie Entwirrung von allerlei Geld- wie Liebesangelegenheiten sorgen.

Fein traurig-komisch agiert Meyer, eher polternd legt Föttinger seine Figur an. Lacher ernten die beiden zahlreich, vor allem wenn es spaßig gegen das Theater geht und Kampfbegriffe wie „Regietheater“ fallen.

In „Der Wald“ ist das „Spielen“, das Täuschen und Tarnen, Devise. Marcello De Nardo zeigt das als Holzhändler Wosmibratow hervorragend, ehrlich begeistern muss jedoch Claudius von Stolzmann, der als Ex-Gymnasiast, Schmarotzer und letztendlich Zukünftiger der Gutsherrin alle Register inklusive absurd-eleganter Balletteinlagen ziehen darf.

Mehr von dieser Freiheit hätte der ganzen Produktion, allemal den weiteren „Jungen“, „Axjuscha“ (Johanna Mahaffy) und Piotr (Tobias Rein-thaller), gutgetan. (lietz)