Aufbruchstimmung im Pitztal: Die Jugend soll mitreden
Mit einer Jugendbefragung geht die Gemeinde Jerzens voran. Wenns wird folgen. – Die soziale Verankerung soll der Landflucht vorbauen.
Von Thomas Parth
Jerzens, Wenns – Man ist beinahe versucht zu sagen: „Endlich kümmert sich jemand um die Jugend!“ Ohne die Arbeit vorangegangener Politikergenerationen und schon gar nicht die wertvolle Nachwuchsarbeit in den Vereinen schmälern zu wollen – nur wird jetzt erstmals konkret den Jugendlichen im Pitztal eine Stimme verliehen. „Angefacht“ hat das feurige Engagement die Pojat (Plattform offene Jugendarbeit). „Wir haben uns den Auftaktworkshop der Pojat gegeben“, bestätigt GR Johannes Reinstadler. Er sitzt mit seinen 24 Jahren dem Jerzener Jugendausschuss vor, der mit Niklas Reinstadler (24) und Elias Grutsch (22) zwei weitere Youngsters umfasst. „Wir haben unsere Online-Befragung bereits gestartet. Und wir hoffen natürlich, dass möglichst viele junge Irzer (Jerzener, Anm.) daran teilnehmen“, hofft der Obmann des Jugendausschusses. Unterstützt wird die Initiative von BM Mathias Plattner. Er sieht durchaus selbstkritisch auf die eigene Gemeinde und will die Teenager zu Wort kommen lassen, was – abseits der Vereine – die Politik bislang verabsäumt hat. „Was fehlt unseren Kids? Was kann die Gemeinde besser machen? Können sich die Jugendlichen vorstellen, auch als Erwachsene im Dorf zu leben, und was braucht es, um sich bei uns wohl zu fühlen?“, leakt Plattner einige Punkte aus dem Fragenkatalog. Dass dieser Schritt auf die Jugend zu längst überfällig war, bestätigt auch der einstimmige Gemeinderatsbeschluss für die Umsetzung der Umfrage in Jerzens.
Dieser Tage ist auch die Nachbargemeinde Wenns mit einer Jugendbefragung online gegangen. „Wir haben uns einfach zusammengeredet und uns z. B. in Nassereith informiert, was man dort in der Jugendarbeit leistet“, zeigt GR Reinstadler auf. Was noch alles zum „Wohlfühlfaktor“ in einer peripheren Landgemeinde zählt, ist neben der Freizeitgestaltung im Ort auch das Mobilitätsangebot, das Arbeitsplatz- und Bildungsangebot u. v. m. „Tirolweit arbeiten etwa 270 Personen in der Jugendarbeit“, rechnet Lukas Trentini, Pojat-Geschäftsführer, vor: „Unsere Stärke ist die Vernetzung mit anderen Organisationen. Wir bieten Weiterbildungen auf verschiedenen Ebenen der Jugendarbeit an und setzen Themenschwerpunkte, wie z. B. in der Gewaltprävention.“ Was das Engagement für die Jugend, speziell abseits des Zentralraums, so interessant macht, ist das Thema „Abwanderung“.
Gefördert werden die Bemühungen durch das Land Tirol, schließlich hat man längst erkannt, dass sich Jugendarbeit bezahlt macht. „Wenn die jungen Menschen erkennen, dass sie Teil einer Dorfgemeinschaft sind, dass sie als Jugendliche ernst genommen werden, und wenn sie sozial verankert sind, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher ,im Tal‘ zu bleiben“, versichert Trentini. Es sei nur gut, wenn Jugendliche auch „hinausgehen“ und sich die Welt anschauen. „Bei starken Wurzeln werden sie aber wieder zurückkommen“, so Trentini. Jerzens und Wenns wollen jedenfalls dranbleiben. Vielleicht ergeben sich ja sogar pitztalweite Lösungen.
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