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Proteste im Iran: Wie die Haare der Frauen zum Symbol des Widerstands wurden

Bild der Anklage: Das Foto von Mahsa Amini wird weltweit bei Demonstrationen, wie hier in Köln, hochgehalten.
© Imago Images

Nach dem Tod von Mahsa Amini schneiden sich Frauen im Iran aus Protest die Haare ab und erfahren internationale Solidarität. Was macht das Haar der Frau zum ästhetischen Politikum? Eine Spurensuche von Rapunzel bis zur Ehefrau.

Von Andrea Wieser

Langsam arbeitet sich die Schere durch die dichte Haarsträhne einer iranischen Demonstrantin. Sie schneidet weiter, bis sie das Haarbüschel in den Händen hält, und zeigt es mit direktem, anklagendem Blick in die Kamera. Was zuerst wie ein Akt der Selbstverstümmelung aussieht, ist tatsächlich eine Befreiung, eine dramatische Selbstermächtigung und ein Symbol des Protests. Zu sehen ist das im Internet, wo iranische Frauen in privaten Zimmern ihr Haar abschneiden, aber auch auf den Straßen von Teheran bei Demonstrationen. Die Botschaft ist immer dieselbe: Das ist mein Körper, über diesen bestimme ich!

Auslöser der Proteste war der immer noch unaufgeklärte Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam Mitte September. Die junge Frau war von der iranischen Sittenpolizei festgenommen worden, weil ihr Kopftuch angeblich leicht verrutscht war und ein paar Haarsträhnen zu sehen waren. Seit der Islamischen Revolution von 1979 müssen die iranischen Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch und lange Jacken tragen, um so Haare und Körperkonturen zu verbergen.