Krieg in Ukraine

Kreml unbeeindruckt: Westliche Hilfe beeinflusst Kriegsziele nicht

Der Kremlsprecher Dmitri Peskow.
© Gavriil Grigorov via www.imago-images.de

Laut Kremlsprecher Peskow wird die "Operation" fortgeführt und zu Ende gebracht. Die NATO sei "de facto" schon in den Konflikt involviert.

Kiew, Moskau – Rund acht Monate nach dem Einmarsch in die Ukraine will Russland trotz militärischer Rückschläge seine Kriegsziele unbeirrt weiterverfolgen. Die militärische "Operation" werde zu Ende gebracht, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Sonntag im Staatsfernsehen. Das werde zwar erschwert von der Hilfe westlicher Staaten für die Ukraine. Aber Russland habe genug Potenzial zur Fortsetzung des Einsatzes. Er sagte, die NATO sei "de facto" schon in den Konflikt involviert.

Präsident Wladimir Putin hatte die russische Invasion Ende Februar mit einer angeblichen Bedrohung durch das Nachbarland begründet. Als Ziele gab er die "Entmilitarisierung" und "Entnazifizierung" der Ukraine an. Außerdem soll das Land einen neutralen Status behalten und die Gebiete Donezk, Luhansk sowie die seit 2014 besetzte Halbinsel Krim aufgeben.

NATO will Selbstverteidigung unterstützen

Die NATO-Staaten betonen, keine Kriegspartei zu sein. Die Hilfe für die Ukraine gilt als Unterstützung des Selbstverteidigungsrechts des Landes, das in die EU und die NATO strebt.

Deutschland will die Ukraine künftig vor allem beim Ausbau ihrer Luftverteidigung unterstützen. Dies sei aktuell wichtiger als die seit Monaten diskutierte Lieferung von Kampfpanzern, sagte Außenministerin Annalena Baerbock am Wochenende. Hintergrund sind massive Raketenangriffe Russlands auf Kiew und andere ukrainische Großstädte zu Wochenbeginn.

Zu Kriegsbeginn galt der Aggressor Russland als militärisch überlegen. Nach Waffenlieferungen konnte die Ukraine aber russische Truppen zurückdrängen und besetzte Gebiete befreien. Putin will nun rund 300.000 Reservisten einziehen lassen, um nach den Niederlagen die in der Ukraine noch besetzten Gebiete zu halten. Nach der vor fast einem Monat verkündeten Teilmobilmachung war es zu Protesten und der Flucht von Hunderttausenden Russen gekommen.

Situation um AKW Saporischschja verschlechtert sich

In dem von russischen Truppen besetzten Kernkraftwerk Saporischschja verschlechtert sich unterdessen die Situation nach Worten des ukrainischen Atombehörden-Chefs mit jeder Woche. Die Besatzer hätten unter anderem das Verwaltungsgebäude, ein Schulungszentrum und einen Block des AKW beschädigt, sagte Petro Kotin dem ZDF. Sie lagerten Ausrüstung und Lastwagen, was große Brandgefahr schaffe. "Niemand weiß, was sich in diesen Lastwagen befindet."

Etwa 100 Menschen seien gefangen genommen worden, von anderen wisse man nicht, was mit ihnen passiert sei. Den Menschen sei es verboten, das Gebiet zu verlassen. Auf dem Gelände in und um das Kraftwerk sind immer wieder Artilleriegeschosse eingeschlagen, wobei beide Seiten sich gegenseitig für den Beschuss verantwortlich machen.

Der ehemalige US-General Ben Hodges hält indes eine Befreiung der von Russland besetzten Krim schon bis zum Sommer für möglich. Die Lage der Russen werde mit jeder Woche schlechter. "Man sagt, Krieg sei ein Test des Willens und der Logistik - und in beiden Punkten ist die Ukraine weit überlegen", sagte der ehemalige Oberbefehlshaber der US-Army in Europa der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Sonntag). Auf die Frage: "Wie kann dieser Krieg enden?" antwortete der frühere Drei-Sterne-General: "Die Russen müssen verlieren - sonst versuchen sie es in zwei oder drei Jahren wieder." (dpa)

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